Freitag, 5. August 2016

Der Bericht - Teil 1

Der Blog ist, auf eine gewisse Art und Weise, auch mein Tagebuch. Der Transkanadatrip war eine totale Spontanaktion. Kai erwähnte irgendwann die Umzugsdetails und da ging es auch um den Transport des Autos. In dem Moment hat es bei mir "klick" gemacht und ich dachte an diesen "Traum", welchen wohl jeder Kanadier und Nichtkanadier hat, einmal komplett durch den Kontinent zu fahren. Eastcost - Westcoast, oder umgekehrt. In unserem Fall fehlen da ja sowieso noch mindestens 2000 km denn der Osten Kanadas fängt ja, im Prinzip, ca. 2000 km weiter östlich an. Meine Nachbarin hat ja ein riesen Ferienhaus in Cape Breton. Das wäre dann schon realistischer aber auch noch lange nicht der wirkliche Trip denn es gibt ja noch Terre Neuve. Neufundland. Und dann wahrscheinlich noch etliche kleinere Inseln davor - muß ich mal auf der Karte nachschlagen.

Aber gut, Montreal - Vancouver, das war so die grobe Vorgabe. Scheinbar ist diese Reise Kult für jeden Quebecer oder Kanadier. Einmal beim Thema, hat mir jeder irgendwelche Tips oder Empfehlungen gegeben. Siehe Wawa, etc. - jeder muß das wohl einmal gemacht haben im Leben. Scheinbar. 

Ich bin ja kein Kanadier, kein Richtiger jedenfalls. Ich bin Franke. Ich habe den kanadisch Paß (vielen Dank - ich werde es honorieren) aber meine kulturelle Identität ist eine Andere. 

Trotzdem habe ich, seit ich klein war und Lederstrumpf gelesen und geguckt habe, von diesem Trip geträumt. Einmal durch dieses Kanada fahren. Einen kompletten Kontinent von Ost nach West durchqueren. 

Mein Kumpel Kai fand die Idee dann auch gar nicht so schlecht, mußte aber logischerweise erstmal abklären ob das eine Alternative sein könnte. Wer gibt sein neues Auto auch einfach mal so - mir nichts, dir nichts - jemanden damit jener dann 5000 km damit durch die totale Pampa fährt? Da muß man auch ein gewisses Maß an Vertrauen haben. Aber Kai wußte daß, wenn ich eines kann (außer Fußball spielen), dann lange Strecken fahren.

Trotzdem,  5000 km mit den Kindern im Auto, innerhalb von maximal 7 Tagen, das war schon eine Herausforderung. Ich war ja der einzige Fahrer (von Emile in Saskatchewan mal abgesehen) und da wird es eng. Speaking of:




Emile mußte öfter mal das "Steuer" übernehmen und hat dann gelenkt. Es ging ja meistens schnurgerade und alles was er machen mußte war, das Auto auf Spur zu halten. Cruise Controle war an, keinerlei Verkehr. Alles easy. Auf den Co-Pilot kann ich mich verlassen, das wußte ich. Nur zur Erinnerung: wir sind teilweise 16 Stunden gefahren. Am Stück. Irgendwann mußt du mal die Karte checken, den Navi programmieren selbst wenn man im Prinzip immer auf dem selben "Highway" rollt, etwas essen oder trinken, etc.

Der sogenannte Highway 1 (Transcanada Highway) wird kurz hinter Ottawa, also nach ca. 200 km, zur biederen einspurigen Landstraße mit 90 km erlaubter Höchstgeschwindigkeit. Teilweise 70 und innerorts dann 60 km/h.

Da hat mir die Technik des Autos enorm geholfen. Ich bin, de facto, ohne "Füße" gefahren. D.h. du kannst das Auto mit Tiptronic, Cruise Controle usw. absolut mit der Lenkradkontrolle fahren. Anders ginge es auch definitiv nicht. Ich konnte also total entspannt in der Kiste hocken, Stund um Stund, und brauchte nur das Lenkrad. Genial.

 

Die Betriebsanleitung des Navis hat übrigens 320 Seiten. Nur für den Navi. Auf dem Bild waren wir auf einem Feldweg in Saskatchewan morgens um 5 Uhr. Ich konnte irgendwann nicht mehr und dann habe ich (die Kids haben eh gepennt)  einfach mal zwei Stunden im Nirgendwo geparkt und gepennt. Die Sonne ging irgendwann auf und wir sind weiter Richtung Regina gefahren. 

 Saskatchewan ist der Hammer. 

Ich hatte mir vorgestellt, das das halt Prairie ist. D.h flach und Weizenfelder links und rechts bis an den Horizont. 

Stimmt teilweise. 

Der erste Teil nach Manitoba ist in der Tat der Weizengürtel. Aber dann wird es pötzlich "schottisch", d.h Highlands mit Moorlandschaften. Überall kleine Moore bzw. Seen.






In Saskatchwan gibts im Prinzip zwei Dinge: Kühe und Weizen. Die Weizenbunker ersetzen aus der Ferne, was das Panorama anbelangt, die deutschen Kirchtürme. Sieht echt so aus von Weiten.





Der Horizont wird unendlich und die Wolken sind scheinbar direkt über dir. 





Man sieht die unterschiedlichen Luftschichten und Wetterlagen über km hinweg bis zum Horizent. Jemand hat mir einen "Witz" erzählt: "dein Hund läuft weg in Saskatchewan, drei Tage später siehst du ihn immer noch am Horizont". 

Ich habe noch nie einen so beeindruckendend Himmel gesehen wie in diesem Landstrich.



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