Mittwoch, 17. Juli 2024

Nach dem Trip ist vor dem Trip








Erstmal steht tatsächlich ein bißchen Arbeit an. Aber nix dramatisches. Hier ist sommerliche Stimmung, d.h. die Leute sind in ihren Chalets, es ist brutal heiß, die Lage ist, insgesamt, ruhig. Gestern gab es schwere Gewitter mit Überschwemmungen, vor allem in Toronto.  Montreal war davon kaum betroffen. Die Starkregen Phänomene, die Tornados und die Hurrikane werden wohl immer stärker und häufiger - alles ein Ergebnis des Klimawandels. Leider. 

Aber, nach dem Trip, ist  vor dem Trip (frei nach Sepp Herberger). Somit werde ich heute Abend den nächsten Roadtrip planen, d.h. zusammen mit Emile wollen wir Johannes in New Brunswick besuchen. Dann könnten wir, alle Drei zusammen, noch einen Kurzabstecher zu meinen Nachbarn in Cape Breton machen und den Cabot Trail fahren. Zwar zum wiederholten male aber diese Straße ist immer wieder sensationell. 

Den restlichen August gedenke ich dann so abwechselnd im Büro und am See zu verbringen.  

Oiso, koan Stress und lasst es Euch gut gehen. 

Dienstag, 9. Juli 2024

Es ist vollbracht


Gestern standen noch mal 800 km auf dem Programm. Wir haben in London (Ontario) Pitstop gemacht da wir beide keinen Bock mehr hatten auf fahren. Ein bisschen früh aber Lili hatte echt keinen Bock mehr. 

Also habe wir in London übernachtet. Von da aus waren es "nur" noch 800 km bis Montreal bzw. bis zum Chalet. 

Wir sind also von London aus über den Großraum Toronto bis ins Chalet gefahren. Der Sprung in den See war einfach nur genial nach ca. 50 Stunden auf dem Bock. 

Insgesamt habe ich tatsächlich 8000 km abgespult in den letzten zwei Wochen. Wäre ich solo gewesen hätte ich - rein theoretisch - noch ca. 2000 km mehr machen können. Aber meine Compagnions hatten eine schlechtere Sitzposition und eine schlechtere Sitzbank. Komfortmäßig betrachtet. Ich hätte, technisch gesehen, jeden Tag noch mindestens zwei Stunden fahren können.

Allerdings waren die letzten 2500 km in der Tat kein Spass mehr. Ab den Badlands in Dakota war es eigentlich ein unglaublich langweiliges fahren. Da kommen halt 1000 km und es geht immer Interstate und gerade aus. 

Wettermäßig hatten wir unwahrscheinliches Glück: 90% Sonne, 9% Wolken 1,99% Regen und 0,01 % Hagel. 

Ein einziges mal, in South Dakota, mussten wir tatsächlich für zwei Stunden unterbrechen weil die Seitenwinde derartig stark waren, dass ein weiterfahren zu riskant war. 

Was hat uns das jetzt gebracht?? Schwer zu sagen. Vielleicht gibt es ja Leute welche uns (mich) für verrückt halten, aber ich wollte einfach diese Weite "erfahren" - sprichwörtlich. 

Vancouver Island ist irgendwie wie mein Wohnzimmer. Ich kenne da jetzt schon jeden Baum. Sagen wir mal etliche Bäume. Die Insel ist riesig und im Norden unerschlossen aber da war ich jetzt halt schon ein paar mal und habe viel "erfahren".

Montana war der Hammer. Menschenleer und gigantisch gross. Wyoming ist ein Paradies für Motorradfahrer.  Diese Weite zu erleben, zu spüren, dieses teilweise absolut menschenleere Land, diese unglaubliche Natur? Das ist einfach senationell. 

Das Bike war wichtig: die Adventure hat 700 km Reichweite, ist super zuverlässig und einfach nur geil zu fahren.

In Michigan mußte ich mich erst mal wieder richtig daran gewöhnen das auch noch andere Fahrzeuge unterwegs sind.

Ansonsten: 

Lili führte Tagebuch über die Trump Plakate. 18 mal Trump, 0 Biden. 

Es gibt keine e-autos (Tesla) im Westen - das ist ein urbanes (Toronto, Montreal) phänomen. 

Niemand trägt eine Waffe. 

Es gibt nur Pickups. 

Null Cops und man kann weitestgehend 140 kmh fahren - falls man möchte. 

Insgesamt betrachtet: ein unvergessliches Abenteuer.






Sonntag, 7. Juli 2024

Die Franken

 


Okay, "a bissla wos komme scho seng" - aber im Grunde genommen ist es einfach ein wildes Gemenge aus Bayerischen und Fränkischen Stereotypen und das ganze dann halt auf amerikanisch. 

Die Kapelle im Biergarten spielt Blasmusik und hat Lederhosen an und es fahren Kutschen mit Haflingern rum. 

Ansonsten hat das Ganze nichts mehr mit Franken zu tun sondern wird lediglich touristisch vermarktet. 

Immerhin wurde die Stadt und die Gegend tatsächlich von Fränkischen Auswanderern gegründet - soweit richtig. Das kann man auf Wikipedia nachlesen. Im Gegensatz zu Leavenworth in Washington State - wo ich mal mit Emile einen Pitstop gemacht habe. 

Ansonsten haben wir es tatsächlich wieder zurück nach Canada geschafft und morgen sollten wir gegen Abend im Chalet einchecken. 

Das wird auch höchste Zeit denn die Reifen an der BMW sind am Ende. Wir schaffen es gerade noch so nach Montreal aber dann ist Kundendienst und Reifenwechsel angesagt. 

Die GS ist insgesamt wunderbar gelaufen - ein klasse Bike. Wir hatten jede Menge Gepäckkapazitäten und das Motorrad hat sich sowohl auf Asphalt wie auch auf Schotter in z.B. Montana, prima und astrein geschlagen. Die Adventure hat eine Reichweite von ca. 750 im vollgetankten Zustand und das ist tatsächlich ein beruhigendes Gefühl in eben z.B. Montana oder auch in Wyoming wenn du mehrere Stunden lang solo und ohne andere Fahrzeuge menschenleere Gegenden durchquerst.

 

Morgen gibt es nochmal eine Hammeretappe durch Ontario und dann lassen wir den Trip in Montreal auslaufen. 8000 km!

 

 

 

 

 

 

 

Samstag, 6. Juli 2024

Michigan

 


Wir dachten schon wir müssten auf der Fähre übernachten denn irgendwann blieb das Riesending einfach stehen. Mitten auf dem Lake Michigan. Der Motor ist ausgefallen. Au Backe. 

Aber kurze Rückblende: wir haben in einem frankophon geprägten Ort in Wisconsin übernachtet: Fond du Lac.

Eher etwas mondän, man merkt, dass in Wisconsin ein bißchen "Kohle" ist. Es gibt viele Ferienhäuser an Seen und Flüssen und ansonsten nur top gepflegte Häuser, Dörfer, Städtchen und super nette Bauernhöfe so weit das Auge reicht. Die Landschaft hat uns ein wenig an Franken erinnert. Alles ist satt grün, es gibt viele Maisfelder und jede Menge sehr gepflegte Bauernhöfe. Alles ist wie aus dem Ei gepellt.

Es war nur ca. eine Stunde Fahrt bis zur Fähre nach Manitowac. Die Fähre war ein uralter Kahn,  Baujahr 1953 mit, man höre und staune, einem kohlebetrieben Dampfaggregat. Der Hammer. Davon gibt es angeblich noch insgesamt drei auf der Welt. 

Irgendwann haben die Technikjungs das Ding aber wohl wieder zusammengeflickt und wir sind mit ca. 1,5 Stunden Verspätung in Michigan angekommen. Ansonsten war die 4 stündige Überfahrt genial: Bier von Microbrauereien zu ok Preisen und Sonne pur. Drei Stunden ist man ohne jedweden Blick auf das Land - es ist wie auf dem offenen Meer. Dazu haben wir noch eine Zeitzone gen Osten durchquert und somit eine Stunde verloren.

Das war jetzt dann nach Montana, Idaho, Wyoming, South Dakota, und Minesota der sechste US Bundesstaat. Wow. 

Aber morgen geht es erst mal nach Franken: Frankenmuth!!! 

Ich bin mal gespannt. Ab morgen Abend sollten wir in "Schlagweite" von Montreal sein, d.h. noch ca. 8 oder maximal 10 Stunden fahrt. Das ist irgendwie sehr bizarr wenn ich denke, dass ich vor ein paar Tagen diesbezüglich noch in Wochen gedacht habe und nicht in Tagen oder Stunden. 



 

 

 

 

 

 

 

 

 

Freitag, 5. Juli 2024

Wisconsin

Wir haben es tatsächlich geschafft durch South Dakota durch zu kommen. Allerdings in zwei Tagen. Gestern waren wir in Sioux Falls - eine Stadt ohne "Corporate Taxes" und das sieht man der Stadt an. Banken und Anwaltskanzleien ohne Ende. Ein Steuerparadies. 

Es ist eh interessant: auch in Wyoming gibt es fast keine Steuern. Keine Ahnung womit der Staat dann z.B. seine Schulen, den öffentlichen Dienst und die Infrastruktur bezahlt?  

Motorradfahrerisch ist South Dakota absoluter Selbstmord. 1000 km, mehr oder minder immer geradeaus und alles flach. Die "Plaines". 

Apropos: die BMW hat eine Reichweite von ca. 700 km und ich tanke jeden Tag voll. Wahnsinn.

Im Moment sind wir in Wisconsin und nehmen morgen die Fähre rüber nach Michigan. Ansonsten kämen nochmal ca. 1000 km dazu - ich bin jetzt aber schon 6000 km gefahren die letzten Tage. Die Fähre spart uns also ca. 1000 km und somit sollten wir am Sonntag Nachmittag in Detroit eintrudeln. Von da aus können wir dann schon fast Kanada sehen. 

Was ist uns sonst noch aufgefallen? Ach ja, in South Dakota gibt es jede Menge Windenergie. Ansonsten haben wir in keinem anderen Staat irgendwas von erneuerbarer Energie gesehen. 

Wie bereits angemerkt: es werden keine Waffen getragen. Das scheint somit eher ein Südstaatenproblem zu sein. 

Dann die Gewitterfronten: wir haben in SD gigantische Gewitterfronten umfahren. Dazu mussten wir teilweise bis zu ca. 100 km ausweichen. Man kann ja bis zum Horizont sehne. Gestern und heute bin ich immer "strategisch" nach Regenradar gefahren und wir sind - de facto - fast regenfrei durchgekommen. Das ist der Hammer den die Wetterlage war total gewittrig.  


Und der Missouri: ein gewaltiger Strom. 

Ansonsten hat sich die Landschaft seit der Ankunft in Wisconsin stark geändert, gott sei Dank. Es sieht eher aus wie in Teilen Bayerns (oder Frankens). 


Donnerstag, 4. Juli 2024

South Dakota

 



South Dakota. Riesig. Wie alles hier. Mount Rushmore hat mich weniger beeindruckt - eher die 'Badlands'. Nomen est omen!!!!

Wir mussten 2 Stunden anhalten weil die orkanhaften Winde Motorradfahren nahezu unmöglich gemacht hatten. Es war schwer zu fahren und relativ gefährlich dazu - deshalb haben wir einfach mal 2 Stunden Pause gemacht bis der Sturm einigermaßen vorbei war.  Danach schien auch schon wieder die Sonne. Alles Gut!!

In Mount Rushmore wird die amerikanische Demokratie gefeiert und die herausragenden Präsidenten - ein Menetekel der heutigen Zeit und des Zustandes der US amerikanischen Politik und Gesellschaft. 

 

Mittwoch, 3. Juli 2024

Wyoming

 











Das Ganze ist insgesamt schwer zu beschreiben und auch die paar Bilder können nicht im Geringsten "rüberbringen" was wir bis dato gesehen und durchfahren haben. Montana war ja schon schlicht und ergreifend großartig, einfach nur diese gigantische Weite - immer der Blick bis zum Horizont. Die Landschaft ist gigantisch  und für europäische Standards unfaßbar. 

Wir sind Richtung Yellowstone gefahren und hatten eine "Zeltübernachtung" gebucht. Ein interessantes Konzept - so halb Camping, halb Hotel. Es hat mich an unsere Übernachtung in der Sahara erinnert. Das Problem war nur, dass wir ganz kurz vor dem Zeltplatz in einen Hagelschauer gekommen sind und es auf einmal schweinekalt wurde. Wir hatten eine Propanheizung im Zelt und die Nacht war ok aber es war schon verdammt kühl: 8 Grad.  

Aber am Morgen hat es aufgerissen und wir konnten bei strahlenden Sonnenschein durch den Yellowstone Park fahren. Geysire, Seen, Hotspots, schneebedeckte Berge (über 3000 Meter hoch) - wirklich beeindruckend.

Noch eindrucksvoller war aber die Fahrt nach Yellowstone Richtung Osten. Das Tal der Shoschonen sowie die anschließende Fahrt durch die Steppe nach Greybull war unglaublich. Auf eine gewisse Art und Weise sind die Landschaften derartig gigantisch und sensationell, dass sich die Emotionen fast abnutzen.

Motorradfahrerisch kam dann noch das absolute Highlight: der Bighorn National Forest. Wieder auf 3000 Metern mit einigen der besten und schönsten Motorradstrassen die ich jemals gefahren bin. Der absolute Wahnsinn.

Natürlich treffen wir auch immer wieder coole und nette Leute, z.B. die zwei Biker oben auf dem Bild. Er war zwei Jahre mit der Army in Bergisch Gladbach und kannte Gravenwöhr wie seine Jackentasche. Total sympathisch. 

Apropos: wir sind ja sprichwörtlich im "Wilden Westen". Es gibt hier Cowboys, Rodeos, Pferde, Rinder, Bisons, Country Musik im Restaurant usw., aber wir haben noch niemenden mit einer Waffe gesehen. Niemanden. Ausschließlich nette Leute. 

Die nächste Etappe: Mount Rushmore. Immerhin geht es dann schon mal grob Richtung Osten. Ich glaube wir haben jetzt "die Hälfte Runter", d.h. 4000 km sind gefahren, 4000 km liegen noch vor uns. 

 

 

 

 

Dienstag, 2. Juli 2024

Montana

 





Montana. Was für ein unfassbar grosses Land. Flächenmäßig grösser als Deutschland mit einer Bevölkerung von lediglich 1,1 Millionen Menschen. Das Land ist unendlich und menschenleer. Die Strassen gehen oft vom einen Ende des Horizontes bis zum anderen. Endlose Weiten. 

Alles ist Weideland - d.h. Rinder so weit das Auge sieht. Allerdings kann man auch, überraschenderweise, mit einem Bären konfrontiert werden. Wir sind ein bißchen nach GPS gefahren, etwas abseits der (einzigen) Hauptstrasse und waren irgendwann ca. 50 km auf Schotterpisten unterwegs. Lili und ich waren ca. eine Stunde auf der Strecke unterwegs ohne einen anderen Menschen zu sehen. Nur Kühe, Rehe, Wapitis, Büffel. In einem Canyon stand er plötzlich da, mitten auf der Schotterpiste: der Bär. Bremsen oder wenden konnte ich nicht mehr, also auf und durch. Der Bär ist links von der Strasse runtergedüst und wir sind so ca. 5 Meter entfernt an ihm vorbeigefahren. Alter. Anhalten für Fotoshooting war mir zu gefährlich - mir ist die Düse gegangen. So oft sieht man die Viecher nicht. 

Ich bin jetzt ca. 3500 km gefahren und wir befinden uns irgendwo in Wyoming. Heute war Yellowstone angesagt und landschftlich betrachtet war es sensationell. Die Strecke danach, Richtung Wyoming war aber fast noch beeindruckender. Erst wie im Grand Canyon und danach 2 Stunden Steppe. Beeindruckend. Was für ein Land. Was für ein Trip.