Mittwoch, 23. Februar 2011

Eliesabeths Abrechnung mit KT - ganz schön hart

Hallo, Hans, leider weiß ich nicht wie ich mich auf deiner Website äußern kann. Deshalb schreib ich dir auf, was hier so diskutiert wird. Ich bin eine leidenschaftliche Leserin der Süddeutschen, habe bestimmt jeden Satz zu diesem Thema gelesen.

Karl-Theodor:


  1. K-T. wurde mit sehr großem Erfolg als der integerste Politik-Mensch, den wir im Moment haben, dargestellt. Die Leute konnten derartig von ihm überzeugt werden, dass ihm bis jetzt kein einziger Lapsus  schaden konnte. Seine Selbstdarstellung (Benehmen, Äußeres, phantastische Ausdrucksweise in Wort und Schrift – mehrsprachig) präsentiert den nahezu perfekten Menschen. Bildung, Herkunft, von Adel, Familie, schöne Frau und – ganz sicher auch eine ausreichend hohe Intelligenz kennzeichnen ihn. Außerdem hat man bei ihm auch mal wieder an den altmodischen Begriff „Moral“ gedacht.
  2. Frage: Wie kann ein Mensch zu einem Zeitpunkt, zu welchem bereits klar wurde, dass sein Werdegang ein politischer sein wird,  so eine Arbeit abgeben? Bedenke: Die Einleitung z. B.  ist ein nicht gekennzeichnetes Zitat. Der Artikel der Schweizer Professorin ist als Quelle angegeben, deshalb muss man davon ausgehen, dass KT den gesamten Inhalt der Professorin  kennt (kennen muss!!!) – genauso wie alle anderen nicht gekennzeichneten Zitate aus z. B. diesem Artikel. Die Einleitung sollte denn doch mit eigenen Worten informieren, was man für ein Ziel hat mit der Arbeit, meinst du nicht auch? Was ich heute in der Süddeutschen gelesen habe bzgl. des Umfangs von nicht gekennzeichneten „Zitaten“ ist vernichtend: auf 268 (von 475) Seiten finden sich Plagiate!
  3. Wie ordnen andere promovierte Leute die Sache ein? Hier bei mir im Amt sagt man unaufgeregt, ach du meine Güte, da kann man ja wohl  bei jedem was finden! Eine Arbeit wie die vom Guttenberg besteht halt aus Texten, die muss er bewerten, natürlich hat er Helfer, niemand macht eine Doktorarbeit alleine. Auch in studentischen Kreisen herrscht Unaufgeregtheit – mit der man allerdings auch feststellt: „Unterschleif gibt eben Note 6“
  4.  Was ist (wahrscheinlich) passiert? Er hat ganz sicher keinen Gohstwriter eingestellt und per Rechnung bezahlt – da wird man nichts finden. Aber dass ein Herr von Guttenberg genügend „Helfer“ hat, die ihm in welcher Form auch immer (z. B. wissenschaftlicher Dienst des Bundestags) – zuarbeiten, das ist wohl klar!! Irgendwie hat er da den Überblick verloren und/oder die Zuarbeiter und Berater waren Dummköpfe, was das Zitieren betrifft.
  5. Jetzt gibt er allerdings den Sachverhalt Scheibchenweise zu – so wie wir das von anderen gewöhnt sind!!! Zugegeben wird nur, was nachweisbar ist!!!! Also ist er auch nicht anders als alle anderen!!! Das ist die betrübliche Wahrheit. Deshalb glaube ich persönlich, wir sind der „Kunstfigur“ Guttenberg aufgesessen! Bei ihm wurde jahrzehntelang erzieherisch gefeilt, nur beste Leistungen konnte man gelten lassen, deshalb musste auch noch der Doktortitel her. Das 2. Staatsexamen hat er nicht, aber das geht wohl, wenn er Politiker und nicht Richter oder Staatsanwalt werden will. Er wurde erzogen wie ein Thronfolger, wie ein Pudel, der für die Ausstellung fit gemacht wird.
  6. Ist die Geschichte mit der Doktorarbeit nun schlimm oder nicht so schlimm? Ich finde sein Verhalten sehr schlimm! Ein Abiturient, der so was macht, wird nicht zum Abitur zugelassen, ein Student wird exmatrikuliert!!! Jeder weiß es!! „Das machen doch alle so“ wäre in diesem Zusammenhang der blödeste Satz, weil wir eben mal jemanden wollten, der es nicht so macht wie „alle“. Dieses Verhalten demontiert die  „Figur Guttenberg“ und wir müssen mit den Resten vorlieb nehmen – wenn wir es denn wollen und er seine eigene moralische Demontage ertragen kann.
  7. Gibt es in diesem Falle eine besondere „Medienhatz“? Die Medien sind voll mit dieser Story, aber das ist kein Wunder! Mich hat schon lange kein politisches Ereignis so bewegt. Ich bin total enttäuscht und finde es sehr schade, was passiert ist. Das geht vielen Menschen so. Ich glaube, 70 % wünschen sich, dass er trotz allem bleibt – ich nicht unbedingt!! Er ist einfach nicht mehr derselbe!!! Sicherlich wurde  gesucht (soviel ich weiß ist Andreas Fischer-Lescano ziemlich links), um ihm was ans Zeug zu flicken – aber gefunden wurde eine Granate!! Da ist jetzt halt nichts mehr zu machen, da wird jetzt jeder Satz seziert!!!
  8. Der Teufel liegt oft im Detail: In der Diskussionsrunde am Sonntag wurde von einem Professor darauf hingewiesen, dass er die Entschuldigungsrede (vor sehr wenig Presse!!) abgelesen hat (das tut er sonst selten) und dass eine bestimmte Formulierung zu beachten ist: Sie ermöglicht die Anwendung eines bestimmten Paragraphen und somit die Möglichkeit (rein juristisch), den Doktortitel nicht zwangsläufig abzuerkennen. Was sehen wir daran: In der Familie Guttenberg laufen alle Drähte heiß, alle Verbindungen kommen ins Spiel und man wird schon eine präsentable Lösung finden! Wenn man weiß, dass Jahre nach der Scheidung seines Vaters die Annullierung dieser Ehe erreicht werden konnte, dann kann man sich sicher sein, dass hier wiederum versucht wird einen Weg zu finden, um zu retten was zu retten ist. Einem normal Sterblichen ist das eben nicht so leicht möglich.
  9. Ist es schlimm, dass ein Herr v. Guttenberg derartige Privilegien hat? Dass er es hinbekommen könnte, aus diesem Schlammassel raus zu kommen, mit was für Tricks auch immer? Dass er danach unser Bundeskanzler werden könnte? Ja, es ist schlimm!!!  Aber da wir keine fehlerfreien Menschen haben (und schon gar keine fehlerfreien Politiker) könnte man schon damit leben. Wir müssen schließlich regiert  werden. Wie hat Adenauer gesagt (Achtung, Zitat): „Wir müssen die Menschen nehmen wie sie sind, andere gibt’s nicht!“ Und: Ich muss ihn ja nicht wählen! (Ich wähle in Zukunft sowieso nur noch grün – aus Überzeugung an der Sache, nicht wegen bestimmter Personen).
  10. Ist diese ganze Debatte überzogen im Vergleich zu den Problemen der Welt? Ich finde, da muss man schon unterscheiden können, es muss möglich sein, diesen Vorgang angemessen zu diskutieren und zu bewerten. Eine Bewertung schaut dann eben für KT nicht gut aus. Aber es nützt auch nichts zu sagen, ach kümmern wir uns doch um die Toten von Afghanistan und vergessen wir diese Geschichte. Das wäre Schmarren! Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun! In diesem Fall ist die riesige Aufmerksamkeit eben auch der zuvor präsentierten Person geschuldet. Das hat ja voll hingehauen – wenn ihn alle Leute sympathisch finden, sind eben auch alle Leute an ihm interessiert. Das ist ja zwangsläufig!
  11. In diesem Zusammenhang ist das verständnislose Gelächter der Italiener interessant, die finden den ganzen Vorfall nicht der Rede wert (wir wissen natürlich, warum). Und verglichen mit einem bestimmten amerikanischen Präsidenten, mit deutschen Politikern wie Kohl, Koch oder Franz-Josef, ist er immer noch ein Musterknabe – bis jetzt und trotz ev. vermasselter Doktorarbeit. Aber der Junge ist entwicklungsfähig – wenn wir Pech haben allerdings in die falsche Richtung.
  12. Eine letzte Anmerkung: Ich bin dem Hause Guttenberg von klein auf verbunden, mir ist sein Großvater ein Begriff (er war Staatssekretär und wurde bei politischen Stammtischgesprächen meines Großvaters durchaus erwähnt), ich kenne seinen Vater Enoch persönlich (d. h. ich bin ihm dann und wann begegnet, weil wir im Hause Guttenberg gearbeitet haben), ich habe sogar KT mit seiner damaligen Freundin Stefanie schon mal getroffen auf einer sehr schönen Geburtstagsfeier seines Vaters. Mein Eindruck war immer der Allerbeste von der ganzen Familie! Deshalb: Es wäre zu schön gewesen! Ich bin schon traurig über diese Entwicklung!




Aus der SZ vom 21.2.:
  • eine Promotion ist Aussage über persönliche Qualitäten (nicht nur Statussymbol)
  • die Arbeit ist „diskontinuierlich“ geschrieben, also Flickwerk – wenn so was misslingt, führt es zu wissenschaftlichen Scheinergebnissen (haben wir heutzutage ziemlich oft)
  • eine Doktorarbeit kann nicht einfach zurückgegeben werden, die Uni Bayreuth muss prüfen, ob er „bewusst getäuscht“ hat
  • es werden ganz sicher Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet werden



Elisabeth

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