Mittwoch, 18. Januar 2012

Großstadtblues

Meistens bringt Sophie die Kids morgens zur Schule. Ist nicht weit weg, ca. 300 m und es liegt auf ihrer Strecke zur Arbeit. Manchmal kann ich den Job übernehmen. Wie heute morgen. Danach gehts direkt zur Arbeit - mit öffentlichem Nahverkehr.

Der Bus zur Metro war - wie meistens morgens um diese Zeit - rammelvoll. Dann ca. 10 Minuten hin- und herschaukeln, in totaler Enge, und dann raus und rein in die Metro. Ich wähle mein Abteil schon längst nur noch unter strategischen Gesichtspunkten aus, d.h. ich gehe praktisch immer bis zum Ende des Bahnsteiges, da dort meistens, im ersten oder letzten Abteil - aus welchem Grund auch immer - noch ein wenig Raum ist. Mittlerweile kommt man aber auch da kaum mehr rein. Es ist einfach alles voll. Rappelvoll.

Der Rucksack muß definitiv abgenommen werden sonst geht schon mal überhaupt nichts. Mit ein wenig Schwung kann man sich dann oft noch irgendwie "reinquetschen". Unangenehm eigentlich, da man wirklich Körper an Körper ist. Da kann man dann schon mal jede Menge Details über seine Mitmenschen erfahren welche man eigentlich eher nicht wissen möchte. Deodorant oder Körperbehaarung etc. - hochinteressant eigentlich aber wer will das schon alles wirklich wissen, bzw. riechen, sehen, etc.

Gottseidank löst sich das, für mich, nach zwei relativ kurzen Metrostationen auf, da dann ein zentraler Umsteigebahnhof kommt. Da positioniere ich mich schon mal um - idealerweise - einen Sitzplatz zu ergattern. Für die kommenden 20 Minuten. Jetzt kann ich wenigstens Zeitung lesen.

Danach gehts raus aus der U-Bahn und es gilt nochmal den Bus zu nehmen. Die 105er Buslinie ist in ganz Montreal berühmt (vor allem für den grottenschlechten Service ....). D.h. überlastet, nicht ausreichend getaktet usw. - zudem meistens voller blödquatschender Studis auf dem Weg zur Uni. Nicht auszuhalten worüber sich die Hirnheimer alles auslassen. Ich befürworte schon seit langem ein öffentliches Kommunikationsverbot für Concordia Studenten. Was ich diesbezüglich schon alles - zwangsweise - mitbekomen habe, ist unglaublich. Too much information asshole. Das will ECHT keiner Wissen!!!!

Dann sind da noch die Leute welche mit sich selbst reden. Anscheinend jedenfalls. Natürlich sind sie mit Bluetooth oder Mikro und Öhrstöpsel, per Handy mit jemanden verbunden. Dies ist aber nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Demzufolge erscheint es mir als würden sie mit sich selber reden. Leute, welche mit sich selbst reden sind, erfahrungsgemäß, unter genauster Beobachtung zu halten. Man weiß ja nie ....


Ich bin jedenfalls froh, wenn ich wieder mit dem Motorrad oder Fahrrad ins Büro fahren kann.

Kommentare:

  1. heute morgen Blitzeis und mit dem Fahrrad zur Arbeit, auch irgendwie spannend. Naja, immer noch besser, als Bus angehustet zu werden.

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  2. Tja, das hört sich nach einer typischen Fahrt morgens im Schüler- und Berufsverkehr in der Stadt meiner Arbeitsstätte an, wo nur noch auf Kosten geachtet wird und man kein Geld dafür ausgeben möchte, um solche Missstände zu verbessern... kein Wunder, dass die Fahrgastzahlen immer weiter bergab gehen... von Service- und Qualitätsverbesserung ganz zu schweigen. Eine frustrierte Planerin

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  3. hey, hansmann bleibt doch festzuhalten: DU KOMMST IMMER NOCH WO REIN IN BUS UND BAHN...also kanns noch net zu voll sein. Komfort wird im Nahverkehr viel zu überbewertet, in Deutschland wie auch in Kanada ;-)
    Hauptsache du kommst irgendwann ans Ziel...das zählt. Weiterhin viel Spaß beim NEIQUETSCHEN...hört sich nett an..hehe.

    - Ein Stadt- und Verkehrsplaner, der immer einen Sitzplatz in UBahn und Zug auf dem Weg zur Arbeit sicher hat :-)

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  4. Mag sein. Gestern habe ich wieder ein paar Haßleserbriefe bezüglich hiesigen Bus- und U-bahnbetriebes gelesen. Da mußte ich dann auch feststellen, daß ich ja eigentlich fast jeden Tag dann doch - mehr oder weniger - pünktlich zur Arbeit gekutscht werde. Aber trotzdem, was hier abgeht ist schon hart an der Grenze. Auf manchen Linien werden neue Gelenk- oder Ziehharmonika Busse eingesetzt und die haben eine wahnsinns Kapazität. Das nenne ich Fortschritt.

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