Montag, 12. Januar 2015

wie wärs mit einer offenen und ausgewogenen Diskussion über Einwanderung? Teil 1

Schade um das tolle Image (im Ausland) welches sich Deutschland seit 1945 mühevoll, sehr sehr mühevoll, aufgebaut hat. Und welches jetzt auf einen Schlag den Bach runter gehen kann.

Pegida ist mittlerweile auch in die hiesige Presse vorgedrungen und ist ziemlich präsent. Wenn es Nachrichten aus Deutschland in die ultra provinziellen Medien Quebecs schaffen, auch in kleinere Zeitungen, dann heißt das schon was.

25000 Bürger muß man ja auch erstmal auf die Straße kriegen. Als ich das erste Mal, vor ein paar Wochen, kurz vor Weihnachtne, via Bayern 5 (ja, ja, weiß schon, Bayern 5?????) über dieses Phänomen erfahren habe, konnte ich es zunächst mal fast nicht glauben. Ich habe auch zunächst mal gar nicht verstanden worum es ging und was Pegida eigentlich heißen soll. 20000 Leute gehen in Dresden gegen die "islamisierung des Westens" auf die Straße? Das ist ein Brett. Gebe ich zu. Ausgerechnet Dresden. Pegida? What the fuck is that..... war ich schon sooooo lange nicht mehr in Deutschland (Oktober 2014), daß mir eine Erdrutschbewegung entgangen ist? Sind eventuell Marsmenschen gelandet und haben die Macht übernommen?

Leben da eigentlich Ausländer in dieser Region? Und dann noch islamische Mitbürger? Wiviele? Bei unserem letzten Besuch in Dresden vor zwei Jahren sah das eigentlich alles noch sehr Deutsch aus.

http://www.sueddeutsche.de/politik/studie-zu-pegida-demonstranten-maennlich-gut-gebildet-parteilos-1.2303475

Und hier liegt der Hase begraben: Teile der Bevölkerung wollen scheinbar über Einwanderung diskutieren. Nicht über den Islam. 

Als ich im Oktober in Dachau am Bahnhof war gab es - gefühlt - einen hohen Anteil von "Menschen mit Migrationshindergrund" - muß ich zugeben. Aber den gabs - gottseidank - auch unter den Kindern im katholischen Kindergarten in Kulmach - sellmol - 2007. Oben in der ULF (unsere Liebe Frau - wenn ich mich nicht täusche - ich kenne mich mit dem "katholischen" nicht so ganz genau aus). Da gabs einen Brasilianer, einen Portugiesen, ein paar Griechen, ein paar Türken und auch ein paar Deutsche. Alles Kinder. Zukünftige deutsche Kinder, deutsche Steuerzahler, deutsche Fußballnationalspieler, deutsche Forscher, deutsche Zukunft.

Leider wird aber momentan das ansonsten großartige Image Deutschlands schwer beschädigt durch diese einseitige Pegida Berichterstattung. Ist ja auch okay, daß damit eine gesellschaftliche Diskussion angestoßen wird. Soviele rechtsradikale Volldeppen kann es selbst in Dresden nicht geben. Also sollte dieser Protest ernstgenommen werden. Deutschland/Europa könnte, meiner bescheidenen Meinung nach, übrigens in der Tat von einem Einwanderungsgesetz profitieren - selbst wenn diese Idee von der AFD kommt. Aber wenigstens käme es dann zunächst mal zu einer gesamtgesellschaftlichen Diskussion und am Ende vielleicht zu einem Konsenz.

Aber so simple Schlagwörter wie "Islamisierung", "Überfremdung"  und dergleichen sind fehl am Platze.

Deutschland ist, sofern ich richtig gelesen habe, das nach den USA zweitbeliebteste Einwandererland der Erde. Ist das nicht großartig? Man stelle sich vor, do würde kein Schwein hin wollen? Wiviele Aus/einwanderer es wohl nach Afghanistan oder Turkmenistan zieht (no offense ment)?

Jetzt mal eine kurze Betrachtung aus meinem (im Jahre 1960 geboren) Nachkriegsblickwinkel.

In der Schule hat man uns damals erklärt, Deutschland bräuchte Arbeitskräfte und deswegen würde man Portugiesen, Italiener und vor allem Türken und Griechen "einladen" um das Land wieder aufzubauen und um unsere Wirtschaft anzukurbeln. Nach getaner Arbeit würden diese "Gäste" das Land dann wieder verlassen und brav nach Hause gehen.

Den Meisten hat es dann aber so gut gefallen, daß sie lieber geblieben sind. Demokratie, Rechtssicherheit, soziale Marktwirtschaft, ein gutes Erziehungssystem, soziale Absicherung und wirtschaftliche Stärke sind scheinbar attraktiv. Die in Deutschland geborene zweite Generation war dann schon einfach mehr oder weniger Deutsch. Ich behaupte mal so eben, daß uns als Gesellschaft dieser multikulturelle, dieser integrative Ansatz sehr gut getan hat. Man muß sich mal in aller Ruhe die Filme von Fatih Akin ansehen - da spürt man Liebe und Respekt für die Gesellschaft seiner Eltern und seiner Wurzeln und Liebe und Respekt für das Land in welchen er lebt und IN welches er geboren wurde. Gefragt hat diese Generation ja jeh keiner. Jetzt kicken sie eben für Deutschland, schwätzen schwäbisch oder sitzen in Parlamenten oder alles zusammen. Toll.

In conclusion:

Deutschland (und Europa) brauchen eine vernünftige und sachliche Diskussion über Einwanderung und Integration aber keine Pegida. Danke.

p.s. sagt mir doch mal Eure Meinung zu dem Thema, das würde mich mal interessieren ....