Sonntag, 2. Februar 2014

Väter - Wir glauben nicht mehr an die Vereinbarkeit von Familie und Beruf - stimmt und stimmt nicht

In vielen Punkten spricht mir der Artikel aus der Zeit aus dem Herzen und entspricht auch oft meiner Realität.

Andererseits komme ich gerade eben aus dem Park Lafontaine zurück wo ich den Sonntag Nachmittag zusammen mit meiner Tochter und etlichen ihrer Freundinnen verbracht habe. Beim Schlittschuhlaufen. Quality time halt.




Gestern Nachmittag war ich mit Emile auf dem Eis und wir spielen öfter mal Hockey zusammen. Wer von uns beiden da mehr Spaß dabei hat ist noch nicht endgültig entschieden.

Es stimmt allerdings, daß mein/unser Leben hier eher einer kinderbetreuungs WG ähnelt. Der Kalender ist in der Tat auf 4 Wochen im Voraus durchgetaktet und jeden Abend muß ich mich nochmal über das detaillierte Programm des nächsten "Kindertages" informieren.

Aber, wollte ich wirklich mit jemanden tauschen oder ein Leben ohne Kinder haben???

Mein elementarer Vorteil ist die Tatsache, daß ich niemanden irgend etwas fragen muß. Ich entscheide selbst ob ich einen Babysitter brauche oder ob Sophie da ist oder ob die Kids mal bei den Nachbarn bleiben bis ich von dem Meeting nach Hause komme. Ob ich später ins Büro gehe oder früher weg. Das erleichtert die Sache natürlich ungemein. Übernächste Woche gibt es einen Tag schulfrei und da haben wir spontan entschieden, daß Papa einen Tag freimacht (muß ich zwar noch ein Meeting absagen - aber scheiß drauf ...) und wir gehen gemeinsam Skifahren.

Im übrigen, ein Chef (oder eine Chefin) mit Kindern ist, möglicherweise, aufgeschlossener als ein kinderloser, arbeitsgeiler Workoholic. Der kennt eh nichts anderes als das Büro, das Dumbphone und seine emails. Denn er hat ja nichts anderes - der Job ist der Lebensinhalt!

Persönlich habe ich meine "Boss" Attitüde ganz stark geändert als ich die Realität meines "Vaterdaseins" kennengelernt habe. Seitdem können Eltern - zumindest in unserem Büro - machen was sie wollen - mehr oder weniger jedenfalls und solange die Leistung und die Resultate stimmen. Warum nicht mal einen Tag von Zuhause aus arbeiten wenn es denn möglich ist oder früher kommen und dafür früher gehen - flexibel halt.

Ich selbst habe meine Arbeitszeit auch schon seit fast 5 Jahren auf 32 Wochenstunden reduziert. Das ist zwar ein bißchen Selbstbetrug da ich mittags grundsätzlich durcharbeite und auch mal 12 Stunden Tage habe aber, es gibt mir die "moralische" Freiheit manchmal einfach nein zu sagen bzw. das Handy eben nicht zu beantworten.

Bei Einstellungsgesprächen ist es mittlerweile so, daß die sogenannte "life-work-balance" mehr wiegt als das eigentliche Gehalt. Mit anderen Worten, die jungen Mitarbeiter haben keinen Bock mehr auf eine 40 oder 50 Stundenwoche und wollen einfach mehr Zeit zum Leben haben und verzichten auf mehr Geld.  

Ein Vorteil in Quebec ist das hiesige Betreuungssystem. Lili ist ab dem zarten Alter von 12 Monaten in den Kindergarten gegangen. Das war ein sogenannter "familiärer Kindergarten", d.h. de facto Betreuung wie in einer größeren Familie. Der reguläre Kindergarten hier macht ab 7 Uhr auf und ab 18 Uhr zu und es gibt einen Rechtsanspruch auf einen Platz. Wie oft ist es mir passiert, daß ich relativ spät ankam, mir einen Höllenstreß gemacht habe um die Kids nicht ganz so spät abzuholen (oder gar DER LETZTE zu sein)  um dann feststellen zu müssen, daß die Kids noch ihr Spiel zu Ende spielen wollten bzw. mitten im Fußballspiel waren usw. während ich ein schlechtes Gewissen hatte weil ich meine Kinder so lange in der Betreung gelassen habe. Totaler Schwachsinn - Kinder fühlen sich am wohlsten und sind am glücklichsten solange sie mit anderen Kindern zusammen sind. Da gibt es verschiedene Studien drüber.

Morgen früh bringe ich also die Kids um kurz vor Acht zur Schule, danach lese ich meine emails, arbeite ein bißchen am Compi, gehe nachmittags zum Meeting, verlasse dieses Meeting allerdings ein bißchen früher um noch eine Stunde zum "Nachhauselaufen" nutzen zu können, koche dann für die Rasselbande und danach sehe ich mir die Wochenplanung auf dem Kalender an. In kaum einem Monat fliege ich mit meinem Sohnemann über Amsterdam nach München und wir gehen mit der Family skifahren - Quality time.


Scheint grade ein Thema zu sein - SZ von heute

http://www.sueddeutsche.de/politik/leben-mit-kindern-vaeter-berichten-aus-dem-alltagsdschungel-1.1876923

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