Mittwoch, 8. Januar 2020

Meine Nachfolgerin in Bayreuth - zwei Jahre auf Bewährung

https://www.kurier.de/inhalt.zentrum-betrug-ex-chefin-vor-gericht.5127ca7a-20b2-4992-b3f2-49aca126ed60.html

https://www.tvo.de/mediathek/video/amtsgericht-bayreuth-bewaehrungsstrafe-wegen-untreue-gegen-ex-zentrum-geschaeftsfuehrerin/

Zentrum-Betrug Bewährungsstrafe für Jana S.









Links Verteidigerin Tanja Brettschneider, rechts Jana S. (50). Foto: red
BAYREUTH. Prozessbeginn gegen die ehemalige Zentrums-Chefin: Wegen Betruges in mehr als 700 Fällen steht seit heute morgen Jana S. (50) vor dem Amtsgericht Bayreuth. Ihre Schuld hatte sie bereits eingeräumt.
Ganz in Schwarz gekleidet, die Haare streng zu einem kleinen Zopf zurückgebunden, weint S., als sie vor Prozessbeginn fotografiert wird. Immer wieder schluckt sie, während sie der Anklage zuhört, ihr Blick geht ins Leere. Seit 2008 war sie Geschäftsführerin des Zentrums, seit 2015 bediente sie sich von den Konten und der Kreditkarte der Einrichtung. Mehr als 210.000 Euro waren es 2017, als sie im August erwischt wurde, weil die Gehälter der Angestellten nicht pünktlich gezahlt werden konnten. Sie unterschrieb ein Schuldanerkenntnis beim Notar und versprach den Zentrums-Verantwortlichen, sowohl bei der Aufklärung als auch bei der Wiedergutmachung zu helfen. Laut ihrer Verteidigerin habe sie fast das gesamte Geld wieder zurückbezahlt. Dafür hat sie auch eine Wohnung im tschechischen Brünn verkauft. S. ist inzwischen geschieden, lebt wieder in Tschechien und arbeitet als Assistentin einer Baufirma.
Unter den Zuschauern sind auch Mitarbeiter des Zentrums. Der Schatzmeister der Einrichtung ist später als Zeuge geladen.
Der Vorsitzende Richter und der Staatsanwalt stellten Jana S. in Aussicht die Haftstrafe ersparen zu können: Es sei "ein Wahnsinnsbetrag, noch dazu wenn eine öffentliche Einrichtung derart beschädigt wird". Allerdings sei das Verhalten nach der Tat eines, "was viel besser nicht sein kann". Noch am gleichen Abend, als S. erwischt wurde, habe sie  15.000 Euro Geld zurückzahlt und damit weitergemacht bis zur Verhandlung. "Zwar nicht 100-prozentig, aber zum großen Teil." Außerdem deute vieles auf die Kaufsucht hin.

Urteil

S. bekommt zwei Jahre auf Bewährung, die drei Jahre dauert. In ihren letzten Worten sagte S.: "Es hat mich ziemlich bedrückt, ich werde 50. Es ist in einer Zeit passiert, wo auch die Ehe kaputt war. Ich habe jetzt einen Job, wo ich denke, ich kann stabil arbeiten." Das gebe ihr Hoffnung, "dass ich in meinen Produktivzeiten noch arbeiten kann." Sie ist wieder "in der Heimat mit meiner Familie, das gibt mir sehr Kraft". Zu den Taten selbst sagte sie: "Es tut mir sehr leid, ich hab das nicht gewollt. Ich habe die Arbeit im Zentrum sehr geliebt. Ich kann wirklich nur sagen, dass ich dazu beigetragen habe, dass das Zentrum so  …" Die letzten Worte gingen in Tränen unter.


............................................................................................................................................

Und noch eine kurze Berichterstattung aus den Kurier:

 BAYREUTH. Am Ende waren es 210.293,12 Euro, die dem Zentrum fehlten. Wohl alles hat die inzwischen gekündigte Geschäftsführerin Jana S. (50) für sich verwendet. Keiner der Verantwortlichen hat etwas gemerkt. Am Mittwoch, 8. Januar, beginnt der Prozess am Amtsgericht Bayreuth.

Wie passen 700 Straftaten zu Jana S., die seit 2008 Geschäftsführerin im Zentrum war und mehr als 71.000 Euro Jahresgehalt hatte? 31 Seiten lang ist die Liste, auf der die Staatsanwaltschaft die Bestellungen, Rechnungen und Belege der Geschäftsführerin auflistet. 31 Seiten voller Betrügereien, die drei Jahre lang keiner gemerkt hat. Obwohl es Hinweise genug gegeben hat, und das schon bei einem flüchtigen Blick in die Abrechnungen. Ein Mittagessen in Berlin mit der Philharmonie für 1495 Euro. Mit wem war S. essen? Mit einem ganzen Orchester?

Fantasie-Unterschriften
Es war ein Ersatzbeleg, also selbst geschrieben, nicht die Originalrechnung des Restaurants. Mehrere Dutzend solcher Ersatzbelege finden sich auf den 31 Seiten. Mehrere Dutzend, die keiner überprüft hat. Sonst hätte man gemerkt, dass es teilweise Fantasie-Unterschriften waren.

Eine Nachbesprechung mit zwei Leuten des Orchesters für 500 Euro. Speicherkarten, Decken, Kissen und Matratzen für einen Theater-Workshop: 800 Euro – alles ohne Belege. Und natürlich ohne anzugeben, wofür sie dies brauchte. Rechnungen für Reifen wuchten und Autoreparaturen, auf denen Kennzeichen und Fahrgestellnummer waren; von Videokameras bis zu Ladegeräten für Handys. Sogar ein Lippenstift. Jana S. zahlte alles mit Geld vom Zentrum. Und das seit dem 1. Januar 2015, einem Mittwoch. Sie missbrauchte für ihre Bestellungen und den Bedarf an Bargeld verschiedene Konten und die Kredit-Karte des Zentrums.

Ebenfalls an einem Mittwoch, zweieinhalb Jahre danach, erhielt Jana S. am 4. Oktober 2017 unangekündigten Besuch von den Verantwortlichen des Zentrums, das bestätigt Stefan Specht, Beisitzer im Zentrums-Vorstand und CSU-Stadtrat. Der Raum soll voll mit Paketen gewesen sein. Sie soll in Tränen ausgebrochen sein und zugegeben haben, unter Kaufzwang zu leiden.


Kaufsüchtig
Jeden Monat gab es fortan betrügerische Handlungen, alle zwischen etwa 50 und 250 Euro. Am Motiv des Kaufzwangs zweifelt Karsten Schieseck, Rechtsanwalt und Stadtrat der BG. Denn Jana S. fing nicht klein an und ließ sich Zeit, ob jemand was merkte. Sie legte gleich richtig los, wie ein Blick in die Akten bestätigt. „S. war seit 1999 kaufsüchtig“, sagt Tanja Brettschneider, deren Verteidigerin. S. sei länger in Behandlung gewesen, danach habe sich ihre Krankheit gebessert. Allerdings hätten private Probleme dazu beigetragen, dass sie 2015 wieder ausgebrochen sei. Darauf deute auch „das Horten“ von Dingen an, vom Büromaterial über Wein bis zum Fahrradzubehör.

Allerdings habe man es „S. auch leicht gemacht“ im Zentrum. Brettschneider betont, dass S. inzwischen fast alles zurückgezahlt habe. Dafür habe sie auch eine Wohnung in ihrer Heimat Tschechien verkauft. „Es gibt Dokumente, dass der Betrag sicher ist“, sagt sie. Als S. erwischt wurde, sagte Specht, wollte sie behilflich sein, die Sache aufzuklären und wiedergutzumachen. Sie räumte ein, für die Buchhaltung zahlreiche Ersatzbelege ausgestellt zu haben. Mehrere Dutzend pro Jahr. Einmal habe sie sogar 1000 Euro von ihrem Privatkonto für gefährdete Gehaltszahlungen zugeschossen. Sie unterschrieb beim Notar ihr Schuldeingeständnis.

Eine Immobilie verkauft
Laut Staatsanwaltschaft hat sie schon etwa 46.000 Euro zurückgezahlt. Des Weiteren soll ein Rest von etwa 20.000 Euro am Dienstag überwiesen worden sein. Laut Verteidigerin soll das Zentrum dann noch etwa 115.000 Euro zurückbekommen. Dokumente würden belegen, dass das Geld da sei. „Damit ist der Schaden wieder gut gemacht“, sagt Brettschneider.

115.000 Euro – „das ist realistisch“, sagt Specht, aber bestätigen kann er das nicht. Dafür habe S. eine Immobilie in Brünn verkauft. Das Zentrum hatte die Zwangsversteigerung eingeleitet.
Das Treiben der Jana S. ist übrigens erst ans Licht gekommen, als die Angestellten gemerkt haben, dass ihr eigenes Geld im August 2017 nicht rechtzeitig kam und die Verantwortlichen auf die Suche für die Ursachen gingen.
........................................................................................................

Soweit der Kurier. Für mich ist es immer noch unglaublich wie Jana über 200k Euro abzweigen konnte angesichts des überschaubaren Gesamtbudgets des Zentrums. Eigentlich unmöglich - jedenfalls in der Größenordnung. Ansonsten war sie eigentlich super nett und sehr sympathisch. Das einzige was mir von damals noch in Erinnerung geblieben ist, ist die Tatsache, daß sie sofort, also am ersten Tag, ein nietenagelneues und sehr teures Diensthandy gekauft hat. Meines war eigentlich noch top fit.

 https://www.bayreuther-tagblatt.de/schnelles-urteil-im-fall-zentrum-alle-infos-hier/

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen