Mittwoch, 28. Februar 2024

Eine Winter Wärme Welle

Das habe ich in mittlerweile 28 Jahren Quebec auch noch nicht erlebt. Im Februar in Shorts und T-Shirt Langlaufen. 

Wir hatten eine "Wärmewelle - kann man so nennen. Mild? Nö, eher warm. Richtig warm. 

Ich war gestern spontan am Chalet um nochmal etwas Backcountry machen zu können. Ab nächster Woche ist es nämlich damit vorbei. Somit kann ich meinen Kommentar von letzter Woche löschen. Von wegen noch 4 bis 6 Wochen Winter. 


Auf dem Selfie habe ich noch den Pulli an - aber ich habe damit geschwitzt wie Sau. Die Luft war irgendwie "mediterranisch" warm. Unglaublich. Gefühlt locker so um die 20 Grad plus. Im Februar? Richtig warme Winde? Alter!!

Alle Temperaturrekorde in Quebec wurden gebrochen. Und obwohl heute Nacht ein kurzer, ziemlich krasser, Temperatursturz kommen wird, d.h. von plus 16 geht es auf minus 18 runter (im Chalet auf minus 21) weil eine Kaltfront die subtropische Luft erstmal wegdrücken wird, so ist es doch bedenklich. Ab Wochenende herrschen dann schon wieder relativ warme Temperaturen, deutlich über dem Gefrierpunkt.  

Ab nächster Woche wird es also mit Langlauf und Backcountry endgültig vorbei sein. Das ist, für Quebecer Verhältnisse, außerst ungewöhnlich und insgesamt sehr bedenklich. 

Das bedeutet nämlich auch, das bald kaum mehr Schnee liegen wird. Somit werden die Wälder im März und April extrem schnell austrocknen und die Waldbrandsaison wird ca. 4 Wochen früher als normal beginnen. Ab Mai "brennt dann die Luft" - sprichwörtlich. 

Das wird nicht lustig. 

 


Der See ist noch bombensicher zu gefroren und war absolut sicher zu begehen Die 40 cm Schnee stellen eine relativ gute Isolierung dar. Aber durch die krasse warme Temperatur gehen schon riesige Risse durch das Eis. Die Eisdicke beträgt sicherlich noch 40 bis 60 cm aber ich konnte die Risse schon an der Oberfläche erkennen.

Am Wochenende sollte noch eine Tour "drin sein". Aber nur weil heute Nacht dieser Temperatursturz kommt. Ab Montag ist dann "Schicht im Schacht". Vier bis sechs Wochen zu früh. Erschreckend. 


p.s. ich sitze gerade Zuhause und schreibe diese Zeilen, es ist ca. 19 Uhr und die zwei Fronten prallen gerade aufeinander. Das wird eine unruhige Nacht und ich möchte mit niemanden tauschen der da heute draußen mit dem Auto oder sonstwie unterwegs ist. Das wird krass. Im Moment regnet es und ich kann zusehen wie die Temperatur fällt (über mein Außenthermometer). In ca. zwei Stunden wird das Ganze in Schnee und Eis übergehen. Mein Notstromaggregat steht bereit!


 Flash Freeze Warning

Issued at Wed 3:40 PM Feb. 28
Issued by: Environment and Climate Change Canada
Description


A vigorous cold front will sweep across Quebec tonight.
Temperatures are expected to suddenly drop by about 10 to 15 degrees in a few hours.

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Surfaces such as highways, roads, walkways and parking lots may become icy and slippery.

Flash freeze warnings are issued when a rapid drop in temperature is expected, that can cause water from rain or melted snow on streets and sidewalks to quickly freeze. 





Sonntag, 18. Februar 2024

Eine Winter Idylle

Nach zwei Monaten bin ich endlich mal wieder dazu gekommen in die Hütte zu fahren. Solo. Die Rasselbande musste arbeiten.


Es hatte minimale Schneelast, d.h. keine Gefahr für mein Vordach. Letztes Jahr um diese Zeit lagen ca. 120 cm Schnee und Eis auf dem Dach (15 Tonnen Gewicht). 

Im Wald lagen dieses WE ca. 50 cm - für die Jahreszeit ist das sehr wenig Schnee.  

Innentemperatur bei Ankunft um die Null Grad Celsius. Außentemperatur: minus 10.

Aber insgesamt ist es ein Winter Traum. Der See ist absolut 100% zugefroren und die Bedingungen für Back Country Ski waren einfach perfekt. Besser geht es fast nicht.

Absolute Stille und kein Mensch weit und breit. Ein paar Rehe, das war alles.



Die Schneeschuh Tour hoch zu den "Cliffs" - über Stock und Stein. Da wo ich mich im November bei Dunkelheit im Wald verirrt hatte. Ein genialer Blick über die Wildnis. Allerdings werde ich jetzt zukünftig bei meinen Solo Trips angeben wohin ich gehe und wann ich wieder zurück sein sollte. Passieren sollte einem da nichts. Nachts geht die Temperatur auf minus 15 runter und einige Passagen sind "nicht von schlechten Eltern". 

Ein "hinfaller" oder Absturz könnte gefährlich werden weil mich da niemand finden würde und weil es halt schlicht und ergreifend keine Menschen gibt. Also werde ich mich zukünftig nach der Tour immer wieder zurück melden.

 


Die Winterstimmung am Rouge ist formidabel. 


Jetzt bleiben noch ca. 4 bis 6 Wochen für solche Aktionen und dann ist auch gut so und irgendwann wird es auch hier Frühling. 
 
Apropos Winter: für deutsche Verhältnisse wäre das logischerweise ein harter Winter, für Quebecer Verhältnisse mutet es fast "frühlingshaft" an. Hört sich ein wenig "wirr" an aber die Verhältnisse sind halt stark relativ. 
 
Die Wettervorhersage sagt zwar voraus, dass es nächsten Samstag noch mal einen nächtlichen Temperatursturz auf minus 20 geben soll aber danach dann Plustemperaturen angesagt sind. Das ist, für die Jahreszeit, äußerst ungewöhnlich.
 



Mittwoch, 14. Februar 2024

Die Kraft des Winters ist früh gebrochen und ein paar Gedanken zu der Zukunft des Ski fahrens

Sprichwörtlich: die Kraft des Winters ist gebrochen - und ob das so gut ist, weil so früh, wird sich noch weisen. Wohl eher nicht.

Ich bin gestern Abend von dem Kurztrip nach Dachau, Oberfranken und den Dolomiten, wieder nach Montreal zurückgekommen und da ging mir das mal so kurz durch den Kopf. Selbst bei minus 7 Grad heute in Montreal, war die Sonne schon so stark, dass der Schnee und das Eis schmolzen (nicht scholzen - da würde ja dann einfach nichts passieren). Das ist dann ja eher "normal" und dem normalen Verlauf der Jahreszeiten geschuldet. Die Tage werden länger und der Winkel der Sonneneinstrahlung verändert sich. Die Sonne wird stärker.

Normal ist es aber  sicher nicht wenn ich Anfang Februar bei plus 15 Grad in Dachau ober-körperfrei bei "Schwesterchen" in der "Frühlings Sonne" sitzen kann, meinen Cafe schlürfe und die  Blümchen angucke. 



Oder bei plus 14 Grad in den Alpen Ski fahre - auf 2500 Meter. Ohne Handschuhe und nur mit T-Shirt und Skijacke. Der Wahnsinn. 

Die Temperatur in Sexten war - gefühlt - wie sonst Ostern. D.h. eigentlich wie Ski fahren im April. So waren die Temperaturen früher um Ostern rum - gefühlt.  

Februar ist, scheinbar, der neue April - oder zumindest März. Am WE werde ich mal nachsehen und überprüfen wie die Schneelage oben in der Hütte ist. Ich gehe mal davon aus, das ca. 1 Meter Schnee liegen sollte.

Apropos: ich bin seit ca. mitte Dezember nicht mehr dazu gekommen in die Hütte zu gehen -  hoffentlich steht die Kiste noch. 

Nochmal kurz zu Sexten: (eigentlich Moos)

geiles Wetter (zu warm), guter Schnee und keine Leute. Geniale Bedingungen, sollte oder wollte man wirklich Ski fahren. 


Die Langlauf Bedingungen im Fischleintal waren optimal. Meine Ski waren Müll, weil geliehen und ohne Wachs, aber was solls? Ich bin halt einfach so ein "Wachs Fetischist" beim Langlauf. Ich hasse die Schuppenski. Mit Wachs kann ich besser "steigen und klettern" und fahre auch besser ab. Die Schuppendinger haben keinen "Grip" und bremsen null. Aber, mit dem Panorama trotzdem immer nur geil.

 


 



Unser guter alter Kumpel Tom war auch mit dabei, wenigstens für einen Tag und wie man sieht, war auf der "Lärche" nicht viel los. Die Gesamtlage war auch insgesamt eher ruhig. Kaum Leute. 



Zwei Leute am Nachmittag auf der Lärche. Da habe ich auch noch nicht erlebt. Apropos: Head Super Shape - geiler Carving High Speed Ski. 

Inwieweit das "alpine" Skifahren noch Sinn macht, aus ökologischen und auch aus anderen Gründen (wahnsinnig teuer und aufwendig), sei mal dahingestellt aber für meine Generation war das halt so ein "Aufstiegsding". D.h. man konnte sich tatsächlich ein paar Ski leisten (bzw. die Eltern) und die Schule konnte uns eine Woche irgendwo in die Berge verfrachten. 

Das waren die 50er, die 60er und auch noch die 70er Jahre. Das war Jugendherberge für "einen Appel und ein Ei". Die Ausrüstung war damals nebensächlich und rudimentär. Hauptsache wir hatten Spaß. 

Mittlerweile sieht das anders aus: Stöckli Ski für 2000€, Klamotten für 2000€, Liftpass pro Tag 75 €, Anreise, Übernachtung und Verpflegung. 

Und ich spreche hier von Südtirol. Nicht von der Schweiz, Kitzbühel oder Heli Skiing in den Rockies. Die Angelegenheit ist sauteuer und einigermaßen elitär geworden. 

Sexten bzw. die Tre Cime ziehen hier nach und heben die Preise an. Einzig unsere Wirtin und Freundin Emmi "reißt" uns da immer noch raus mit akzeptablen Preisen. 

Wie lange diese Form des Wintersports noch überleben kann weiß ich nicht aber ich denke wir, d.h. ich und meine Kinder, wir sind wohl die letzte Generation. The last generation. Alles hat sein Zeit. 

Backcountry in Quebec wird noch ein wenig länger am Start sein. Oder auch nicht - angesichts der Klimaerwärmung scheint aber auch hier der Winter keine "Kraft" mehr zu haben oder zumindest an solcher zu verlieren.

Schaun mer mal. Vielleicht berichte ich ja dann im April über den ultimativen Wintersturm.