Donnerstag, 18. Januar 2018

Vollbeschäftigung

Québec war ja eigentlich meistens mit unter den "Armenhäusern" Kanadas. Es gibt und gab kaum große Maschinenproduktion, keine Autofabriken, kaum Zulieferbetriebe, eher Textilbranche, Holz- und Landwirtschaft, bißchen Luftfahrt d.h. Bombardier. Etwas Banken- und Finanzsektor, bißl IT,. d.h. Videospiele, SAP usw. und der Service Sektor ist stark vertreten.

Unsere Einrichtungen wurden mitte der neunziger Jahre gegründet um etwas gegen die damals extrem hohe Jugendarbeitslosigkeit zu tun. Die Quote lag damals teilweise weit über 20 % - italienische Verhältnisse sozusagen (insgesamt Arbeitslosenquote 1996 12 %!!!). 

Heute habe ich die jüngsten Daten vom Ministerium (Quelle IMT) bekommen und siehe da:

historische Rekorde Allerorten. 

5,7 % Arbeitslosigkeit - ein historischer Tiefstand. Allerdings arbeite ich statistisch gesehen lieber mit der prozentualen arbeitenden Bevölkerung: 75,6 %. D.h. im Moment sind soviele Menschen in Québec im Arbeitsprozess wie noch zuvor.

Eigentlich unglaublich. Vollbeschäftigung und Arbeitskräftemangel wurden zwar schon oft prognostiziert aber es kam dann immer wieder "was dazwischen" - z.B. der Crash um 2000 rum, dann die Bankenkrise 2007/2008 und gelegentliche Konjunktureinbrüche. 

Aber diesmal ist es eingetreten: de facto Vollbeschäftigung und ein ganz klar erkennbarer Mangel an ungelernten Kräften wie auch an Fachkräften. 

Überall wird händeringend nach qualifizierten (oder auch unqualifizierten) Mitarbeitern gesucht - genau wie in Bayern und großen Teilen Deutschlands. 

Trotzdem geht uns hier in unserem Jobcenter nach wie vor die Arbeit (noch) nicht aus, da es nach wie vor ca. 30000 qualifizierte Einwanderer pro Jahr gibt und die Quote wird sicher, angesichts der Lage auf dem Arbeitsmarkt, eher angehoben als abgesenkt und weil es leider auch noch relativ viele "Abgehängte" oder "Bildungsferne" jugendliche Menschen gibt.
 
Und genau um die werden wir uns wohl demnächst ein bißchen "intensiver" kümmern müssen - aber lieber so als "anderstrum".