Sonntag, 25. Dezember 2022

San Francisco - aus der SZ - genau so ist die Realität!

 

Kalifornien

 Aus allen Wolken gefallen

Wer nach San Francisco ging, folgte viele Jahre dem Versprechen auf eine goldene Zukunft.

Aber jetzt entlassen Twitter und Co. Tausende Menschen.

Sie treffen in der Stadt auf ein Elend, vor dem sie lange wegsahen. Ein Besuch.

Von Jürgen Schmieder

23. Dezember 2022

San Francisco, Straßenecke Market/Polk: Oben, im fünften Stock der Firmenzentrale von Twitter bastelt Elon Musk an dem Spielzeug, das er sich für 44 Milliarden Dollar gegönnt hat, weil er offenbar daran glaubt, dass er mit Twitter Welt und Menschheit retten wird; oder zumindest jenen Teil von Welt und Menschheit, für den sich Musk interessiert.

Auf Twitter hat er seine mehr als 100 Millionen Follower gefragt, was das Beste im Leben sei, und ihnen dann gesagt, dass sie etwas finden mögen, das sie wirklich glücklich mache.

Beginnen wir die Suche nach dem Glück doch also vielleicht direkt hier; unten auf der Straße, neben der Einfahrt in die Tiefgarage. Da steht ein junger Mann, Mitte 20; er hält ein Pappschild hoch mit der Botschaft, dass ihn eine Umarmung von Musk glücklich machen würde.

 

Foto: Jürgen Schmieder

Obwohl er bereits seit mehr als einer Woche hier wartet, wie er sagt, hat das bislang noch nicht geklappt. Neben ihm sitzt eine Frau, Ende 40 und ganz offenbar obdachlos; sie pinkelt auf den Gehsteig, während die Leute ihr dabei zuschauen. Luftlinie zwischen einer der reichsten Personen der Welt und dieser Frau: keine 50 Meter.

Man hat schon oft von diesem enormen Kontrast zwischen extrem reich und bettelarm in dieser Stadt gehört. Wenn man aber einmal hierherkommt, um sich anzusehen, wie das so ist, wenn der reichste Mann der Welt Tausende Leute vor die Tür setzt, weil die seiner Meinung nach nicht „hardcore“ genug arbeiten wollen, dann muss man sagen: In Wirklichkeit ist alles noch viel schlimmer.

Die Überschrift eines Essays im Sommer auf dem Portal The Atlantic: „Wie aus San Francisco eine gescheiterte Stadt wurde.“ Die Autorin Nellie Bowles beschreibt darin das Versprechen, das diese Stadt seit dem Goldrausch gegeben und oft auch gehalten hat: ein besseres Leben, eine bessere Welt. Sie beschreibt auch, wie sich die Bewohner in ihrer progressiven Selbstgerechtigkeit selbst im Weg stehen, weil sie nicht einsehen, dass es hin und wieder auch gute konservative Ideen gibt. Sie beschreibt, wie während des Lockdowns all das Schlechte, das man im Trubel ums Gutsein und Weltverbessern einfach ignoriert hatte, nicht mehr übersehen werden konnte: Vor einer 4,8 Millionen Dollar teuren Villa im Stadtteil Japantown starb ein erst 37 Jahre alter Obdachloser, elf Stunden war er auf dem Gehsteig gelegen, bis jemand die Polizei rief.

275 000 Millionäre leben in der San Francisco Bay Area

Vielleicht ein paar Zahlen: In der San Francisco Bay Area, zu der auch das Silicon Valley im Süden gehört, leben 77 Milliardäre – mehr gibt es in den USA nur in New York. Es leben hier mehr als 600 Leute, die mehr als 100 Millionen Dollar besitzen. Dazu kommen 275 000 Millionäre. Unfassbarer Reichtum also. Nur: Man muss inzwischen eigentlich Millionär sein, um sich diese Stadt leisten zu können.

Wer es nicht ist, geht irgendwann. Wie Matthew Schwartz, 40, und seine fünf Jahre jüngere Frau Kira. Sie zogen 2016 nach San Francisco; in die Straße, in der Airbnb gegründet worden ist. Sie arbeitete als IT-Beraterin bei der Analysefirma Gartner, er bei einer Firma, die nachhaltige Häuser baut. Gemeinsames Jahresgehalt: 300 000 Dollar. „Das ist nicht viel in einer Stadt, in der eine kleine Wohnung 4000 Dollar Miete kostet – plus 300 Dollar für eine Garage, weil in den ersten zwei Wochen beinahe jeden Tag ins Auto eingebrochen wurde, das wir auf der Straße geparkt hatten“, sagt er bei einem Treffen in einem Park in Los Angeles, wo er seit 2020 wohnt: „Natürlich ist man sich bewusst, was da auf der Straße passiert. Man begegnet anderen Leuten, und die sehen das Gleiche wie man selbst: Leute, die sich auf dem Gehsteig eine Nadel in den Arm rammen. Die vor allen Leuten onanieren. Die sich selbst von oben bis unten vollkacken.“

Wer glaubt, dass so was übertrieben klingt, möge zur UN Plaza im Viertel Tenderloin gehen, fünf Laufminuten von der Twitter-Zentrale entfernt. Jeder Ort hat einen Geruch, der einzigartig ist. Die Münchner U-Bahn zum Beispiel: Betonstaub, vergisst man nie. Smokey Mountain, die Slums von Manila, einer der ärmsten Orte der Welt: Kohle, Rauch, Schweiß; vergisst man auch nie. Gäbe es einen Geruch für Elend, wäre es dieser hier an der UN Plaza. Urin, Fäkalien, Erbrochenes.


Foto: Michael Ho Wai Lee/imago images/ZUMA Wire

Foto: Jürgen Schmieder

Man zählt hier, auf diesem Platz, der etwa so groß ist wie der Marienplatz in München, mehr als 300 Leute, die auf der Straße leben.

73 davon stehen in der Schlange für die einzige öffentliche Toilette am Platz; und man weiß, was passiert sein muss, wenn Nummer 41 die Schlange verlässt. Es gibt auf der anderen Seite noch ein mobiles Klo, darauf steht: „Dignity on Wheels“. Würde auf Rädern. Wie viel Würde hat ein Mensch, der sich nicht rechtzeitig anstellt?

Vor einem Jahr hat die Stadt den Notstand ausgerufen. Es gibt insgesamt etwa 25 000 Obdachlose in der Bay Area – derart viele, dass sich das Problem nicht einfach mit Geld lösen ließe.

Die Stadt hat 22 Millionen Dollar investiert in das Tenderloin Center an der UN Plaza; eine Einrichtung fürs Notwendigste. Das Notwendigste heißt: Hilfe bei Überdosis, sanitäre Grundversorgung; Wasser für die, die am Verdursten sind.

Nellie Bowles schreibt in ihrem Essay: „Wenn du schon auf der Straße sterben musst, dann ist San Francisco kein schlechter Ort dafür. Beamte und Freiwillige bringen Essen und Decken, Nadeln und Zelte. Doktoren schauen, dass die Drogen wirken. Und sie sorgen dafür, dass der Rest von dir okay ist, während du dieses Leben verlässt.“ Gerade eben wurde das Tenderloin Center schon wieder geschlossen; zu teuer, es bringe nicht wirklich was, so das Urteil von Bürgermeisterin London Breed. Nur damit die politischen Verhältnisse geklärt sind: Seit Mitte der Sechzigerjahre ist San Francisco in demokratischer Hand, 2020 stimmten mehr als 85 Prozent für Joe Biden. Für die Republikaner steht das, was in San Francisco passiert, symbolisch für die Demokraten: die Welt verbessern und jedem sagen wollen, wie das geht – aber den eigenen Laden nicht hinkriegen. Das Schimpfwort dafür: San Francisco Values.

Der wahnwitzige Erfolg zahlreicher Unternehmen übertünchte die dunklen Flecken; das ist vorbei. Nicht nur Twitter entließ Tausende Mitarbeiter – es gibt noch immer keine genaue Zahl –, sondern auch Amazon (bis zu 10 000) und Meta (11 000). Insgesamt verloren allein im November 35 000 Menschen in der Tech-Branche ihre Jobs, laut der Statistik-Website Layoffs gab es 2022 insgesamt 150 000 Entlassungen – und man darf nicht vergessen, dass es in den USA keine Kündigungsfristen oder sozialen Absicherungen gibt wie in Europa.

„Irgendwann fragt man sich: Warum lebe ich hier“, sagt Schwartz. Natürlich sei die Stadt faszinierend: „Was für diesen einzigartigen Vibe in San Francisco sorgt: Ehrgeiz. Wer hierherkommt, will was erreichen, beruflich, privat.“ Es sei nie langweilig, weil man dauernd Leute treffe, die an spannenden Projekten arbeiten und ihre Freunde zu Abenteuern einladen: Burning Man, Konzerte, Sterne-Restaurants.

Twitter galt auch deshalb vielen als guter Arbeitgeber, weil man in dem Moment, als in San Francisco alles so sichtbar wurde, nicht mehr dorthin musste. Die Covid-Pandemie war für viele in dieser Silicon-Valley-Tech-Gemeinde eine Befreiung. Viele zogen weg, in günstigere Städte, oftmals auch in andere Bundesstaaten, und Twitter gehörte zu den Unternehmen, die auch gegen Ende der Pandemie den Angestellten erlaubten, weiter im Home-Office zu bleiben. Gründer Jack Dorsey sagte gar: „Für immer. Dann kam Musk.

Zunächst schrieb er in einer E-Mail an alle, die er davor nicht gefeuert hatte, dass er von ihnen erwarte, dass sie pro Woche mindestens 40 Stunden im Büro sein würden; kurz darauf schrieb er: Wer „außergewöhnliche“ Arbeit leiste, könne im Home-Office bleiben; der Vorgesetzte übernehme die Verantwortung dafür: „Auch aufs Risiko hin, das Offensichtliche zu sagen: Jeder Manager, der fälschlich behauptet, ein Untergebener sei grandios oder seine Rolle unverzichtbar, wird rausgeworfen.“

Mit einem Jahresgehalt von weniger als 117000 Dollar gilt man hier als Unterschicht.

Man könnte natürlich sagen: Musk treibt seine Leute eben an. Man könnte aber auch sagen: Er greift massiv ins Leben derer ein, die aufgrund der früheren Firmenpolitik anders geplant hatten – und womöglich auch ein Gehalt akzeptierten, mit dem sie dort, wo sie im Home-Office lebten, leben konnten. Musk forderte eine Rückkehr ins Büro nach San Francisco. Hardcore, und dadurch erscheint ein anderes Detail der Tech-Branche in komplett anderem Licht.

Tech-Konzerne sind berühmt dafür, dass sie Mitarbeitern großzügige Extras gewähren: Gratis-Essen, Gratis-Kaffee oder Gratis-Wäscherei. Man redet über diese Annehmlichkeiten bisweilen, als dienten sie einzig dazu, die Mitarbeiter zu motivieren oder sie ein wenig länger im Büro zu fesseln. Was man vergisst: Sie sind für viele lebensnotwendige Zulagen. Ohne sie könnten sie sich das Leben in San Francisco ganz einfach nicht leisten.

In Zahlen: Das Massachusetts Institute of Technology berechnet regelmäßig den Stundenlohn, der nötig ist, um in einer US-Stadt zu überleben. Ja, überleben, es sind nur die notwendigen Ausgaben berechnet. In San Francisco sind für kinderlose Singles 30,81 Dollar nötig, mehr als das Doppelte des gesetzlichen Mindestlohnes. Aufs Jahr gerechnet, wie es die Analysefirma Marketwatch getan hat: Wer in San Francisco 100 000 Dollar im Jahr verdient und wirklich nur das absolut Nötigste ausgibt, macht am Ende 2734 Dollar Verlust. Mit einem Jahresgehalt von weniger als 117000 Dollar gilt man hier als low income – als Unterschicht.

Foto: Twitter page of Elon Musk/AP

Musk fordert von Twitter-Angestellten, dass die hardcore sein müssten für: ja, wofür eigentlich? Er lieferte sich auf Twitter eine Fehde mit dem Entwickler Eric Frohnhoefer. Es ging um Arbeit und Ahnung; irgendwann ging es um Annehmlichkeiten wie Gratis-Mittagessen. Zuletzt schrieb Musk über Frohnhoefer auf Twitter: „He’s fired.“ Hardcore.

Frohnhoefer ist mittlerweile in San Diego, er hat nach dem Rauswurf erst einmal Urlaub gemacht und sortiert nun Angebote. Auch das ist typisch fürs Silicon Valley: Ja, man kann von heute auf morgen entlassen werden, aber gerade Leute in der Tech-Branche wissen, dass sie auch sehr schnell einen neuen Job finden werden. Angst vor dem Rauswurf hat deshalb kaum jemand. Am Telefon sagt Frohnhoefer zur SZ über die Branche: „Sie zahlen einen Haufen Geld für…“ Lange Pause, er wird den Satz nicht vervollständigen, und man denkt sich: Ja, wofür eigentlich? Klar, die wunderbaren Aspekte von Twitter sollen nicht verleugnet werden – aber: Es gibt dann schon auch noch Elend auf der Welt, auch direkt vor der Twitter-Haustür.

Auch das ist ja eine Frage an Musk: Keines seiner Autos kostet ohne Steuervergünstigungen weniger als 47 000 Dollar – plus Steuern und Gebühren. Er baut recycelbare Raketen. Er verkauft Flammenwerfer und baut Tunnel wie den in Las Vegas, in dem ein Autopilot-Tesla (noch ist ein Fahrer nötig) Leute vom Hotel zum Konferenzzentrum bringt. Nun will er als, wie er sich selbst nennt, „Absolutist der freien Meinungsäußerung“ Twitter revolutionieren.

Schwartz verließ die Stadt, nachdem unten auf der Straße eine Frau unter Drogen eine halbe Stunde wirres Zeug redete

Wie in aller Welt hilft er damit der Frau, die direkt unter seinem Twitter-Büro auf die Straße pinkeln muss, weil es sonst keine andere Möglichkeit für sie gibt? San Francisco Values.

„Es ist die Stadt mit der niedrigsten Geburtenrate aller Metropolen in den USA“, erzählt Schwartz. Es komme für viele der Moment, in dem man die negativen Aspekte nicht mehr ausblenden kann. Für Schwartz war das: „Wir saßen auf dem Balkon, und dann hörten wir unten eine Frau, die offenbar Drogen genommen hatte und eine halbe Stunde lang in Schmerzen wirres Zeug brüllte. Meine Frau und ich waren uns einig: Hier wollen wir keine Kinder haben.“ Sie zogen während der Pandemie 2020 nach Los Angeles, weil es dort – und das ist schon ein Statement – billiger und kinderfreundlicher sei als in San Francisco.

Das Volkszählungsamt Bureau of the Census veröffentlichte Mitte Oktober eine Umfrage, der zufolge 7,6 Prozent der Bewohner von San Francisco im kommenden Jahr in eine andere Stadt ziehen wollen – Platz eins mit ansehnlichem Vorsprung vor zum Beispiel Los Angeles (5,8 Prozent), New York (3,2) und sogar Detroit (6,6).

„Ich will nicht zu sehr auf San Francisco schimpfen“, sagt Schwartz. Aber sein Lebensentwurf – er wollte Mitte 30 eine Familie gründen (mittlerweile hat er zwei Kinder) und ein Haus besitzen (tut er nun im Süden von L.A.) – passte nicht mehr in diese Stadt: „Wenn jemand direkt von der Uni ein sechsstelliges Gehalt für einen spannenden Job bei einem Start-up geboten kriegt: Warum nicht?“

Heißt übersetzt: Der Ehrgeiz wird weiterhin gerade junge Leute ins Silicon Valley und speziell nach San Francisco führen. Die Welt, zumindest die, für die man sich interessiert, zu einem besseren Ort machen. Dafür ein sechsstelliges Gehalt und Aktien kassieren. Dafür muss man nur bereit sein, auf dem Spaziergang vom Twitter-Firmensitz zum 400-Dollar-Dinner Leuten zu begegnen, denen nichts anderes übrig bleibt, als auf dem Gehsteig zu schlafen. Aus dem Twitter-Firmensitz hat sich inzwischen auch Elon Musk noch einmal über seinen Account gemeldet, er wolle den Mann, der offenbar seit Längerem unten mit einem Pappschild steht und darauf wartet, von ihm umarmt zu werden, nun tatsächlich – umarmen.

Scott McKenzie hat 1967, als San Francisco mehr Utopie war als wirklicher Ort, darüber gesungen, dass man sich Blumen ins Haar stecken solle, wenn man hierherkommt. Heute, 2022, braucht man vor allem eines: Scheuklappen.

Team

Text Jürgen Schmieder

Bildredaktion Natalie Neomi Isser

Digitales Storytelling Wolfgang Jaschensky

 

Freitag, 23. Dezember 2022

Fröhliche Weihnachten und ein gesundes und glückliches neues Jahr

Fröhliche Weihnachten und ein gesundes und glückliches neues Jahr Euch Allen.

Rückblicken betrachtet war es, einerseits ein schwieriges Jahr, andererseits aber auch ein Gutes. 

Im letzten Jahr hatten wir noch einen krassen Lockdown um diese Zeit. Erinnert ihr Euch noch an Omikron? Das Ende der Welt! Die Apokalypse. 

Heute, ein Jahr später ist alles, fast alles, wieder im "grünen Bereich" und den meisten Freunden, Bekannten, der Familie, uns selbst, geht es eigentlich recht gut. 

Gut, wir hatten, und haben bestimmte gesundheitliche Probleme in der Familie. Hier die komische und obskure Krankheit meiner Tochter, in Deutschland andere Probleme innerhalb der Familie. Ernste Sachen. 

Aber scheinbar, aufgrund der medizinischen Entwicklung, kontrollierbare Sachen. So wie Covid. Wow. Was für ein "Roller coaster". Aber wir haben es geschafft, wir sind scheinbar fast "durch" und unsere Gesellschaft, unsere Familien, unsere Betriebe oder Organisationen, unser Gemeinwesen, unsere Wirtschaft, haben es scheinbar überstanden. Die Pandemie ist vorbei. Das Leben geht weiter. Und das Leben ist einfach nur geil.

Da wird noch viel zu analysieren sein, sicher, aber unsere Gesellschaft, unser Sozialwesen, unsere moralische und  demokratisch freiheitliche Struktur hat es geschafft. Hat keinen Schaden genommen. 

Weder in Kanada noch in Deutschland. 

Sicher, die Ukraine und der irrsinnige und vollkommen idiotische Krieg der Russen prägen dieses Jahr. Was für ein Irrsinn. Aber wie sagte die Mutter immer: "jedes Übel hat sein Gutes". 

Logisch ist das "wishful thinking" aber letztlich steuern wir auf eine neue Ordnung hin. Der "Westen", die freie Welt, hat einiges gelernt. Wir haben kapiert, denke ich, dass wir unsere Werte verteidigen müssen und verteidigen können. Die Ukrainer haben uns das gelehrt. Entweder sie bleiben freie Menschen oder sie sterben. Entweder wir kämpfen für unsere moralischen und ethischen Werte, was immer das auch heißen mag, oder wir gehen unter.

Ich sitze gerade am Vorabend des heiligen Abends bei mir Zuhause, die Sauna ist an, draußen tobt ein beginnender Winter Sturm, nachher gibt es Abendessen mit den Kids und es brennen ein paar Kerzen. Nur so für die Stimmung. German "Gemütlichkeit".

Währenddessen sitzen die ukrainischen Soldaten in ihren Schützengräben und verteidigen unsere Freiheit. 

Slava Ukraini. Tot den Orks. 

Wobei die meisten keine Orks sind sondern lediglich arme "gedraftete" Arschlöcher ohne Wahl. Wie sagte Bill Gates: "rule number one, life is NOT fair". Bitter. Wie das Wetter.

Issued at 11:21 Friday 23 December 2022

Hazardous winter conditions are expected.

A total of 30 to 50 centimetres of snow is expected. Snow will continue today and Saturday; total amounts for the event could reach 70 centimetres locally, especially over higher terrain.

Strong winds gusting to near 80 kilometres per hour will accompany this system. Winds combined with the snow will give poor to nearly nil visibilities in blowing snow.

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Rapidly accumulating snow will make travel difficult. Heavy snowfall accumulation may cause tree branches to break.

Please continue to monitor alerts and forecasts issued by Environment Canada. To report severe weather, send an email to QCstorm@ec.gc.ca or tweet reports using #QCStorm.


Gestern hatten wir in Montreal noch relativ normale Bedingungen, d.h. so ca. -5 Grad. Etwas Schnee. Heute dann Südströmung, milde Winde aus Florida, etc.! Sehr ungewöhnlich für die Jahreszeit. Regen ohne Ende.

Um 15 Uhr kam dann plötzlich die Kaltfront mit starken Winden usw.! Ihr habt sicherlich die Berichte über den kapitalen Sturm in den USA mitbekommen. Wir kriegen nur die Ausläufer ab aber es kann, wie oben zitiert, am Chalet bis zu einem halben Meter Schnee geben heute Nacht inklusive Verwehungen durch extrem starken Wind. Eine tödliche Kombination. 

Der Regen überfriert jetzt innerhalb von Minuten und es wird starken Schneefall geben. Dazu ist der Boden immer noch gefroren und das wird dazu führen, dass es krasses Eis geben wird. 

Ein unglaublicher "Cocktail". 

Hunderte von Flügen werden und wurden annulliert. Rien ne va plus.

Ich bin sehr froh, dass ich hier sitzen kann, dann Sauna mache, danach Abendessen und mir das krasse Wetter von innen an ansehe. 

In diesem Sinne habe ich nur noch eine Wunsch für 2023: Friede auf Erden. 

LG






 


 

 

 



 



 

 

 

Mittwoch, 21. Dezember 2022

Slava Ukraine - die Kühnen und Freien (Franken)

Ein historischer Tag. 

Ich habe mir gerade eben die Pressekonferenz von Selenski und Biden angesehen und dann seine Rede vor dem Kongress. 

Slava Ukraine. Die freie Welt wird siegen. 

Deutschland wurde von vielen Medien als "zögerlich und ängstlich" bezeichnet. 

All in. Die Russen haben uns, durch den Angriff auf die Ukraine, haben dem demokratischen Westen, der freien Welt, den Krieg erklärt - also sollten wir jetzt den Bären erlegen und müssen leider eingestehen, dass es ein Krieg ist. 

Jetzt müssen auch endlich die Leopard 2 und der ganze andere Kram ran denn das Drama muss ja mal vorbei sein. 

Je schneller, desto besser. Alles schön reden hilft nichts, es ist der dritte Weltkrieg. Putin MUSS gestoppt werden. Es gibt kein Zurück mehr. 

Russland und Iran müssen gestoppt werden. Ansonsten Gnade uns Gott. 

Themawechsel. 

Gestern war ich mal wieder im Parelleluniversum: 

d.h. bei einer privaten Stiftung einer Industriellen Familie und wir haben unseren Projektvorschlag präsentiert und erhoffen uns eine substantielle Förderung. 

Das ganze im 18. Stock in der teuersten Downtownlage Montreals.  Mit nettem Blick aus dem Büro.

Ein Hammer Büro. Super High Tech Video und Konferenz Schaltung. Top notch. Wie bei Eleon Musk.

 

 

Wir, d.h. meine zwei Kolleginnen, "sappen" da also so rein und ich wusste vorher schon, das der Großvater der Familie wohl aus Deutschland kam. Super nette Menschen übrigens. Sehr sympathisch.

Also, der "Boss", Pierre,  sprach perfekt Deutsch und weil ich in meinem "Intro" erwähnt hatte, dass ich Deutsch bin, sprach er mich auf Deutsch an. 

Dann fragte er mich, wo ich denn herkomme? Und man glaubt es nicht, er hat einen  Betrieb in Kronach, kennt Kulmbach, war auf dem Bierfest und kennt Oberfranken wie seine Westentasche. Unglaublich. Er bevorzugt Mönchshof Bier. 

Keine Ahnung ob das dazu bei getragen hat, dass wir die Förderung bekommen haben. 

Aber, es zeigt mir immer wieder, wie klein doch diese Welt ist. 

Wir "stiefeln" da bei dieser super Corporate World rein und die sind, sozusagen, auch Oberfranken. 

Unglaublich. 






 

 





 

 


 

Sonntag, 18. Dezember 2022

Wahnsinn, wie die Zeit vergeht

Je älter man wird, desto schneller vergeht die Zeit. Wir hatten am Freitag unsere Weihnachtsfeier im Büro und mir kam es so vor, als wäre die Feier vom letzten Jahr erst vor kurzem gewesen. Der Wahnsinn. Das Jahr ist vorbei. Ich kann es nicht glauben. 

Freitag war die Party, Samstag habe ich komplett zum erholen gebraucht denn man wird ja nicht jünger und heute morgen war dann das epische WM Finale. Episch. Spannend. Dramatisch. Ein Drehbuch wie es nur der Fußball zu schreiben vermag. 

Emile ist totaler Fan von Messi und wir diskutieren ganze Abende wer jetzt der GOAT ist. Der "Größte" aller Zeiten. Ich habe immer noch Pelé vorne, Messi ist jetzt (für mich) die Nummer zwei und Maradonna Dritter. 

Aber wie gesagt, das kann man den ganzen Abend lang diskutieren. Was für ein Spiel. 

In Montreal mussten ganze Straßen gesperrt werden weil die Gauchos gefeiert haben. Verdienterweise. 

Der Rest ist ein Wintermärchen. 

Wie gemalt von Bruegel dem Älteren. 




  Die Langlauf Saison ist offiziell eröffnet. 14 Wochen. 

p.s. noch drei Tage, dann werden ebendiese wieder länger .......

 





Mittwoch, 14. Dezember 2022

Dezember Update

Nachdem ich einen "Anschiss" bekommen habe, wegen meiner Schreibfaulheit, gelobe ich hiermit Besserung. 

Was ist "gebacken" in Montreal? 

Das Klima ist hier ja immer eine wichtige Größe aufgrund der extremen Bedingungen. Quebec ist kein Land sondern "der Winter".

Ich war am letzten WE zur Abwechslung mal alleine am Chalet und habe - logisch - die totale Einsamkeit genossen. 

Es herrscht eine tolle "staade Zeit" Stimmung. Die Tage sind kurz und die Dunkelheit kommt früh. Die Seen frieren zu. Es gibt diese magische Atmosphäre der absoluten Stille. 


 

Der Schnee und somit der richtige Winter, kommt relativ spät dieses Jahr. Es gab auch noch keine extreme Kälte aber doch stetigen Frost. Wie gesagt, die Seen frieren zu und sollten somit prima zum Schlittschuhlaufen und Hockeyspielen geeignet sein. Das hängt immer davon ab, ob schon z.B. nasser Schnee liegt oder es mal regnet. Wenn die Seen ohne Schneebelag zufrieren sind die Eisflächen meistens sehr eben und gut. 

In Montreal hatte ich einen kurzen Besuch von meinem Kumpel Micha und ich könnte jetzt eigentlich in Belize bei 28 Grad auf einem Segelboot sitzen aber ich hatte zu viel im Büro zu tun. Micha ist gerade Tauchen in Mexiko und wollte dann von Belize nach Florida segeln. Aber das kann man ja mal nachholen, bei Gelegenheit.

Außerdem gedenke ich nach Weihnachten ein paar Tage im Chalet zu verbringen um total "runter zu fahren" und dann gehe ich mit Lili und Émile ein wenig Skifahren.  

Dann kommt ja schon fast wieder Sexten - was ich dieses Jahr mitmachen werden. Unser traditionelles Family Meeting in Südtirol. Ich freue mich schon drauf weil ich zwei Jahre "Entzug" hatte. Covid bedingt - mehr oder weniger. 

Die Flüge sind zwar nicht billig aber ich kann ja Bäume pflanzen und es ist halt DIE Gelegenheit um die ganze Rasselbande zu treffen.

Nach dem Skifahren ist übrigens vor dem Skifahren, d.h. nach Sexten gehen die Kids und meine Wenigkeit für ein paar Tage zum Massiv. 


Das ist relativ cool weil man von oben sozusagen in den St. Lorenz Fluss hineinfährt. Bei Sonnenschein fährt man praktisch "runter in das Meer". Der Fluss ist da schon gigantisch breit. Wir können da bei Freunden wohnen und die Kids können sich austoben während wir "Alten" eher Langlauf machen, denke ich. 

Ansonsten stehen bzw. standen bereits diverse Weihnachtsfeiern an und die Zeit vergeht wie im Flug. Der Wahnsinn. 

Quebec debattiert, wie immer seit gefühlt 100 Jahren, über Einwanderungsquoten und den Niedergang der Frankophonie. Die Russen kriegen in der Ukraine weiter mächtig "auf die Fresse" und die Kanadier waren besorgt über die Umsturzpläne in Deutschland. Außerdem hat man hier befürchtet, ihr hättet kein Gas mehr um zu Heizen und es gäbe keinen Strom mehr und ihr müsstet alle mit Holz heizen und Lagerfeuer schüren. Stimmt das? LOL.

Glaube ich nicht. Ein Kollege wollte neulich wissen "ob in Deutschland die Weihnachtsmärkte stattfinden würden" und ob die "Restaurants offen hätten"? Er plante eine weihnachtliche Reise von Straßburg, über Nürnberg, Dresden nach Berlin. 

Es ging ja wochenlang um nichts anderes als um die Energiepreise und den Füllstand der Gasspeicher in Deutschland. Dann kamen letzte Woche noch die Reichsbürger Vollidioten hinzu. Da macht sich der Rest der Welt schon Sorgen um Deutschland.  Laut ZEIT sind die Speicher zu 100% voll und der Gaspreis ist wieder unter dem Vorjahresniveau.

Zudem sollten 30 hirntote und bekloppte Reichsbürger ja noch keinen absoluten Umsturz hervorrufen dürfen. Ich kann da immer nur Haindling zitieren: "und von weitem seh ich schon, da kommt a Depp daher". 

Im Büro kriegen wir jede Menge Ukrainische Flüchtlinge und, dank Putler, erreichen wir dadurch unsere Zielvorgaben. Es sollte also keine Etatkürzungen geben da wir, u.a. aufgrund des Krieges, jede Menge Arbeit haben. Auch so ein bizarrer Nebeneffekt.

So, heute Abend geht es zum Fußball spielen, morgen noch mal Büro, dann Weihnachtsfeier und dann ist fast schon "Schicht im Schacht". Der Laden hat zwei Wochen zu und alle Kollegen und Kolleginnen können sich mal entspannen. Halleluja.

 

 


 


 

 

Sonntag, 20. November 2022

November in Quebec

Lili wollte Party machen und "brauchte" deshalb meine Wohnung. Das war natürlich eine "Einladung" um ins Chalet zu fahren. 

Montreal hatte schon die ersten paar cm Schnee abbekommen und ich dachte am Chalet wäre das ähnlich. Aber wie immer: der Unterschied zwischen Montreal und den Bergen ist unglaublich. 

0 Grad bei der Abfahrt in Montreal, -10 bei der Ankunft an der Hütte. 


Das Ende der "sogenannten" Zivilisation. Nach dem "schwarzen Ding" fängt die Wildnis an.




Die Innentemperatur bei der Ankunft betrug immerhin noch plus 2 Grad. Das ist schon mal gar nicht so schlecht. Ich musste noch nicht mal die Gas Heizung benutzen - es ging auch mit dem Ofen. Eine Stunde und ich war auf 18 Grad. Drei Stunden um es wirklich angenehm zu haben - ich hätte auch noch die Sauna aktivieren können - aber es war, irgendwie, nicht kalt genug. 

Meine Holzvorräte sind enorm, siehe Bild, - aber an einem wirklich krassen Wochenende lasse ich auch schon mal einen "Steer" Holz als Brennstoff durch. 

Ansonsten absolute Stille. Nichts rührt sich. Ein paar Tierspuren im Schnee. Meine "Nachbarin" und gute Freundin, Kristina, ca. 20 km entfernt, hat vor zwei Wochen Wölfe gesehen und gehört.

p.s. ohne gute Winterreifen oder 4-rad Antrieb hätte ich keine Chance gehabt - echt Winter da oben. Richtig.



Sonntag, 13. November 2022

Der Krieg und was Freiheit wirklich bedeutet


https://www.youtube.com/watch?v=peVTNYXK3AY 

Klar ist das westliche Sicht, aber halt doch keine reine Propaganda welche erzählte, beliebige Unwahrheit ist - Lüge also. Im Trumpschen Sinne die "alternativen Fakten".

Ich glaube immer noch an die freie Welt und unsere ethisch moralischen Werte. An die empirische Wahrheit also. 

Die Orks haben sich bei Kherson zurückgezogen und werden jetzt von den Himars beglückt. Es tut mir leid um die russischen und - logischerweise - ukrainischen Soldaten. Angeblich bis lang 100000 Tote und verletzte auf beiden Seiten. Unfassbar. 




Das erste Bild (NYT) ist die "neue" Rote Armee. Good luck boys.


Das zweite ist (NYT) die Realität.

Wie das ganze jetzt letztendlich ausgehen wird? Schaun mer mal. 


Aber, Slava Ukraini!!!!! Die freie Welt wird siegen.

 

 

 

 

Donnerstag, 3. November 2022

Ein Traum von Oktober

Wir haben ein - für die Jahreszeit - unglaubliches Wetter mit fast sommerlichen Temperaturen. 

Wie auch in Deutschland und Teilen Europas. Putler wird jeden Tag den Wetterbericht lesen und sich vor Wut in den kalten russischen Arsch beißen. 

Die Gasspeicher sind voll, vor der spanischen Küste stauen sich angeblich die Lieferschiffe für Flüssiggas, das Wetter ist prima, die Gaspreise fallen. Na also, so far so good. 

Kherson wird demnächst wieder Ukrainisch und dann geht es weiter Richtung Krim. Im Frühjahr ist der Spuk vorbei. Zumindest ist das die Meinung einiger ernst zu nehmenden militärischen Analysten. 

 

 



 

 



Montag, 17. Oktober 2022

120 Jahre Einsamkeit in Peru

 https://youtu.be/XHg8MTLFPx4

 https://youtu.be/TOcJBvUrbxk

 https://youtu.be/AaB4xWDSX5A

 

Eine kurze Doku über das Dorf und die Tiroler und Deutschen Auswanderer in Peru. Weil wir da vor ein paar Jahren mal mit dem Motorradl rumgedüst sind fand ich das ganz witzig. Zufällig auf Youtube gefunden.

p.s. im Gegensatz zur Vorhersage des jungen Deutschlehrers hatte ich den Eindruck, dass sowohl Pozuzo als auch Oxapampa durchaus prosperierten. Was Peruanische Verhältnisse anbelangt zumindest.  

Die Tiroler Vergangenheit war allerdings nur noch "folkloristisch" vorhanden und wurde lediglich noch von den "Alten" aufrechterhalten.


 

 

Dienstag, 11. Oktober 2022

Herbst

Auf dem Weg zum Kongress mit dem Team und insgesamt 200 Kollegen und Kolleginnen aus anderen Einrichtungen aus ganz Quebec. Inklusive "Pitstop" im  Biergarten am Saint Lorenz. Begnadet.



Die Zeit vergeht wie im Flug. Vor zwei Wochen war "Kaddls" Pottler in Town, dann war eine Hammer Hochzeitsparty mit meinen alten Fußballkumpels und dann war "Fortbildung". 

D.h. der "Kongress" tanzt. Sprichwörtlich. Knapp 1000 km mit dem "Motorradl" (hin und zurück), zusammen mit einem super Kollegen welcher ebenfalls Motorrad fährt, bei unglaublich tollen Wetter. Gute Gespräche am Feuer bei Sonnenuntergang. Ein fantastisches Team, super Kollegen und ein geiles Ambiente. Der Job darf ja auch mal Spaß machen, oder? Macht "er" ja eh meistens aber diese Momente machen halt den kleinen Unterschied.


Dann war da noch ein langes "kanadisches" Wochenende und ich habe fast 5 Tage oben am See in der Hütte verbracht und drei komplette Ausgaben der Zeit gelesen. Dazu noch ausgedehnte Waldspaziergänge unternommen und selbst wenn der geisteskranke, wahnsinnige MOFO Looser aus Moskau einen Nuklearschlag ausgeübt hätte, hätte ich es höchstwahrscheinlich noch nicht mal mitbekommen.