Montag, 29. August 2011

Der Tag danach

wie gesagt, in Montreal war das nur ein "Stürmchen". Es hat halt ein wenig geregnet - aber das wars auch.

Im Süden Montreals gings wohl schon härter zu. Jedenfalls sind alle Flüsse und Bäche "randvoll" und Teile der Felder stehen unter Wasser. Da kam also schon was runter. Ich habe meinen (vorerst) letzten freien Tag dazu genutzt mal ein bißchen zu gucken wie es denn da jetzt so aussieht. Dabei habe ich auch Bekanntschaft mit meinem Erzfeind, dem quebecer Cop, gemacht. 150 Dollar und drei Punkte. Stopschild überfahren. Angesichts der Tatsache, daß ich grundsätzlich jedes dieser idiotischen und vollkommen unlogischen Stopschilder überfahre, und dies seit etlichen Jahren, ein guter Schnitt. Wat solls. Morgen ist schluß mit lustig - die Arbeit ruft.

Sonntag, 28. August 2011

Irene war nur ein Irenchen

na ja, geregnet hats schon ein wenig - aber sonst?? Definitiv nicht der Sturm den alle erwartet haben. Zumindest was die Ausläufer hier in Montreal anbelangt hat. Auch gut. Da hat es hier schon ganz anders geblasen .....

Alles halb so wild also. Wahrscheinlich auch mal wieder alles medial total überzeichnet. Aber man weiß es halt nie, jedenfalls werden wir die Gaspesie Tour bei geeigneter Gelegenheit nochmal machen.

Wat mut, dat mut.

Hoffentlich sieht es dann auch wieder so aus.

Teil 2 - Irene kommt

Welch schöner Name für einen Hurricane, nicht wahr, Irene???
Well. Samstag Mittag in der Gaspesie. Bestes Wetter. Blauer Himmel, klasse Landschaft. Die Chic Choc Berge sind übrigens beeindruckend. Schon teilweise alpiner Charakter.


Die Frage war jetzt, weiter wie geplant nach Gaspé und Percé, oder wat? Die Vorhersagen waren klar: Irene schlägt am Samstag an der US Küste auf und bewegt sich dann mit 20 km/h Richtung Gaspesie. Ich hatte noch die Hurricane Fahrt vom letzten Jahr im Gedächtnis und das wollte ich mir kein zweites Mal antun. Sturmböen, peitschender Regen, null Sicht, Aquaplaning und alles was sonst noch so geht. Also haben wir uns, leider, dazu durchgerungen abzubrechen und nach Montreal zurückzufahren.
Pit Stop am Park BIC - immerhin.
Also nochmal 600 km zu fahren - aber was solls. Die Bikes liefen wie Uhrwerke und es gab noch einen grandiosen Sonnenuntergang bis Montreal.
Ich sitze gerade im Wohnzimmer und es ist Sonntag, 13h35. Langsam wird es dunkel, die Temperatur sinkt beständig (16 Grad im Moment). Die Winde nehmen zu und die nächsten 5 bis 10 Stunden wird es hammermäßig regnen, begleitet von starken Windböen. Die Sturmfront - also der Ausläufer des Hurricanes - geht von den großen Seen bis zum Atlantik. Letztlich war es also eine gute Entscheidung. Im Hurricane Motorrad fahren macht einfach keinen Spaß.


Irene kommt - in 20 Minuten

leider nicht Irene aus Bamberg sondern der Hurricane.

Freitag früh bin ich mit Kai Richtung Gaspesie gefahren. Erstmal hin bis zur Baie de Chaleur, an der Grenze zu Neu Braunschweig. Samstag und Sonntag dann biken durch die Gaspesie und Montag wieder zurück nach Montreal. Soweit der Plan.

Erstmal Autobahn (extrem langweilig, bin ich jetzt auch schon 100tausend mal gefahren - wird halt nicht besser ...). Ab Québec wirds dann ein wenig abwechslungsreicher. Alles Landwirtschaft. Felder ohne Ende. Ab Riviére du Loup fährt man dann direkt am St. Lorenz entlang.
Der Blick und die Landschaft am Strom ist gewaltig. Die gegenüberliegende Küste ist noch zu sehen und man blickt auf die Berge von Charlevoix und später der Cote Nord.
Am späten Nachmittag dann (endlich) großartiges "Panoramamotorradfahren". Ein wundervoll wildes Tal, immer am Fluß entlang mit gewaltiger Landschaft und einer tollen, nahezu unbefahrenen Strasse. Perfektes Licht. Um 18h30 Ankunft in der Baie de Chaleur. Wieder grandiose Landschaft. Ach ja, die Cops hatten die Lichter auch mal wieder kurz angemacht. Ich habe mit ca. 120 in der 90er Zone überholt und sie kamen genau entgegen. Haben auch sofort die Lichtlein angeschaltet und ich wollte schon anhalten um die Papiere rauszusuchen. Aber zu miner großen Überraschung kamen sie nicht. Es war wohl kurz vor 17 Uhr und die Jungs wollten Feierabend machen. Gut so.

Übernachtung in einem schönen gemütlichen Bed and Breakfast mit Blick aufs Meer.
Am Samstag morgen dann, nach kurzem Ausflug vor aufs Quai (Carleton sur mere), wieder hoch nach Norden, zu den Chic Chocs.
120 km an einem wildromatischen Fluß entlang. Keinerlei Verkehr, top Strasse. Kanada aus dem Bilderbuch.

Kurzer pitstop am St. Lorenz.
Dann haben wir mal Wetterinfo geguckt. Dazu Teil 2. Jetzt kommt Irene ins Spiel.






Mittwoch, 24. August 2011

Hurricane Zeit

In der Karibik und im Süden der USA beginnt das bange Warten auf die Hurricanes. Das geht mir zwar normalerweise ziemliche am Arsch vorbei aber letztes Jahr hat es Micha und mich doch heftigst erwischt. Diesen Tag im Ausläufer des Sturmes werden wir beide nie mehr vergessen. Wenn die Teile in Florida oder irgendwo an der Ostküste "aufschlagen", dann kommt der Schwanz, also der "kleine Rest", bei uns an. Und was da noch an Wind, Wasser und sonstiger Energie drinsteckt ist Wahnsinn.

Ich will von Freitag bis einschließlich Montag, mit dem Motorrad um die Gaspesie fahren und Montag könnte leider eklig werden.


Vielleicht kürzen wir dann einfach einen Tag ab, denn die Erfahrung vom letzten Jahr möchte ich nicht noch einmal machen. Zehn Stunden sintflutartige Niederschläge mit Extremwinden. Nahezu unfahrbar. Irgendwann ist Limit. Vor allem wenn man dann vielleicht noch in den Chic Chocs ist oder so ....

Sonntag, 21. August 2011

Ist der Sommer vorbei???

Bis einschließlich letzten Mittwoch waren wir noch im Chalet. Dann wieder ein wenig Stadt.

Da gibts ja auch viel zu entdecken. Da die Kids noch schulfrei haben (am 29. August fängt "der Ernst des Lebens" wieder an), haben wir ein bißchen "urbane Entdeckung" gemacht.

Am Donnerstag eine ausgedehnte Fahrradtour zum Alten Hafen und von da aus rüber zur Insel Notre Dame. Anschließend mit der Fähre wieder zurück. Immer wieder schön ...


Da kommt man dann auch am Vergnügungspark "La Ronde" vorbei. Todesmutig, wie ich meine ....


Der St. Laurent ist auch schon ein verdammt großer Fluß - ab Quebec und dann noch weiter Richtung Gaspesie, da verstehe ich warum man von "einem Strom" redet. Ist da ncoh ein Fluß, oder schon das Meer??


Am Freitag dann rauf auf den Mont Royal mit Picknick und Spielplatz.

Irgendwie fühle ich mich manchmal immer noch wie ein Tourist, wie ein Besucher, ein Gast. Die große Stadt, der ganze kulturelle Unterschied.



So, jetzt noch eine entspannte Woche, mit Gaspesieumrundung hoffentlich, und dann geht der wirkliche Wahnsinn wieder los.
Samstag hatten wir 32 Grad und die nächsten Wochen werden so bleiben. Ansonsten haben wir noch exakt 90 Tage, bevor der erste Schnee fällt.

Mittwoch, 17. August 2011

fast schon ein bißchen allgäumäßig


Im Riviere Rouge Valley.

Pech, oder Blöd, je nachdem .....

Das kommt dabei heraus wenn die drei folgenden Faktoren zusammenkommen:

1. zu schnelles fahren auf Schotterpiste mit (tiefen) Kratern und jede Menge Steinen (Scotch Road,http://maps.google.com/maps?hl=de&tab=wl scotch road québec eingeben ....

2. zuviele Bierdosen im Topcase (ca. 12, 0,5 Liter, kann man allerdings trinken falls die Kiste nicht mehr weiter fährt)

3. man wird von einem Quad und einer kleinen Cross Maschine gejagt und will mal zeigen was mit der Dicken Bertha so geht (krasse selbstüberschätzung, leider)........


Somit ist erstmal Schrauben angesagt.

Resultat: kompletter Gepäckträgerbruch - Totalausfall. Weinigstens habe ich bei dem darauf folgenden Checken des Bikes noch entdeckt, daß ich seit ca. 1000 km ohne rechte Rahmenaufhängung fahre - einfach fantastisch. Vielelicht sollte ich den Motor auch mal wieder ranschrauben ..... an den Rahmen.

Sonntag, 14. August 2011

War da was??

Riots in England, Börsenkrach - oder "Krächlein", wie auch immer, ich habe davon nichts mitgekriegt.

Eine Woche Wald, Strand und Wasser.

Wie gesagt, da gibt es kein TV, keine Zeitung, kein Internet und kein Telefon. Nix.


Am ersten Tag eher Nebel und düstere Stimmung aber ansonsten top Wetter und in der Regel so 28 Grad.
Emile hat mal, bei unserer abendlichen Bieberinspektion, ein paar Bilder gemacht.

Am Dienstag haben Emile und ich dann mal eine Tour auf dem Rouge unternommen. Ich war übervorsichtig, da der Fluß in oberen als auch im unteren Teil heikel sein kann. Mann hätte aber fast die ganze Strecke laufen können. Extrem niedriger Wasserstand.
Anschließend Picknick am Fluß und Strandfußball.

Nach einer Woche habe ich mich so ein bißchen eingegrooved.


Wir werden also morgen früh nochmal Lebensmittel einkaufen und noch bis Mittwoch dort bleiben. Leider habe ich meine GS fast geschrottet. Off Road in Verbindung mit Dummheit und zuviel Bierdosen im Gepäck haben zu einem Rahmenbruch am Heck geführt.






Sonntag, 7. August 2011

Ab an den See

jetzt gehts aber endlich los. 30 Grad um 11 Uhr morgens - ich muß raus hier. Gestern ein lauer Sommerabend, Spiel der Impact. Bin mit Emil runtergeradelt um mir eine weitere Niederlage anzusehen. Amateuroberliga behaupte ich mal. Danach dann raus aus dem Stadion, rauf aufs Fahrrad und ab nach Hause. Sehr praktisch.

Die kommende Woche sind wir dann vom Rest der Welt abgeschnitten - sozusagen. Und dann geht der Sommer wohl auch schon so langsam seinem Ende endgegen. Wahnsinn. Ich werde mal den Fluß auf Kanutauglichkeit testen - falls mal jemand von euch kommt.

oiso, bis in Kürze dann

Samstag, 6. August 2011

Construction workers holidays

http://www.cbc.ca/news/canada/montreal/story/2011/07/22/montreal-construction-holiday-722.html

Ein interessantes Phänomen hier ist die Zeit der sogenannten "construction workers holidays". Die letzen zwei Wochen im Juli sind gewerkschaftlich dekretierte "Zwangsurlaubszeit" für alle gewerkschaftlich organisierten Arbeiter auf dem Bau. Unvorstellbar. Ca. 100000 Arbeiter haben also zwei Wochen Urlaub und viele fahren natürlich in ihre Chalets, an die Seen, ans Meer, u.sw.

In Montreal reduziert sich das Verkehrsaufkommen während dieser zwei Wochen um ca. die Hälfte. Merklich weniger Verkehr - es sind natürlich auch noch viele andere Menschen gerade im Urlaub. Ich merke es auch im Büro: während eines normalen Arbeitstages habe ich ca. 10 bis 15 Anrufe pro Tag und etwa 40 bis 80 mails - während der Phase Ende Juli,Anfang August tendieren die Anrufe gegen null und die mails reduzieren sich auf 5 bis 10 pro Tag. Sehr angenehm.

Mein Schreibtisch ist aufgeräumt und morgen gehts für eine Woche ins Chalet. Gestern Bundesligaauftakt und Dortmund wurde live übertragen. Nachher Stuttgart gegen Schalke. Heute Abend sehe ich mir, zusammen mit Emile, mal wieder ein Match der Montreal Impact an - gegen Minnesota glaube ich.
Apropos: letzte Woche war Fußballturnier. D.h. Emile und Papa sind eine Stunde in ein Kaff namens Sorrel gefahren und dort wurde ein zweitägiges Fußballturnier organisiert. Ich muß sagen 25 anwesende Eltern pro Mannschaft, plus Großeltern, Freunden und Bekannten machen selbst bei Spielen der 9 jährigen mehr Lärm als ich es in Deutschland in der Landesliga erlebt habe. Unglaublich. Selbst Pressluftfanfaren waren am Start. Das ganze mit komplettem Schiedsrichterteam inklusive Linienrichter (allerdings erst bei den Älteren, d.h. sobald mit Abseits gespielt wird). Nochmal unglaublich. Andererseits wird hier zuviel Augenmerk auf das unbedingte "gewinnen" gelegt. Ich finde, die Kids sollen erstmal lernen anständig zu spielen und Spaß zu haben. Das neunjährige jetzt unbedingt jedes Spiel gewinnen müssen ist ja wohl übertrieben. Jedenfalls sehe ich das entspannt im Gegensatz zu manch anderen "Soccermoms and Dads" an der Außenlinie.

Jetzt guck ich mir erstmal Stuttgart gegen Schalke an und dann bastel ich noch irgendwas am Haus und pack die Sachen für morgen. Es ist Sommer.

Montag, 1. August 2011

Infrastruktur in Montréal und Québec

Über den katastrophalen Zustand der hiesigen Infrastruktur habe ich mich ja, glaube ich, schon mal ausgelassen. Die Betonstrukturen der 60er und 70er Jahre zerfallen sichtbar, zusehends und öffentlich. Von weitem und auf Bildern sieht das oft noch ganz nett aus - z.B. das Olympiastadion mit angrenzenden Installationen - aber aus der Nähe betrachtet ist es ein Desaster. Ich bin da vor zwei Jahren mal mit Emile auf dem Fahrrad rumgedüst und aus der Nähe betrachtet sieht man, sprichwörtlich, wie alles zerfällt und der "Putz" ab ist. Manchmal auch ein bißchen mehr siehe nachstehendes Bild aus La Presse von heute morgen:
an dieser Stelle fahre ich normalerweise jeden Tag mit dem Motorrad durch um auf die Arbeit zu gehen. In diesem Falle, nach Hause, also fast jeden Nachmittag. Ich habe schon öfters mal nach oben geguckt da die Betonstruktur extrem "angenagt" aussieht und auch schon seit Jahren immer ein bißchen darum herumgedoktert wird. Da fühlte ich mich immer schon ein bißchen unwohl. Ich dachte mir immer, "was, wenn da mal so ein Brocken Beton runterkommt." Bei km 90 auf dem Motorrad höchstwahrscheinlich tödlich. Gestern ist es dann passiert:


Glücklicherweise an einem Sonntag morgen mit ganz wenig Verkehr. Es sind ca 25 Tonnen Beton auf die Strasse gefallen. Vor zwei Jahren ist schon mal eine vielbefahrene Autobahnbrücke eingestürzt, mehrere Brücken sind aktuell gesperrt und Downtown wurden letztes Jahr zwei Menschen beim Abendessen von einem herabstürzenden Balkon erschlagen. Einstürzende Neubauten kann ich da nur sagen. Da werden wohl mal wieder ein paar Milliarden fließen müssen. Mal sehen, woher die klammen Jungs und Mädels, die hier kriegen. Oder wir laufen halt alle - ist eh besser.

Da ich den Tunnel praktisch von April bis November jeden Morgen fahre, fallen mir natürlich auch bestimmte Sachen auf. Z.B. gibt es eine spezielle Stelle an welcher ein bisschen Wasser austritt. Da habe ich mich auch schon oft gefragt ob das normal ist - als Motorradfahrer kriege ich das ja viel besser mit.

Den U-Bahn Tunnel unter dem St. Lorenz Strom benutze ich auch nur ungern. Irgendwie traue ich der Sache nicht ...........

Eine Kombination von 60er Jahre Werkstoffen und Techniken (u.a. Stahlbeton), verbunden mit Zeitnot (olympische Spiele, Weltausstellung), mangelnder Ausbildung, mafiösen Strukturen auf dem Bau und extremen klimatischen Bedingungen sind ein wahrer "infrastruktureller Stresstest". Mal sehen was als nächstes passiert .....