Freitag, 27. November 2015

Wanderlust




Schulfrei - es wird gestreikt. Also, nix wie rauf auf den Berg. Inklusive einfachen Klettersteigs.

Mittwoch, 25. November 2015

Relativitätstheorie

Gestern Nachmittag, auf dem Weg nach Hause, habe ich in der Metro auf dem Nachrichtenbildschirm gelesen:


Geiselnahme in Nordfrankreich. 

Keine weiteren Erklärungen oder Kommentare.

Als ich 10 Minuten später die Details in der SZ lesen konnte war meine spontante Reaktion:

"uff, Gott sei Dank, nur ein normaler Überfall mit Geiselnahme".

Ein Wahnsinn wie sich die Wahrnehmung von "was ist normal" und "was ist nicht normal" verändern kann. 

 

 

 

Montag, 23. November 2015

Das könnte ein Großer werden - Draisaitl, the Deutschland Dangler

Mal Hockey zur Abwechslung (wen es interessiert). 

Hockey ist DER Sport in Kanada und in Montreal (sorry Peter) Religion. Während der Fußballweltmeisterschaft gab es in der hiesigen Presse eine Seite über die WM und 4 Seiten über die Saisonvorbereitung und die Drafts der Canadians. 

Wenn im Mai CL Finale ist, gibt es diesbezüglich eine kleine Randnotiz und ansonsten drei bis vier Seiten über das lokale Hockeyteam. 

Momentan ist aber "the German Prodigy" in aller Munde - jedenfalls bei den Hockey interessierten Menschen. 
 
http://oilers.nhl.com/club/news.htm?id=789046&navid=DL|EDM|home

Gegen die Canadiens hat er jedenfalls den Siegtreffer geschossen für Edmonton und das haben auch die quebecer Hockeyfans mitbekommen. 

Viel deutsche Spieler gibts ja nicht in der NHL, Seidenberg in Boston, Greiss im Tor für die Islanders. 

Ehrhoff und dann noch ein youngster in Arizona - laut Emile, der kennt sich da besser aus. 

Vielleicht kann Draisaitl ja der "Nowitzki des Hockeys" werden. 

Die Temperaturen passen sich auch der Sportart an, d.h. "normalisieren" sich und die Outdoor Hockeyrinks sind alle aufgebaut.  Die Saison kann beginnen ...

Es gibt Nachtfrost und d.h. auch, daß es irgendwann in den nächsten Tagen mal anfangen wird zu schneien. Unvermeidlich.

Es geht angeblich nochmal kurz etwas hoch mit den Temperaturen aber dann wird es Winter in Kanada. 

Deutschland ist uns ja dieses Jahr etwas voraus. 

Donnerstag, 19. November 2015

Die letzten Worte - Peters Predigt



Trauergottesdienst für Margarete Müller
92 Jhr.  19.11.15 St. Johannes Trebgast

Liebe Angehörigen, liebe Gemeinde,

in einer alten Legende wird erzählt, wie ein Mensch vor die Himmelstür tritt und Gott um einen Gefallen bittet. Das Kreuz, das er auf seinen Schultern trägt, erscheint ihm zu schwer. Er möchte vom Schöpfer ein leichteres bekommen. Gott gewährt ihm die Gunst, führt ihn in einen Saal, in dem viele Kreuze aufgestellt sind – alle Größen und Sorten. Ganz hinten in der Ecke sieht der Bittsteller eines, das möchte er haben. Es glänzt von purem Gold. Aber, wie er dieses Kreuz auf seine Schultern legt, bricht er unter dem Gewicht zusammen.  
Er erkennt:
Will ich den Glanz besitzen, muß ich auch die Last mit tragen. Und so entscheidet er sich, sein altes Kreuz zu tragen.
Heute sind wir hier, um von unserer Tante Abschied nehmen.
Wir schauen zurück  auf eine lange Lebensstrecke von fast 93 Jahren. Ihr ist in ihrem langen Leben manche Last aufgebürdet worden. Doch, wir, die wir sie kannten wissen, dass sie das alles mit viel Gelassenheit und Gottvertrauen getragen hat.
Johanna Margarete Müller wurde am 4. März 1923 in Reisighof geboren. Bis auf wenige Jahre hat sie immer auf dem Reisighof gelebt. Die Kinder, die in ihrer Nähe aufgewachsen sind, deren Ehepartner mit ihren Kindern und Enkeln, für uns alle war sie die Tante.
Die Maich, wie sie manche auch nannten, war bis zu ihrem letzten Lebenstag eine sehr aufgeschlossene, weltoffene und am politischen Tagesgeschehen interessiert Frau. Auch, wer mit ihr noch in den letzten Wochen gesprochen hat, war immer wieder neu überrascht, wie sie an der Gegenwart interessiert war.
Den Menschen, den Tieren und den Pflanzen auf dem Hof galt ihre ganze Aufmerksamkeit. Vor allem ihre Blumen hat sie gepflegt und gehütet. Blumentante wurde sie deshalb auch genannt. Dabei kam es natürlich auch zu Konflikten mit den Fußball spielenden Buben, die auf ihre Pflanzen weniger Rücksicht nahmen, so dass sie manchmal den Ball versteckt hat.
Für uns war sie ein lebendiges Geschichtsbuch. Die Geschichte des Reisighofes hat sie erforscht und uns weiter gegeben. Sie konnte interessant erzählen von ihrer Kindheit und Jugend und von der schweren Zeit nach dem Krieg.
In jungen Jahren meint man manchmal diese „alten Geschichten“ nicht hören zu wollen. Heute bin ich dankbar, für all das, was sie uns erzählt hat.
Bei diesem Erzählen hat sie auch die dunklen Wegstrecken ihres Lebens nicht ausgelassen.. Sie hat aber davon nicht im Jammerton berichtet, sondern davon erzählt, dass es ihr Glaube  war, der sie durchgetragen hat.
Ich denke, es war ihr Konfirmationsspruch aus dem 2. Timotheusbrief, der so etwas, wie ein fester Anker für sie war: „Du aber bleibe bei dem, was du gelernt hast und was dir anvertraut ist“. (3,14)
Bei  so einer langen Lebensstrecke bleiben am Ende die Krankheiten nicht aus. Gar manches Mal haben wir sie im Krankenhaus oder auf Reha besucht. Doch, ihr ungebrochener Lebenswille hat sie immer wieder auf die Füße gestellt. Noch einmal übe eine grüße Wiese gehen, diesen Wunsch hat sie im Vorfeld ihres 90. Geburtstages geäußert.

Und dann kam dieser letzte Sommer, wo sie so glücklich war, wieder so weit auf eigenen Füßen stehen zu können, dass sie an den vielen Sonnentagen auf der Terrasse sitzen konnte und den Blick hinüber nach Listenberg genossen hat. Der Hund und die Katze lagen bei ihr und die vielen Besucher zeugten davon, dass sie in ein großes soziales Netzwerk eingebunden war..

Wie glücklich war sie, noch die Geburt des jüngsten Reisighofer mitzuerleben und seine Taufe mitfeiern zu können.

Nicht vielen Menschen ist es in unserer Zeit vergönnt, daheim zu bleiben, auch wenn die Gebrechen zunehmen. Der Reisighof war die Heimat unserer Tante und du, liebe Marlies hast es, durch deinen unermüdlichen pflegerischen Einsatz möglich gemacht, dass es so sein konnte. Dafür gebührt dir unser Dank

Noch viel gäbe es von dem gemeinsamen Erleben mit der Tante zu erzählen. Nur noch eines. Ich erlebe das als Pfarrer sehr selten, dass ein Mensch seine eigene Beerdigung vorbereitet. Schon vor einigen Jahren hat sie zu mir gesagt: „Du hältst meine Beerdigung“ und hat mir dann einen Zettel mit ihrem Konfirmationsspruch in die Hand gedrückt.

Im 90. Psalm steht die Gebetsbitte: Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, damit wir klug werden“.
Ja, es gehört zur Klugheit des Lebens dazu, dass wir den Gedanken an das Sterben nicht verdrängen. Gerade diese letzten Tage im Kirchenjahr wollen uns daran erinnern.

Es gehört aber auch zur Klugheit des Lebens dazu, dass wir eine Hoffnung haben, die über den Tod hinaus geht.
„Du kannst nicht tiefer fallen, als nur in Gottes Hand“,  werden wir dann singen.

„Du aber bleibe bei dem, was du gelernt hast und was dir anvertraut ist“.
Seit unserer Taufe ist es uns anvertraut: Du gehörst nicht dem Tod, sondern dem auferstandenen Christus.
„Du aber bleibe bei dem“ Nehmen wir diesen Konfirmationsspruch von Margarete Müller für uns mit als Mahnung, unser Leben so zu gestalten, dass wir nicht auf den Tod zu leben, sondern auf die Hoffnung, die uns von Ostern her gegeben ist.

Unsere Tante, die „Maich“, sie ruhe in Frieden und das ewige Licht leuchte ihr.
Amen


Montag, 16. November 2015

Noch ein paar anektodische und spontane Geschichten zur Tante

Die "Maich". Ich glaube es war eher Willi der sie so genannt hat. Ich muß zugeben, hätte ich nicht das "Heisinger" Buch in Händen, wäre ich nie draufgekommen das sie noch einen zweiten Vornamen hatte.

Klar hat die "Blumentante" auch mal den Fußball versteckt weil wir damit immer die Blumen im Innenhof massakriert haben. Reini, Micha und ich haben ja oft auf das offene Scheunentor geschossen. Reini im Tor und wir haben dann draufgehalten. Wenn er (Reini) mal einen reingelassen hat ist hinten die Scheibe in der Scheune zersplittert und wir hatten ein Problem mit Vater. Wenn der Ball hingegen im Blumenbeet von der Tante landete und ein Teil der Rosen abrasiert war, gabs Ärger mit ihr. Soweit man das Ärger nennen kann. Irgendwann hat sie halt mal den Ball versteckt und wir mußten ewig suchen. Ansonsten hat sie das toleriert  ....

Gelegentlich ging der Ball auch übers Dach und dann mußten wir runter ins "Aspich" laufen denn die Kugel kullerte meistens bis ganz unten.

Ich kann mich  auch erinnern, daß die Tante oft unten am Sportplatz in "Kengst" stand und sich die Heimspiele angesehen hat.

Es waren ja auch, über die Jahre, einige Heisinger sowie ein Bittermann auf dem Platz. Grund genug. Reini der offensivstarke Rechtsverteidiger und der Tante ihr Sohn als eisenharter aber immer fair spielender Linksverteidiger. Ein sehr solides Außenverteidigerduo.

Wären da keine landwirtschaftlichen Tätigkeiten oder Verletzungen gewesen, who knows?

Die Tante war es auch, welche mir, die Kohle für mein erstes Motorrad vorgestreckt hat. Da hat sie nicht mal mit der Wimper gezuckt.

Und dann halt ihre Erinnerung. Vielleicht hatte sie ja ein "fotografisches" Gedächtnis, jedenfalls konnte sie sich an unglaublich viele Details erinnern. Der Krieg war wohl auch prägend aber sie hatte immer eine Geschichte zu erzählen.


Wir  - u.a. Alex und die ganze Bande - wollten ja immer auch die "Gschichten ausm Kriech" hören.

Der Aufmarsch gen Osten - Kolonnen und Kolonnen von Militärfahrzeugen ziehen gegen Osten. Großvaters Reaktion auf die Einnahme von Paris. Sie hat uns ja selbst überlieferte Geschichten und Eindrücke von Großvater aus dem ersten Weltkrieg erzählen könne.

Spitfire Angriffe während sie hinten in der "Saugrube" auf dem Feld gearbeitet haben. Lichtschein als Nürnberg gebrannt hat - nach der Bombardierung. Beschlagnahmungen von Pferden und Autos durch die Nazis, totale Kontrolle vor Ort, selbst Hausschlachtungen wurden observiert. Informationene bezüglich "Holocaust" ("es passieren Dinge im Osten", "die Leute haben gesagt, paß auf das du nicht nach Dachau kommst" usw.).

Absturz eines britischen Fliegers oben bei Zettmeisel. Verkohlte Leichen.

Ich habe sie mal gefragt, wie so ein Krieg aufhört? Wie hört das eigentlich auf? Wann hört ein Krieg auf?

Da hat sie gesagt, "na ja, so gegen Ende März, Anfang April, da kamen unterhalb vom "Hiestuck" (Hainbuche, hinterm Haus von Kaddl und Sven, ex. Friedlein), also aus Richtung "Kengst" kommend ein paar US Soldaten "aus dem Wald". Die sind dann Richtung Heinersreuth am Reisighof vorbeigelaufen. Dann war der Krieg vorbei. So hört ein Weltkrieg auf.

Die Tante war auch "Ökonom". Was du nicht ausgiebst, nicht brauchst, nicht konsumierst, nicht kaufst, brauchst du auch nicht zu verdienen. Somit kannst du selbst auch ganz "Wenig" etwas machen.

Sie war ein Vorbild und eine Quelle der Inspiration. 









Sonntag, 15. November 2015

Die "Tante" - ruhe sie in Frieden

Johanna Margaretha Müller.

Geboren am 04 März1923.

Gestorben am 15. November 2015.

Von allen "Maicheret" oder "Tante" oder schlicht und ergreifend "die Maich" genannt. Für uns "jüngeren" war sie natürlich immer nur "die Tante". Emile, Lili und Sophie kennen sie nur unter ihrem "Pseudonym".

Eine immer fröhliche, immer gut gelaunte, neugierige, aufgeschlossene und weltoffene Frau. "Blumentante" war auch mal so ein Spitzname.

Sie hat sich halt um die Menschen, um die Tiere und auch um die Planzen gekümmert. Eine die sich kümmerte - um andere. Niemals um sich selbst. Ich habe sie im Leben nicht ein EINZIGES mal jammern gehört oder das sie sich über irgend etwas beklagt hätte. Dabei hat sie harte Zeiten durchlebt. Eine Kindheit und Jugend vom Krieg geprägt. Dann die Flüchtlinge der 50er Jahre. Sie hat alles erlebt: Krieg, Nachkriegszeit, Armut, harte Zeiten, Scheidung, Krankheit und trotzdem hat sie immer nach vorne geblickt und, soweit ich das Sehe, das Leben geliebt. Sie hatte auch diesen "verschmitzten Humor".

Sie war für uns alle ein lebendiges Buch der Geschichte. Des Reisighofes. Ihre Kindheitserinnerungen an den Krieg, ihre interessante Erzählweise, diese Lust am Erzählen des Erlebten, an dem "Weitergeben" der Vergangenheit wird keiner der sie je kenenngelernt hat jemals vergessen.

Ich kenne keinen Menschen der so demütig, anspruchslos, schlicht und helfend war.

Und doch so "Wissend" gewesen ist - aus Erfahrung, Intuition oder was auch immer heraus. Sie hatte diese Gabe der "wissenden Ahnung", Instinkt?

Sie hat ihr Leben lang, immer hart und sehr diszipliniert gearbeitet. Wer jemals mit  ihr "im Wald" gearbeitet hat, weiß wovon ich spreche. Mir persönlich ist sie ein Vorbild und wird es immer bleiben. Ich wünschte mir, es gäbe mehr Menschen wie sie.

Ich bin heute sehr froh, daß ich letzte Woche noch eine Stunde mit ihr am Telefon habe plaudern können. Wir haben über "Gott und die Welt" gesprochen. Sie war extrem fit - geistig jedenfalls.

Also Tantchen, Ruhe in Frieden, wir werden dich nicht vergessen. Und wir werden all die Geschichten welche du uns erzählt hast an die nächste Generation weitergeben - so gut es geht. 


Donnerstag, 12. November 2015

Wowh, ich habe eine Exlusivmeldung - könnte ich der SZ verkaufen

Mein Kollege aus Burundi, ex Diplomat und Senator, hat mir gestern früh berichtet, daß auf den Deutschen Botschafter in Burundi ein Anschlag ausgeübt wurde. 

Keinerlei Berichte in den Deutschen Medien - zuweit weg oder was?

Angeblich wurde er beim Checkpoint im Regierungsviertel aufgefordert die Scheibe runterzulassen um seine Identität festzustellen. Nachdem er, allein im Fahrzeug sitzend und am Steuer, dies verweigerte wurde das Feuer eröffnet. Die Kugelsicheren Fenster haben angeblich gehalten und er konnte fliehen. 

Weitere Exklusivmeldungen aus Burundi folgen. 

Danke. 

Ach ja, angebliches Motiv: die EU und allen voran die Deutschen haben Burundi aufgrund der momentan herrschenden unsicheren politischen wie menschenrechtlich zweifelhaften Lage angeblich zugesagte Gelder gestrichen.

In Burundi ist im Moment wohl alles möglich und angeblich sind in den letzten Wochen ca. 250 Menschen gestorben bzw. umgebracht worden. 

  

Mittwoch, 11. November 2015

Justin 'Rockstar'

http://www.sueddeutsche.de/politik/liberaler-ministerpraesident-justin-trudeau-macht-kanada-sexy-1.2730001

ja, cool, nach all den Harper Jahren ist es halt einfach eine Befreiung einen relativ jungen und unbelasteten Menschen in dieser Position vorzufinden. 

Allerdings wird er wahrscheinlich meine eh schon kaum vorhandene Rente kürzen da er für die nächste Generation "arbeitet".

Der Hype um seine Person kann sich bereits bei Vorlage der nächsten Wirtschaftsdaten legen. Gut, kann und muß man im Moment wohl noch alles auf das alte "Management" schieben.  

Bei den anstehenden gewaltigen Umweltherausforderungen, sprich CO2 Reduzierung bei gleichzeitigen Abbau des Ölsandes im Westen sieht es wohmöglich schon schwieriger aus. Dann werden in den nächsten Wochen die 25000 Syrer eingeflogen. Wie soll das eigentlich gehen?

25000 Leute? Wie transportiere ich die eigentlich? Na gut, 25 Sonderflüge - könnte gehen. Wir schaffen das, oder?

Und wo leben die dann eigentlich? In den Militärbasen? Da bin ich mal gespannt wie das klappen soll ....

In zwei Wochen wird es anfangen zu schneien und dann gehen die Temperaturen in den Keller. Januar und Februar so um die - 15 im Schnitt. 

Winterkleidung für 25000 Leute wird also benötigt. Richtige Winterkleidung! 

Und so weiter und so weiter - es gibt viel zu tun, packen wir´s an. 

Die "guten Kanadier" der früheren Jahre haben sich ein bißchen wie die Schweiz Nordamerikas definiert und das soll mir recht sein. 



 





 

Montag, 9. November 2015

Na dann, endlich bin ich Millionär - allerdings nur virtuel

Über Geld spricht man ja bekanntlich nicht ........

Also, wer mich kennt, der weiß, das war immer mein einziges Ziel im Leben. Millionär zu werden (kleiner Scherz am Rande). Allerdings zählt das heutzutage nicht mehr viel - Milliardär wäre da erheblich besser. Nun gut.

Ich muß da jetzt mal ein bißchen weiter ausholen denn es geht, im Prinzip, um Spekulation, um Verdrängung (Gentrification) und um Immobilienblasen. 

Als ich 96 angekommen bin in der Großstadt, habe ich die Miete mal kurzentschlossen ein komplettes Jahr im Voraus überwiesen. Damals hatte ich noch die "Mittel" da im öffentlichen Dienst in Deutschland (noch) ganz ordentlich bezahlt wurde und ich durch diverse Nebenverdienste noch ca. einen Tausender extra gemacht habe, pro Monat. Mein Mietanteil an der Wohnung hat mich damals ca. 400 $ pro Monat gekostet. Die Währung stand 1:1 oder sogar noch besser - aus D-Mark/Euro Sicht betrachtet. 

Ich hatte 96 alle Schulden (Bafög) abgetragen - größtenteils dank unserer Mutter - die hat da kräftig mitgeholfen und ich kam somit mit ca. 10000 $ CAN und meinem Rucksack in Montreal an. 

Hätte ich damals die 10000 $ in Apple Aktien investiert wäre ich heute echter Millionär - aber wer ist schon a) Risikobereit und b) ein Visionär?

Zurück zum Thema. 

Damals, also ganz am Anfang meines 'quebecer Abenteuers', habe ich ca. 1600 Bucks im Monat verdient. So ca. 800 Dollar zweiwöchentlich ausbezahlt, ist hier so üblich. Also zum Sterben zuviel und zum Leben zuwenig. Darin ist auch nahezu keine Altersvorsorge enthalten aber immerhin ist man (einigermaßen) krankenversichert. 

Die Immobilien hingegen waren damals relativ billig, zumindest für eine "Möchtegernmetropole" wie Montreal. D.h. es gab jede Menge ordentliche Reihenhäuser für so um die Hunderttausend und as ist ja nun wirklich nicht soviel - verglichen z.B. mit einem deutschen Einfamilienwohnhaus in mittlerer Lage. Das ist mir von Anfang an aufgefallen.

Wirtschaftlich waren damals die Stadt und auch die Provinz total im Arsch und somit gab es Häuser und Appartments ohne Ende. Anfang der 90er Jahre hat es eine Megarezession gegeben. Ich habe mich damals auch manchmal gefragt ob ich in wirklich im wirtschaftlichen Wunderland Nordamerika angekommen bin oder im Libanon nach dem Bürgerkrieg. Da fällt mir ein, daß sozusagen "um die Ecke", also in Syrien genau 20 Jahre später genau derselbe Film abläuft. Die Bilder sind absolut identisch. Häuserruinen, fliehende Zivilbevölkerung, Bombenangriffe, unterschiedliche Milizen welche sich bekämpfen und nicht so recht auseinanderzuhalten sind. Scheinbar. 

Jedenfalls sah es damals furchtbar aus in Montreal - geschlossene Läden allerorten, mit Holzplatten verschlagen, verfallende Infrastruktur, hohe Arbeitslosigkeit, bettelnde Menschen in der Straßen. Grauenvoll. Ich habe damals gedacht das "ist halt Großstadt". Wer schon mal durch München oder Boston gelaufen ist, weiß aber, dem muß so nicht sein. 

Wir, d.h. Sophie und meine Wenigkeit, sind dann damals auf die Idee gekommen einfach was zu kaufen anstelle die selbe Kohle für Miete auszugeben. Zu Zweit ging das, zwei Jobs, etc. - allein, es fehlte das passende Projekt. 

Irgendwann haben wir mit `ner Maklerin zusammengearbeitet und dann rief die mich mal an, meinte, "es wäre definitiv nicht was wir suchten aber man möge es sich doch mal ansehen", gesagt getan. 

Der "Stretch" wo sich unser Haus befindet war damals nicht angesagt, zuweit im Osten, zuweit weg von der U-Bahn (in Montreal als Metro bezeichnet), zu dicht an einer Hauptverkehrsstraße usw.. 

Wir haben die fertige Hütte dann angeguckt, wurden unfreundlich empfangen, die Böden waren krumm (ich habe immer befürchtet das, falls wir mal Kinder haben sollten, diese nie richtig laufen lernen würden da die Böden so schief sind), alles war ziemlich fertig, muß man zugeben, aber nachdem der Preis nochmal genannt wurde habe ich zu Sophie gesagt: "wir kaufen das". Ich bin handwerklich nicht gänzlich unbegabt und das kann man irgendwie "hindengeln" und dann die Lage und die Größe. Also, "lets go for it".

Als wir 1998 eingezogen sind lebten da noch etliche ziemlich "fertige" Familien. Schaut euch mal "Leolo" and - dann habt ihr eine Idee. Ein Nachbar gegenüber betrieb z.B. eine total illegale "Hinterhofautowerkstatt". Die Autos wurden im Zelt bearbeitet. Nebenan waren angeglich zwei Jahre Mädels aus dem Sexgewerbe untergebracht, schäg gegenüber wohnte ein Typ welcher sich auf den dritten Weltkrieg vorbereitete und sein ganzer Innenhof war voller Plunder. Für alle Fälle. Als ich ihn mal fragte wozu er das ganze Zeugs bräuchte, meinte er "er wäre auf alles vorbereitet". 

Diese Hütten wurden dann Ende der 90er (teilweise) von Spekulanten und/oder halt von Leuten wie Sophie und mir aufgekauft und umgewandelt oder aufgespalten und als Appartements verkauft. Montreal ist traditionell eher eine "Mieterstadt" denn eine "Eigentümerstadt". Das kommt daher, das die meisten Gebäude maximal drei Ebenen haben, zwei bis fünf Wohneinheiten beinhalten und traditionell der Eigentümer das EG bewohnt und den Rest vermietet. Es gibt also logischerweise mehr Mieter als Vermieter.
   
Die "Dinkies" - "double income no kids" - haben dann irgendwann übernommen. Oder die Hütten wurden aufgekauft, aufgeteilt, billigst zusammen "gedengelt" und dann als Appartments weiterverkauft. Da sprangen pro Wohneinheit schon mal 50000 $ heraus und das summiert sich recht schön. Der Typ von der "Zeltwerkstatt" gegenüber ist irgendwann gestorben (zuviel Abgase schätze ich, keine Absaugeinrichtung im Zelt, absoluter Wahnsinn) und ein Immobilienmakler hat die Hütte gekauft, das Teil in 5 Wohneinheiten umgewandelt, einzeln weiterverkauft und damit ein Vermögen verdient. Jedenfalls haben wir miterlebt, wie ein halbes Jahr lang, eine spanisch sprechende Gang das ganze Teil "renoviert" hat. 

Direkt nebenan wurde ein Haus "geflipt". D.h. du kaufst ne Hütte, renovierst dich billigst "durch" und verkaufst es dann sobald wie irgendmöglich mit soviel Profit wie nur irgendwie machbar. Von diesem Prinzip leben in Montreal `ne ganze Menge Leute. 

Das ist ein gängiges Prinzip, setzt aber enorm viel Eigenanteil voraus. Zwei Hausnummern weiter haben, so gegen ca. 2002, zwei schwule Schreiner (geil oder? Super Name für ne Band.) die Hälfte des Hauses gekauft, komplett renoviert und dann weiterverkauft. Die nächsten Besitzer, ein junges, nettes Ehepaar, haben dann nochmal total investiert und das Häuschen wirklich gut und, wie mir schien, teuer, totalsaniert. Dann war ihnen die Gegend scheinbar nicht prestigeträchtig genug (der Typ hat im Finanzsektor gearbeitet und ich glaube es stehen zu wenig Ferraris in unserer Straße rum - nur popelige Lexus Hybrids, BMWs und Audis oder mein gefundenes Recyclingfahrrad). 

Jedenfalls wurde das Haus danach von einem Ehepaar, welches zwei Apotheken besitzt, gekauft. Die haben die Hütte dann wieder komplett auseinander genommen und "Tabula Rasa" gemacht. Also bestimmt ca. 500000 $ Kaufpreis und nochmal 100000 $ investiert. 

Heute bin ich dann auf diese Verkaufsanzeige gestoßen, ca. 100 Meter weiter "unten" von uns aus gesehen. 

http://www.remax-quebec.com/fr/maison-a-vendre-montreal/4647-rue-cartier-plateau-mont-royal-20184575.rmx?source=centris 

Eine Million. Die Schallmauer ist durchbrochen. Der Witz ist, irgendein Idiot mit genügend Kohle wird sich finden um die Hütte für diesen Preis zu kaufen. 

Der totale Wahnsinn. 

Ich frage mich, wer hat soviel Kohle um sich diese Preise leisten zu können

Angesichts der Tatsache, daß unser Haus doppelt so groß ist, bin ich, selbst wenn wir (Sophie und ich) Halbe/Halbe machen, virtueller Millionär.  Na dann, Prost Mahlzeit. 

p.s. das ist natürlich "ironisch" gemeint, denn 

a) muß man materialisieren, d.h. verkaufen, sonst ist es eben nur virtuell und 

b) müßte man bei unserer Hütte noch ein "klein wenig" was reinstecken um auf den Standard zu kommen und 

c) nimmt dir die Steuer 50 % - dumm ist der Staat diesbezüglich nicht


Dann gibts noch einen negativen Effekt des Ganzen: die Grundsteuer, welche eh schon hammermäßig ist (knapp 4000 $ jährlich), wird weiter steigen da die Steuer aus den Mittelwerten der umliegenden Verkäufe berechnet wird. D.h. je teurer die umliegenden Häuser und Wohnungen sind, desto höher wird die Steuer angesetzt - auch absolut virtuell aber praktisch für die Stadt.















 








Freitag, 6. November 2015

Wahlversprechen und viel Lärm um Nichts

https://www.trudeaumetre.ca/

Justin 'the kid' Trudeau, also der frischgewählte neue kanadische Ministerpräsident, hat angeblich 184 Wahlversprechen gemacht. 

Hier ist also das Trudeaumeter und so sieht es aus im Moment:


Days in office: 3

Not yet started: 180 of 184

In progress: 2 of 184

Achieved: 2 of 184

Broken: 0 of 184

Mal sehen wie es läuft. 

Gestern bin ich mal auf die Arbeit "gewandert". Mit dem Bus bis vor zum Berg und dann zu Fuß rüber bis auf die andere Seite der Stadt. Zwei Stunden richtiges Wandern bei herrlichsten milden Herbstwetter, mit wunderschönen Farben und fast immer im Wald.  




Dabei bin ich gegen Ende durch Westmount durchgelaufen, da wohnen die ganzen "gespickten" mit mega Kohle und gefühlt steht vor jedem dritten Haus ein Bugatti, Ferrari oder zumindest ein Fahrzeug aus Deutschland - sofern die Teile nicht in der Tiefgarage sind. Mir ist dabei extrem unangenehm aufgefallen, daß in dem ultrreichen Viertel ein permanenter Höllenlärm herrscht. Überall sind diese furchtbaren und ökologisch absolut unsinnigen "Laubbläser" am Start. ÜBERALL. 

Und wo die Zweitaktgeräte mal nicht an sind läßt man an seiner gigantischen Hauseinfahrt rumbaggern. Wahrlich nicht auszuhalten. 

Da ist es bei uns im Viertel aber bedeutend ruhiger und angenehmer - da kann ich die Vögel zwitschern hören.    

p.s. ich habe gestern fast `ne komplette Stunde mit Tantchen vom Reisighof gequatscht und ich muß sagen die ist TOPFIT geistig. Wir haben uns auch über die politisch soziale Situation bezüglich Flüchtlingskrise und über Gott und die Welt unterhalten. Sagenhaft. Wie die das so macht ......