Dienstag, 19. April 2011

Arbeitsbedingungen Québec im Vergleich zu Deutschland

An einige Sachen muß man sich anfangs erst gewöhnen:

als ich 1997 hier im Jugendschutz (vergleichbar Öffentlicher Dienst in Deutschland) anfing, wurde ich "Zwangsmitglied" in der Gewerkschaft. Automatisch. Ist per Gesetz hier so festgelegt. In Deutschland mußte ich meine sozialpädagogischen Kollegen und Kolleginnen immer von den Vorteilen einer solchen "Organisation" überzeugen. Aber dann eine vom Gesetzgeber automatisch bestimmte Mitgliedschaft? Verblüffend.

Die sogenannte Payroll, d.h. die Gehaltsabrechnung, findet in der Regel zweiwöchentlich statt. Im Gegensatz zum deutschen Monatslohn. Du bekommst also die Kohle vierzehntägig. Das heißt aber auch, daß es 26 Zahlungen sind (muß man mal im Kalender nachrechnen). Beinhaltet also somit automatisch ein 13. Monatsgehalt. Urlaubs- oder Weihnachtsgeld sind gänzlich unbekannt und wurden ja auch in Deutschland mittlerweile weitestgehend "geschliffen". Zumindest für die "Generation Praktikum", d.h die Berufsanfänger. Die "Besitzstandswahrer" sind davon, no offense, nicht betroffen.

Vor allem aus den USA hört man immer die Horrorberichte, zumindest für uns Europäer, wonach dem gemeinen Nordamerikaner die gewaltige Zahl von ca. 10 Tagen bezahlten Urlaubs pro Jahr zustehen. Zumindest in Quebec entspricht dies absolut nicht den Tatsachen. Die meisten Arbeitnehmer erhalten mindestens 15 Tage zu Beginn eines Arbeitsverhältnisses und dann 20 oder mehr.  Im öffentlichen Dienst (jeder 10. arbeitet hier mehr ode weniger für den öffentlichen Dienst oder "staatseigene Betriebe" - SAQ, SAAQ, CSSS, Hydro Québec, die Schulkommissionen, etc. etc. - die Liste wäre endlos, von der Polizei über die städtischen, provinziellen oder federalen Beamten und Bediensteten bis hin zum Gesundheitswesen, den Unis, etc.) sieht es da schon ganz anders aus. 20 bis 25 bezahlte Urlaubstage sind die Norm und dann gibt es noch die sogenannten "Sick oder Personal Days". Zwichen 5 und 15 Tagen werden dem Arbeitnehmer also nochmal als sogenannte Krankheits- oder Sondertage eingeräumt. Macht dann im Schnitt so etwa 30 Tage. Zuzügliche der Feiertage (12 glaube ich) ergibt sich somit ein ähnliches Bild wie in Frankreich oder Deutschland.

So Schnickschnak wie Faschings-, Pfingst-, Herbst- oder Osterferien gibt es allerdings in der Tat nicht. Dafür sind die Sommerferien länger und es gibt ca. 10 bis 12 sogenannte "pädagogische Ferientage". Kommt also, summa summarum, aufs Gleiche raus.

Ander Länder, andere Sitten. Oder auch nicht.

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