Dienstag, 2. Juni 2020

Rushhour



Der erste richtige "konventionelle" Arbeitstag seit langen. Der Wecker (smartphone) klingelt um 7 Uhr, ich trinke einen Cappu und um kurz vor Acht mache ich mich auf den Weg ins Büro. 


Der heutige Plan ist, das Büro bereit zu machen für die Wiedereröffnung am Mittwoch. Am Nachmittag kommt "Team 1" zum "Training". D.h. wir erklären wie das läuft mit den Abstandsregeln, wie die Kunden reservieren können, wie Berichte geführt werden, wie desinfiziert wird, wer rein kommt und wer nicht.



Das ganze Programm halt. 



Also, rauf auf das Rad, vor zur Metro und rein in den Wahnsinn. Rushhour. Hunderte von Menschen welche oft mehrere Züge abwarten müssen da diese total überfüllt sind. Man kommt normalerweise einfach nicht rein - alles RAPPELVOLL. 


Rushhour im Zentrum Montreals um Acht Uhr morgens.

Aber. 


Heute Morgen war ich DER EINZIGE MENSCH! 



DER EINZIGE. Es war niemand in der Metro ausser mir. 



So etwas habe ich in 20 Jahren noch nie erlebt. 



Entweder es fahren jetzt ALLE Montrealer mit dem Auto zur Arbeit, oder aber, niemand in Montreal arbeitet mehr im Büro sondern nur noch von Zuhause aus, oder aber es arbeitet überhaupt niemand mehr. 



Schwer zu sagen. 



Morgen mache ich den zweiten Testversuch. Um 10 Uhr machen wir - soweit ich informiert bin als erste unserer Einrichtungen in Montreal - den "Laden" wieder auf. 












Justin mal relativ cool - einfach nur sprachlos sein




Montag, 1. Juni 2020

Mord


https://www.nytimes.com/2020/05/31/us/george-floyd-investigation.html?action=click&module=Spotlight&pgtype=Homepage

 https://nyti.ms/2XMtUMa

KInnerla, kinnerla, was soll na nochat auch dera Welt noch wern?

Bisher dachte ich es wäre halt nur ein "depperter Depp" des Weges her gekommen. Blöder Zufall. Shit happens. Geht vorbei. Es gibt ja zwangsläufig einen Haufen Deppen. 

Die Weltbevölkerung umfasste im Mai 2020 rund 7,8 Milliarden Menschen. Also schätze ich mal so ganz grob, dass es ca. 
100  Millonen Deppen gibt auf der Welt. 

Und jeden Tag, da steht ein Depp auf (Haindling). 

Bayrischer Humor. Sorry. 

Na ja, so im Insgesamtverhältnis ok. 

Aber so langsam kommen mir richtige Zweifel ob das der richtige Denkansatz gewesen ist. 

Was wäre denn, wenn Donald "Oberdepp" Trump, der Führer von Trumpanistan, ohne Mehrheit "gewählt", als nächstes die Demokraten und ganz generell alle anderen Opositionellen in Vorbeugehaft nehmen liesse? Präsidentielle Sonderverfügung. Basierend auf z.B. konstitutionellen Ermächtigungsgesetzen datierend auf das Jahr1804? 

So eine Art "Grödepp" - "größter Depp aller Zeiten"? 

Den Senat wird vorübergehend ab- oder ausgesetzt - mit präsidialer Sondervollmacht, das Militär übernimmt zunächst die Kontrolle und die "Sicherheit" der USA da eine nationale Notlage vorliegt. Oder Mehrere. 

Die geplanten Wahlen im November müsse er leider auf unbestimmte Zeit verschieben da diese wegen der Corona Krise und aufgrund des nationalen Ausnahmezustandes vorübergehend nicht möglich seien.   

Im Vergleich zu diesen Szenarien wirkt das bekanntlich doch einigermassen autokratische Russland und der de facto Endlosherrscher Vladimir "Joseph" Putin ja wie ein Kindergeburtstag (automatisch gewählt bis zum Lebensende). 

Letzterer lacht sich womöglich seit knapp 4 Jahren jeden Abend kaputt wenn er daran denkt was er mit seinem Coup und seinen Bots erreicht hat. Letzterer zementiert gerade sein Regime mit einer Verfassungsänderung - länger als Stalin an der Macht bleiben ist die Devise.  L'état c'est moi. 

Gott sei Dank hat "Mutti" die Einladung zum G7 in Trumpanistan - District DT) ganz elegant "ausgeschlagen" und eine tolle Ausrede vorgeschützt (geht grad nicht wegen Krise und so, ausserdem ist meine Lufhansamaschine mal wieder in der Werkstatt und mein Flughafen in Berlin braucht noch ein paar Jahre bevor ich da starten darf, der Anzug kommt nicht rechtzeitig aus der Reinigung und ich kiege rechtzeitig keine Zigaretten mehr, usw.) und Macron will alleine und ohne Mutti auch nicht hinfahren. Die anderen Kids auch nicht. 

Immerhin etwas. 

Aber kann es eigentlich immer nur noch schlimmer werden? 

Das hätte ich mir niemals träumen lassen. 

Ein Wahnsinn. 

Ich habe übrigens noch nie, aber auch wirklich noch nie, in meinem ganzen Leben noch nicht, von einer wirklich existierenden ANTIFA in den USA gehört. Antifa? Ernsthaft? Alter. In den USA?

ANTIFA? D.h. meine 5 Antifa Kids aus Würzburger Tagen sind jetzt offiziell Terroristen in den USA? Das sie es mal so weit bringen würden hätte ich nie gedacht. 

Wie der "Magier der Lügen" dieses Kaninchen aus dem Hut holt ist dann schon wieder fast genial. Der Reichstag wurde ja damals auch von einem Juden angezündet, oder?

Ich bin mal gespannt auf die Corona Statistiken der USA über die nächsten Wochen. Aber das scheint jetzt total egal zu sein - alle Wurscht. Sind eh alle gefälscht, in Wirklichkeit gibt es keine Toten. Alles nur eine längere Grippe Phase. Das geht vorbei.  

https://www.youtube.com/watch?v=UE0Jk0KqKRc


Themawechsel. 

Ich lese meine Blogtagebücher ja selbst manchmal durch bzw. schaue mal nach was ich vor z.B. vier Jahren um die gleiche Jahreszeit so getrieben habe. 

Da ist mir aufgefallen, dass ich tatsächlich dachte ich könnte Anfang Mai das Büro wieder öffnen und alles wäre - so coronatechnologisch - fast - vorbei. Das war wohl ein wenig über optimistisch - aber, und hier ist die gute Nachricht: am Mittwoch machen wir das Büro tatsächlich wieder auf. 

Halleluja. Eingeschränkt zwar und wohl auf absehbare Zeit nie mehr so wie früher, d.h. mit viel weniger Publikumsverkehr, viel mehr Barrieren, mit weniger direkten und bürokratischeren Zugang, aber immerhin. 

Es geht voran, Geschichte wird gemacht. 










Iran versus USA









Aus der NYT. Hat der iranische Außenminister am Wochenende auf Twitter gestellt - eine leicht aktualisierte offizielle Pressemeldung der US Regierung von 2018.


 View image on Twitter

Samstag, 30. Mai 2020

Das Land ist krank ... und kein Doktor in Sicht

https://dynaimage.cdn.cnn.com/cnn/animations/w_460/200530095430-02-floyd-protests-530-desktop.mp4

 https://www.sueddeutsche.de/politik/usa-proteste-rassismus-1.4923125

Polizeiliche Übergriffe gibt es  zwar abgeschwächt auch in Kanada und statistisch gesehen werden schwarze Mitbürger auch in Montreal oder Toronto mehr kontrolliert und gelegentlich gibt es auch krasse Fälle.

Schwarze Jugendliche erzählen uns oft, dass sie von "den Cops" oft ohne wirkliche Gründe z.B. in öffentlichen Parkanlagen, kontrolliert werden. 

Wir hatten letztes Jahr einen Toten in NDG (das Viertel in welchen sich mein Büro befindet). Der junge Mann war allerdings schizophren und hat die Polizisten mit einem Messer bedroht. Das man ihn dann allerdings mit 7 Kugeln "durchsiebt" halte ich für inakzeptabel. Wozu haben die die Elektroschocker? Da gab es auch einen ziemlichen öffentlichen Aufruhr hier.

Der Sohn einer schwarzen Kollegin aus NDG wurde letzten Sommer in Toronto von der Polizei erschossen - er war angeblich unbewaffnet. 

Insgesamt würde ich aber behaupten, dass hier der Rechtsstaat ordentlich funktioniert und z.B. unabhängige Polizei Instanzen in diesen Fällen Aufklärung betreiben. 

Aber wenn ich die Bilder und Nachrichten von dem kranken Nachbarn im Süden sehe und dann so was in Corona Zeiten und dann noch in Verbindung mit den ganzen Waffen und der eh schon stark aufgeheizten und extrem polarisierten Stimmung, in einer wirtschaftlichen Katastrophensituation, angeführt von einem Vollidioten und offensichtlichen Soziopathen, dann kann man sich schon mal Sorgen machen.  

Und dann noch so etwas hier:




Russland? Ja. China? Ja. Nordkorea? Ja. Ungarn? Möglich. 

Aber in den USA?

Das sieht insgesamt nicht gut aus.


Montag, 25. Mai 2020

Von -11 auf +39 - das macht dir Keiner nach

Die minus 11 Grad Celsius vor kaum zwei Wochen waren reell. Ich dachte es wären - 8 gewesen aber Mike, mein Nachbar, hat mir bestätigt, dass es tatsächlich - 11 waren am Chalet. 

Für morgen und vor allem für übermorgen wird eine erste Hitzewelle angekündigt - mit fast 40 Grad.  Gefühlt. Aber plus 34 Grad und Feuchtigkeit ergeben dann knapp 40. 

Das ergibt dann so mein "italienisches Po-Ebene" Gefühl im Juli oder August".  Drückende Hitze und unfassbare Schwüle. Das habe ich früher in Italien immer so geliebt aber ich musste da auch nicht dauerhaft leben.


Tue05/26
Mainly sunny
32 °
38 (mit Humidex)

-
Wed05/27
Mainly sunny
33 °
39 (mit Humidex)

-
Thu05/28
A mix of sun and clouds
31 °
36 (mit Humidex)

Wahnsinn. 

Die Alten- und Pflegeheime, eh von COVID verwüstet, müssen jetzt schnell noch zusätzliche Klimageräte kaufen und einbauen sonst sterben noch mehr (alte und pflegebedürftige) Menschen. 

Allerdings geht von dieser kurzen, sehr frühen und außergewöhnlichen meteorologische Anomalie keine wirkliche Gefahr aus da am Freitag die Kaltfront kommt. "Kaltfront" bedeutet in diesem Fall ein Temperatursturz von, sagen wir mal 36 Grad auf 20 Grad. Die Luftfeuchtigkeit macht echt den krassen Unterschied zwischen "heiß" und "unerträglich". 

Freitag, 22. Mai 2020

Up north




Am Tremblant scheint noch Schnee zu liegen. Der Rouge ist wie immer um diese Zeit: der Hammer. Die Stromschnellen sind Wahnsinn. 

Ansonsten staub trocken und heiß, ich wahr erstmalig kurz schwimmen gestern - auf den Schotterpisten oben am Chalet ist es genau so geil wie in Peru oder Guatemala - oder noch besser.

Das fange ich gerade wieder an zu genießen: anstelle irgendwo in der Weltgeschichte rum zu düsen habe ich ja praktisch ganz Kanada vor der Haustür.  Man vergisst manchmal die einfachsten und naheliegendsten Tatsachen. 30 Grad und südliche Bedingungen. Sommer. 


Montag, 18. Mai 2020

To Cottage, or not to Cottage?






Es war noch so ein bisschen unklar ob das jetzt wieder richtig erlaubt ist, oder nicht. Nur so zum Spass über das lange Wochende ins Chalet fahren. 

Angeblich durfte man auch kein Feuer machen. Da war ich am WE ein wenig "delinquent". Kein Feuer am Chalet? Boah, ey, habe ich echt nicht gewusst und wo kein Kläger ist, ist bekanntlich auch kein Richter.

Es gibt kein Covid oder Corona am Chalet. Null Fälle in der Gemeinde. Inexistent. Allerdings leben ja auch nur ca. 850 Seelen in Harrington.

Also alles wie immer, Lili checkt das SUP, Emile fährt Fahrrad, ich mache Holz, fahre Kanu und unternehme lange Spaziergänge in der Wildnis und abends wird der Bieber beobachtet. 

Absolut entspannt. 

Hie und da gibt es noch die letzten Schnee- und Eisreste, die Mücken sind noch 'gechilled' da es letzte Woche krassen Nachtfrost gab (- 11). Ansonsten wäre die Gegend um diese Zeit erst mal "no go area" weil man es schier nicht aushält - Black Flies. Myriarden.

In der Tat "sitzen" etliche Familien die Krise ganz einfach am See aus. Einige Pensionäre harren seit Ende Februar aus. Könnte schlimmer sein. 

Diese Woche werden schon fast sommerliche Temperaturen vorhergesagt und deswegen werde ich mich Mittwoch oder Donnerstag nochmal kurz "absetzen". Baden, Kanu, Bier und Offroaden. 

Könnte auch schlimmer sein.









Montag, 11. Mai 2020

Muss ich mir Sorgen um Euch machen?

Aus der SZ von heute: 

Die Mainzer Psychologin Pia Lamberty, die zu Verschwörungsideologien forscht, fasste auf Twitter die Ergebnisse mehrerer Studien zusammen: Acht Prozent der Deutschen glaubten, "geheime Organisationen" hätten Einfluss auf Entscheidungen. Neun Prozent hielten HIV und 20 Prozent das Impfen generell für eine Verschwörung. Jeder Vierte glaube, Medien und Politik würden "gezielt" vertuschen.

Bedeutet das, dass 8 bis 20 % der Bevölkerung niemals eine Bildungsstätte, sprich Schule besucht haben? 

Und bitte immer schön aufpassen, dass man nicht zu Nahe an die 5G Funktürme ran kommt (welche es im Übrigen noch nicht mal Flächendeckend gibt im Moment da das höchste der Gefühle 4G sein sollte - weitestgehend - zumindest in Bayern). 

Es gilt wie immer: check your source, überprüfe die Quelle deiner Information bitte ganz genau!

 

Sonntag, 10. Mai 2020

Montreal 'bashing'


Ich habe ja schon öfter von der, wie ich es nenne, Quebecer "dualität" gesprochen. D.h. in einem Land mit ca. 8 Millionen Einwohnern, gibt es eine riesige Metropolregion mit knapp 4 Millionen. Das ist die Insel Montreal (2 Millionen), der Teil nördlich davon und der südliche Teil. Macht zusammen ca. 4 Millionen. 

Und dann gibt es Regionen wie die Cote Nord, oder die Gaspesie oder Abitibi - Temiscamingue - de facto menschenleer und weiter oben im Norden absolut unerschlossen und nicht bewohnt. Wildnis.

Wie aus obiger Grafik hervorgeht, haben Montreal, Laval (nördlich), Monteregie (südlich)  praktisch fast 30000 Fälle, der Rest der Provinz nahezu nichts oder sehr wenig. 

Es gibt knapp 3000 (bekannte) Todesfälle in Quebec, davon allein 2000 in Montreal. Stand 11. Mai 2020. 

Für den stramm konservativen, bodenständigen, frankophonen Quebecer war Montreal schon von je her der "Sündenpfuhl" und die absolute Apokalypse. Der Untergang des Abendlandes. 

In dieser Großstadt gibt es Morde, es gibt Prostitution, Drogenhandel, Schwulenviertel. Die Mafia regiert. Bevölkert von Immigranten und Menschen aus aller Herren Länder. Menschen die kein Wort Französisch oder Englisch sprechen. Jede Menge "Anglos", also englischsprachige Quebecer. Verkehr und Staus ohne Ende. Mit anderen Worten: ein einziges Chaos. 

Der Abgrund. The Abyss.

Und das stimmt natürlich auch zum Teil, das habe ich aus meiner Zeit im Jugendschutz gelernt. In der anonymen Großstadt lernt man - leider - oftmals die Abgründe der menschlichen Seele kennen. 

Aber das gilt genauso für Paris, Berlin oder Mexico City. 

Was ich allerdings im Moment zu erkennen glaube, ist die Tatsache, daß die Regionen sich im Moment noch viel deutlicher von Montreal abgrenzen wollen. Sprichwörtlich.

Die wollen nicht, daß die "Verseuchten" jetzt in ihre Chalets fahren und das Virus zu den Einheimischen mitbringen. Möglicherweise. 

Nächstes Wochenende steht ein erstes langes Wochenende an, d.h. Montag ist Feiertag - insofern man überhaupt noch einen Unterschied zwischen Feiertagen, Ferien oder Arbeitstagen, erkennen kann in dieser Zeit. 

Allerdings ist das traditionell tatsächlich das erste Wochenende an welchen der "gemeine Großstädter" gerne mal in sein Chalet fährt. 

Bloß ist "er, der Virenbringer" diesmal nicht erwünscht und möge doch bitte in seinem virulenten Seuchendorf (Montreal) bleiben. 

Mich sollte das nicht betreffen weil ich mit den Leuten da oben in der Gegend gut kann und weil ich ja im Grunde eh nur ein Reisighofer Landei bin und kein Großstädter.  

Aber es ist schon faszinierend was sich da gerade für bizarre Konfliktsituationen aufbauen.






Ansonsten ist es so was von scheiße Kalt, das glaubt man einfach nicht. Am Chalet soll es heute und morgen Nacht ca. - 5 Grad Nachtfrost geben. Brutal. Die polare Luft sorgt dafür, dass es aber auch schon absolut nix Grünes gibt.

Und dann halt auch noch so was: ein Obdachloser auf der Wiese. Krass. Die armen Schweine.













 

Freitag, 8. Mai 2020

Und wie "schauts" jetzt so in der Realität aus

Wo soll ich da jetzt anfangen? Wie sieht die Lage aus hier?

Ganz normal sage ich mal. Von meiner, von "unserer" Warte aus gesehen. "Unsere Warte" ist in diesem Fall eine, ich sage mal, privilegierte. Klaro, wir, d.h. der ganze "deutsche Klan" wie auch die Quebecer Familie, sind jetzt nicht in der Liga der Superreichen und wir sitzen nicht auf unseren privaten Inseln in der Südsee oder auf den Malediven (welche dann wohl teilweise demnächst mal untergehen werden - Stichwort: Klimawandel. Stichwort: ist noch nicht vorbei) oder auf unseren Superjachten in Monaco und auch nicht im Wochenendhaus in Acapulco oder in Südfrankreich. 

Aber, 
"WIR" sind auch nicht eingepfercht in eine 30²m Wohnung in einer "Banlieue" in Paris, Moskau, Sao Paulo oder New York mit einer fünfköpfigen Familie inklusive Ausgangsverbot.

Liese sagt immer: "schreib, wir wollen wissen wie es bei Euch ist". Ok, mache ich, 

ich lese immer gerne diesen Blog von Herbert Bopp, schreibt super, eloquenter, erfahrener Kolumnist, cooler journalismus. 

Hier sein aktueller Eindruck:

https://canada365.wordpress.com/2020/05/07/im-epizentrum-des-elends/#comments

Im Epizentrum des Elends. Seine Meinung.

Nu ja, 

die Zahlen sprechen schon für sich. D.h. der "Hotspot" Montreal ist Realität, aber relativ gesprochen, was soll das schon heißen?

Warum haben wir die relativ hohen Infektionszahlen und die relativ hohe Mortalitätsrate in Montreal? Schwer zu sagen. 

Eines ist sicher, wenn ich am Reisighof am Tag nur der Familie und den Viechern begegne, in Brasilien auf einer Hazienda lebe oder am Forest Lake alleine durch den Wald sappe, bin ich höchstwahrscheinlich sicherer als wenn ich in Montreal mit 500 Leuten im selben Wagon in der Metro fahre. 

Das ist nun mal so. 

Persönlich habe ich von der Katastrophe und dem Weltuntergang hier noch sehr wenig mitbekommen.  Aber wie gesagt, "wir" sind ja privilegiert, haben unsere Gärten, Parks, Chalets usw. 

Zugegeben: das Gesundheitswesen (insofern man davon überhaupt sprechen kann) im Großraum Montreal war schon immer eine einzige Katastrophe. Das ist mir seit 20 Jahren bewusst. Das ist leider systemisch, aber die Ärzte und Pfleger und Krankenschwestern (und alles andere außen rum, von der Reinigungskraft bis zum Sicherheitspersonal) machen weiterhin ihren (unterbezahlten) Job. 


Das sich da was ändern muss im "System" scheint klar zu sein. Hoffentlich passiert auch was nachhaltiges. 

Es ist allerdings interessant zu sehen, dass die Pandemie im Moment, was Quebec an begeht, ein urbanes Problem zu sein scheint. 

Ansonsten - so scheint es mir jedenfalls - geht die Welt (noch) nicht unter. Auch hier nicht. 


Der Typ übt Gleitschirmfliegen, mitten in der Stadt. 
 









 

 

Donnerstag, 7. Mai 2020

Und täglich grüßt das Murmeltier


Man hat ja einfach mehr  Zeit um z.B. mit dem Fahrrad herum zu düsen oder lange Spaziergänge zu machen. Die Wildgänse drüben auf der Insel sind jedenfalls tiefen entspannt. Überhaupt höre und sehe ich viel mehr Vögel als früher. Die Natur scheint die "Auszeit" zu genießen.









Ansonsten läßt das Murmeltier täglich grüßen - es geht hier gerade wieder zurück in seinen Bau. 

Québec folgt in der Entwicklung der Covid-19 Krise Deutschland und auch hier geht die "Öffnung" voran. Allerdings gilt das zunächst mal für die Regionen in Quebec. Die sind fast nicht mehr von Covid betroffen. 

Montreal ist leider immer noch der kanadische Hotspot und die Zielvorgabe für eine komplett Öffnung bzw. die Rückkehr zum Normalzustand wird noch mal vom 19. jetzt auf den 25. Mai verschoben. Dann geht es aber hoffentlich echt wieder einigermaßen normal weiter.

Montag, 4. Mai 2020

Sonntag, 3. Mai 2020

That was fun - thanks to you all! Vielen Dank. Merci!

Servus, 

ich wollte mich bloß kurz bei Allen bedanken für das witzige ZOOM Meeting. 

Bleibt gesund und genießt das Leben - trotz Allem. 





So sieht es bei uns in der Ruelle aus. Jede Menge Kinder und man trifft sich und trinkt ein "Abstandsglas" zum Apero. Richtig so. 

Vor ein paar Wochen ist mir aufgefallen, dass der Zugang zum Hauptfriedhof gesperrt ist und ein absolutes Zugangsverbot ausgesprochen wurde. Was mir komisch erschien angesichts der riesigen Ausdehnung - das ist wie ein gigantischer Park und ich habe bei meinen ausgedehnten Spaziergängen noch nie viele Menschen gesehen. Gestern kam mir dann der Gedanke, dass die Betreiber womöglich nicht wollen, dass die Bevölkerung die ganzen frischen Gräber sieht. 

Das müssen ja mehrere Hundert sein bei über 2000 verstorbenen Menschen in der Provinz, davon 50% in Montréal, do the math ..........




Freitag, 1. Mai 2020

60

Hans Heisinger is inviting you to a scheduled Zoom meeting and to drink a glass together.
Ceci est une invitation pour un rencontre ZOOM et pour prendre un verre ensemble.
Servus, dies ist eine Einladung für ein ZOOM Treffen und um ein Gläschen zu trinken - auf eure Gesundheit.

Topic: Hans Zoom 60 virtual Drink Meeting

Time: May 3, 2020 11:00 AM Eastern Time (US and Canada)
Zeit Deutschland: Sonntag, 3 Mai, 17 Uhr (MEZ)

Join Zoom Meeting
https://us02web.zoom.us/j/85600894559?pwd=U3JsV1VheURjZENFWmlpTW5iR2NjZz09

Meeting ID: 856 0089 4559

Password: 060993

Feel free to forward - I have no idea how many people my ZOOM account can handle, 100 I guess!

Könnt ihr auch weiterschicken - mal schaun was mein ZOOM Konto packt.

Vous pouvez faire un "forward".  





Montag, 27. April 2020

Zen and the art of motorcycle maintenance


Meine gute alte SR 500, auch genannt "kleiner Donner" wegen der offenen Shortpipe. Baujahr 1978. 


Zwei oder drei Jahre Standzeit, das Benzin im Vergaser ist natürlich verdunstet, seit 5 Jahren wurde kein Ölwechsel mehr gemacht, der Kolben der Vorderradbremse ist fest korrodiert. Die Ventile scheppern wie Sau, die wurden vor 20000 km zum letzten mal eingestellt. Der Reifensatz ist mindesten 15 Jahre alt. Die Blinker gehen nur manuell. Der vordere Hauptbremszylinder scheint im Arsch zu sein - jedenfalls war nur noch Rost drin und keinerlei Bremsflüssigkeit mehr. Tacho ging noch nie, eine SR fährt man aber sowieso immer nach Drehzahl.

Ansonsten: läuft auf Standgas und springt auf den ersten Hüpfer an.  Das ist schon mal die Hauptsache, der Rest ergibt sich.

Geil.  

Offene Tüte (etwas laut) und K&N Filter für den Durchzug, BMW Dämpfer für das Handling - liegt wie ein Brett. Doppelschmierung nachgerüstet. 

Da arbeite ich mich jetzt mal durch die nächsten Tage. Jeden Tag ein oder zwei Stunden schrauben - das entspannt und macht den Kopf frei. 

Québec fährt übrigens wieder hoch, die Grundschulen öffnen am 11. Mai, die weiterführenden Schulen bleiben alle online. 

Die Straßenkontrollen zwischen den Regionen werden aufgehoben, d.h. ich KANN ENDLICH WIEDER INS CHALET gehen!! Yeahhh!!!

Ich habe noch ein Zeitfenster von genau zwei Wochen - dann kommen die Blackflies und die Laurentides werden eh "no go area". Wer will sich schon  bei lebendigen Leib fressen lassen. 

Wir machen unseren Laden am 4. Mai auf. Ganz langsam zwar aber immerhin - es geht voran.

 

Samstag, 25. April 2020

Montrealer Impressionen


Abstandsregeln aber sauber eingehalten, oder?


Am "Berch" kann ich sogar ein wenig Klettersteig machen falls ich will.



Die Cops sind sehr präsent aber entspannt. 


Normalerweise wären hier hunderte von Touris.  Place Jacques Cartier mit Blick auf das Rathaus.


Montreal war  bis zum Februar "voll fett im Boom", d.h. es gab und gibt unglaublich viele Baustellen und wahnsinnig viele Infrastruktur Projekte. Ab dieser Woche werden die ganzen "Construction Sites" wieder hochgefahren. 



Alles läuft sehr ruhig, diszipliniert und ganz normal ab, "social distancing" wie man das hier nennt wird eingehalten, die Menschen halten den zwei Meter Abstand ein, man geht sich halt "aus dem Weg". 

Die Polizei ist in den Parks und in der Nähe von populären Radwegen usw. relativ präsent aber die Jungs und Mädels in Uniform gehen im Prinzip auch nur spazieren. 

Lili hatte z.B. letztes Wochenende eine Tanzshow mit organisiert - hier bei uns in der Ruelle hinter dem Haus. Da haben dann 10 Kids - mit Abstand - eine Tanzchoreographie gemacht. Tatsächlich hat jemand die Polizei angerufen, die Beamten kamen vorbei, haben sich das angesehen und dann "Thumbs up" gemacht. Macht`s weiter, alles ok. 

Ich bin gestern mit dem Fahrrad ins Büro gefahren und habe dann eine dreistündige Tour drangehängt. 

Heute war ich oben am Berg, so Klettersteig mäßig, ansonsten Biken oder spazieren gehen oder am Haus rummachen. 

Wir werden das genau so handhaben wie Bayern, d.h. Masken, Abstand, sanitärer Standard. 

Das große Problem liegt nach wie vor bei der Situation in den Krankenhäusern sowie vor allem in den Alten- und Pflegeheimen. Quebec schickt jetzt tausend Soldaten als Hilfskräfte in die Einrichtungen. Anstelle irgendwo auf Pappschilder zu schießen werden sie, die Berufssoldaten, pflegebedürftigen Menschen jetzt "den Arsch abwischen". 

Machts halt mal was gscheits, was sinnvolles, gell!

 

 

Freitag, 24. April 2020

Die NYT blickt mal wieder auf Deutschland

https://nyti.ms/3bx7FQ0

Mit Bewunderung und  enorm viel Lob für die Art und Weise wie Deutschland die Krise handhabt und vor allem mit viel Bedauern im Blick auf ein nicht vorhandenes vergleichbares soziales Netz in den USA. 

Deutschland "habe Merkel, im Geist eine Wissenschaftlerin, im Herzen eine Pastorentochter", die USA "hätten Trump".  

( https://www.bbc.com/news/world-us-canada-52411706 
das muss man sich mal geben - ich möchte nicht wissen wie viele Menschen in den USA sterben werden wegen dem Vollidioten - ich hau mich weg). 

Die USA befürchten den Absturz, wirtschaftlich, ökologisch und gesellschaftlich. 

The pandemic has exposed the strengths and weaknesses of just about every society, Mr. Moïsi noted. It has demonstrated the strength of, and suppression of information by, an authoritarian Chinese state as it imposed a lockdown in the city of Wuhan. It has shown the value of Germany’s deep well of public trust and collective spirit, even as it has underscored the country’s reluctance to step up forcefully and lead Europe.

And in the United States, it has exposed two great weaknesses that, in the eyes of many Europeans, have compounded one another: the erratic leadership of Mr. Trump, who has devalued expertise and often refused to follow the advice of his scientific advisers, and the absence of a robust public health care system and social safety net.

Einzig mehr "leadership" wird gewünscht, also eine größere internationale Führungsrolle, aber das ist bekanntlich ein heikles und komplexes Thema für Deutschland.

In Kanada bricht gerade ein wenig Panik aus - zumindest habe ich das heute morgen in meinem freitäglichen "Briefing" mit Provinz- und Federalregierung gespürt.  Die wirtschaftlichen Folgen werden katastrophal sein, die Verschuldung des eh schon verschuldeten Landes wird durch das Dach gehen. 

Quebec rechnet (sehr konservativ) mit 15% Arbeitslosigkeit. Ich denke da können sie noch 10% drauflegen, zumindest bei Jüngeren und Immigranten. 
In Alberta gehen die Lichter aus weil das Öl nichts mehr wert ist.  Im Kleinen planen wir, d.h. mein Team und ich, wann und wie wir unseren Job Center wieder hochfahren. Ich hoffe mal, dass in zwei oder drei Wochen wieder Schulbetrieb aufgenommen werden kann und dann könnten wir wieder einsteigen. Aber nichts wird mehr so sein wie es vorher mal war. 

p.s. nochmal kurz Trump:

Das läßt sogar hartgesottene US Journalisten de facto sprachlos.  



Montag, 20. April 2020

Brezeln backen - gegen den Wahnsinn



Man muss ja auch mal wieder was vernünftiges tun, in diesem Fall einfach Brezeln selber backen. Der erste Versuch hat auch relativ gut geklappt. 

Ansonsten ist Kanada ja leider schon wieder in den Schlagzeilen weil in Nova Scotia gerade ein Irrer ca. 20 Menschen umgebracht hat. 

Ein Wahnsinn. Amok.

Wenn ich mich nicht irre der schlimmste Fall in der Geschichte des Landes. Die Waffengesetze sind hier ja deutlich restriktiver als in Trumpanistan aber auch deutlich lascher als z.B. in Deutschland. Jagen ist z.B. weitverbreitet und die Leute haben halt die Knarre rumliegen. 

Wenn dann bei jemanden die Sicherung durchbrennt kann es gefährlich werden. Also, lasst uns so wenig Waffen wie nur irgendwie möglich erlauben und mit absoluter Sorgfalt. Der einzige mögliche Ansatz. 

 https://www.sueddeutsche.de/panorama/kanada-amoklauf-halifax-1.4884623

Noch vor drei Wochen wäre das als DIE Meldung des Tages um die Welt gegangen - aber im Moment interessiert das keine "Sau" mehr. Erstaunlich wie sich die mediale Lage "anpaßt".