Sonntag, 25. April 2021

Samstag Nachmittag in Venedig

 "Warum schreibst du nichts?" würde Elfie normalerweise fragen. Weil nix passiert bzw. es absolut nichts nennenswertes zu berichten gibt. 

Im Büro geht es drunter und drüber weil unsere Einrichtungen teil eines politischen Grabenkrieges sind und ich keine Ahnung habe wie das weitergeht und ob wir vielleicht  Teil des Kollateralschadens sein werden aber auch das ficht mich nach über 22 Jahren in dem Laden nicht mehr an. "Es hätt noch immer jutjejange" und "man muss mit Allem rechnen, auch dem Schönen und Guten". 

 

Lili und meine Wenigkeit haben gestern mal einen Kurzausflug nach Venise-en-Québec gemacht, so ca. 1 1/2 Stunden hin, und auch wieder zurück. Venise liegt am Lac Champlain und es war ganz nett. Das Wetter war genial und man kann teilweise schöne Strecken am Wasser fahren - z.B. am Richelieu Fluss entlang. Leider haben das auch viele Andere gedacht und es war ziemliche was los. 

 

Jede Menge Biker  (meistens dicke fette Harleys), Trikes, Ford Mustangs, Cabriolets, etc. - Showtime. 

Auf einem Autobahnabschnitt kurz vor Venise kam uns auf der rechten Standspur  eine Motocross Kiste entgegen - mit vollem Karacho, fuhr also auf der zweispurigen Autobahn in die falsche Richtung und wurde auf der gegenüberliegenden Seite der Autobahn von einem Polizeifahrzeug verfolgt. Eine Verfolgungsjagd - sieht man auch nicht alle Tage. 


Man hat einen sehr schönen Blick auf eine kleine Bucht des riesigen Lac Champlains. Am Horizont sind die USA. 



Zeit und Wetter für Eiscreme in der Frühlingssonne. 

Ansonsten ist hier zwar immer noch Ausgangssperre um 20 Uhr und es gelten auch die ganzen anderen relativen Einschränkungen (Restaurants und Bars geschlossen, etc.) aber die kanadische Gesundheitsministerin hat angekündigt, dass laut Szenario, ganz Kanada wohl gegen Ende Juli zum absoluten "Normalbetrieb" zurückkehren könne - falls alles gut geht und nicht irgendwelche weitere Schwierigkeiten auftreten. Die Impfkampagne geht gut voran und die Kanadier sind mittlerweile Nummer drei unter den 20 OECD Staaten bezüglich Impfungen pro 100000 Einwohner - hinter Großbritannien und den USA. 

Es wird jetzt alles "rausgefeurt", Biontech, Astra-Zeneca, Moderna. Alles was geht. 

Ich habe ja theoretisch "die Macht der Impfung" denn ein Brief mit meiner Unterschrift und dem Briefkopf von meinem Laden ist die Berechtigung zur Impfung, ohne wenn und aber. Aber ab nächster Woche oder so wird eh universell geimpft und ich möchte so ein Privileg auch nicht missbrauchen. In den USA ist es wohl so, dass 8% der gebuchten Zweitimpfungen nicht wahrgenommen wurden. Die Leute denken, Einmal reicht. 

Logischerweise habe ich die Polemik um #allesdichtmachen mitbekommen und muss gestehen ich fand das sehr witzig und satirisch. Lachen wird man ja noch dürfen oder? Und wurde nicht mal irgendwann gesagt "die Satire dürfe alles"? Egal.
 
In diesem Sinne, es geht voran, so oder so. Man sollte die Lage bloß mal mit dem gleichen Datum vom letzten Jahr vergleichen. Was für ein Unterschied - meiner Meinung nach. 
 
 



 

Freitag, 16. April 2021

Week-end update

Es scheint voran zu gehen. Mehr und mehr Menschen sind geimpft und das sowohl hier in Montreal als auch in Bayern bzw. Franken. 

Luisa weil sie Krankenschwester ist, Alex zwengs Notfallseelsorge, Liese und Olaf logischerweise. 

Ich habe diesen Montag den "Schuss" bekommen und ich muss gestehen, wir machen hier einen ganz ordentlichen Job. 

Die Hälfte meines Teams ist bereits geimpft und ab Mitte Mai geht es hier in Montreal, ohne jedwede Einschränkung, langsam aber sicher über zur allgemeinen Massenimpfung, d.h. wer sich impfen lassen möchte kann auch "den Stoff" bekommen. 

Es gibt BioNtech, Moderna und natürlich auch Astra-Zeneca. Letzteres ist so unpopulär dass sich nahezu jeder welcher sich impfen lassen möchte, auch impfen lassen kann. On the Spot - ohne Termin. 

Allerdings dauert es ewig bis wir die Zweitimpfung bekommen da Quebec auf die "first shot" Strategie setzt: alle vorhandenen Impfstoffe sofort für die breitest mögliche Erstimpfung einsetzen und dann "schaun mer mal". 

Ich halte das für die richtige Strategie. Die Kommunikation ist gut, die Infrastruktur steht, der Prozess ist "Userfriendly" und einfach - erstaunlich. Quebec kriegt es scheinbar echt gebacken.

Und auch die Rest-Kanadier sind relativ unaufgeregt. Ontario ist momentan in der Krise aber das werden die auch irgendwie hinkriegen. Es ist halt ein ständiges Auf- und Ab. 

Allerdings wurde auch angekündigt, dass ab Montag dem 19. April die "Grenze" zu Ontario geschlossen wird und das es strenge Kontrollen geben soll. Das ist so als würde man die Grenze zu, sagen wir, Thüringen, schließen. Krass. Habe ich auch noch nicht erlebt und das hat wohl auch noch kein Kanadier wirklich erlebt in seinem Leben. Ich fahre oft über Ontario (Hawkesbury) ins Chalet und diese Route ist jetzt erstmal dicht.

Das größte Covid Problem ist im Moment außerhalb Montreals - wie auch anderswo, siehe Tschechische Republik oder auch Kulmbach z.B., kann sich die Lage drehen. Angeblich sind die Neuansteckungen zu nahezu 100% den Mutationen geschuldet.

Am Donnerstag hatte ich das Vergnügen und Privileg mit dem kanadischen Außenminister im Meeting zu sein. Ein echt sympathischer Typ, ex-Astronaut. Ich arbeite seit Jahren mit Marc und seinem Büro zusammen aber jetzt ist er halt plötzlich zum Außenminister aufgestiegen und dann wird die Luft dünn, d.h. man sieht sich nicht mehr so oft. Aber ich rechne es ihm hoch an das er sich trotz allem noch die Zeit nimmt um mit uns "kleinen Würstchen" zu reden und uns zuzuhören. Ein klasse Typ. Ein bisschen so wie Angie, komplett geerdet und komplett unaufgeregt. Vollkommen normal.




Davon bräuchten wir mehr! Aber insgesamt sind die Politiker mit welchen ich zu tun habe alle kompetent und machen einen guten Job. Sein Kollege Anthony (Housefather), welche ich auch ein paar mal persönlich getroffen habe, gibt uns jede Woche ein ausgezeichnetes "Briefing" über alle Covid Maßnahmen, genaue Zahlen über Vakzin Dosen, etc. und nächsten Freitag bin ich mit meiner provinziellen Quebecer Abgeordneten im Meeting.

Tja, das bedeutet wir bekommen ganz langsam eine post Covid Perspektive, eine Wirkliche. Real. Für ein zurück in ein normales Leben - außer irgendeine Mutation macht uns noch einen Strich durch die Rechnung. 

Hier ist es ja eh relativ entspannt. Die Avenue Mont-Royal wird ab dem 9. Mai zur Partymeile umgewandelt - d.h. zwei Kilometer nur Pubs, Restaurants und Rock`n Roll. Da wird die Post abgehen und zwar gewaltig.




 

 

 

 

 

Sonntag, 11. April 2021

Rock`n Roll in Montreal

 

Liese und Olaf haben 'den Stoff' bekommen (Biontech, glaube ich) - ganz ausgezeichnet - es geht voran.

Ich bin morgen dran, 14h10 - wird wohl AZ sein, aber ab dafür.

Hier wird mittlerweile Impfen für Ü55 angeboten und universell kann sich sogar jeder Impfen lassen insofern man Astra-Zeneca akzeptiert - ohne Termin. Einfach hingehen, anstellen und dann "den Schuss" bekommen.

Und die Menschen mit "Priorität" und meine Kollegen und ich gehören seit heute auch dazu. 

Ich bin dabei die Arbeitsbestätigungen für meinen Laden zu verschicken da manche Kollegen bereits morgen früh einen Termin bekommen haben. Ich kann jetzt die Bescheinigungen ausstellen und damit kann man sich dann sofort impfen lassen. 

Ansonsten war hier gestern (Samstag) die Hölle los: unvorstellbare Menschenmassen waren bei nahezu hochsommerlichen Bedingungen an der frischen Luft. Es sind Heerscharen von Menschen unterwegs gewesen und es war eine einzige gigantische Open Air Party. Es ging derartig hoch her, dass die Bullen heute alles aufgefahren haben was sie hatten (und es war deutlich kühler). 
 




(dieses Bild ist aus La Presse - online)
 
Alles. Die Polizei ist ÜBERALL. Ich komme gerade aus dem Büro (mußte ein paar dringende Sachen regeln) und bin mit dem e-Bike über den Berg zu meinem Laden gefahren. Dabei habe ich dann heute die Präsenz der Cops wahnehmen dürfen. 

1500$ Strafe übrigens bei nichteinhaltung der Abstandsregel. Kein Witz.

Gestern hat kein Mensch mehr in irgendeiner Form irgendwelche Abstands- oder Maskenregeln eingehalten oder einhalten können. Es muss wohl Strafzettel "gehagelt" haben. 
 
Lili und ich haben lieber eine Radtour gemacht und es war echt unglaublich was gestern in Montreal los war - Rock`n Roll! Selbst die Surfer sind draußen bei der stehenden Welle. Der Typ surft. 

Zudem jede Menge Oldtimer unterwegs, Motorräder, e-bikes, Skateboards, Fahrräder. Alles was in irgendeiner Form mobil macht. Showtime!
 
 

Montag, 5. April 2021

Frühling am Chalet

Genialstes Wetter. Leider war Lili ein wenig "kränklich" und wude sogar sicherheitshalber auf Covid getestet (negativ) und Emile hat gearbeitet. 

Also wurde es nur ein kurzer Motorrad Trip hoch zum See. Totale Stille, ein paar Wanderungen bzw. Spaziergänge, ein genialer Sternenhimmel und insgesamt die Ruhe auf Erden. 

Ich kann das Kanu (rot) wieder sehen und die Feurstelle kam auch wieder zum Vorschein. Das Eis bricht dieses Jahr womöglich früher da wir einfach früher dran sind als sonst. Insgesamt ein - für Quebecer Verhältnisse - klasse Frühling. Super. 

Jede Menge "Viechzeugs" turnt rum - Falken, Eulen, Rebhühner, wilde Truthähne, die Wildgänse. 

Selbst für zwei Tage lohnt es sich den Trip zu machen. Das Eis ist trotz konsequenten Nachtfrostes logischerweise nicht mehr begehbar denn die südliche Sonne ist intensiv - zumindest würde ich es nicht probieren. 

Aber das Beste ist: es gibt kein Covid. Nada. Null. Man denkt nicht eine Sekunde darüber nach oder muss sonst irgendwas bedenken.