Montreal erstickt im Müll und ist einfach nur unfaßbar dreckig. Wenn der Schnee schmilzt kommt die Scheiße raus. Zitat Rudi Assauer. Schalke 04!! Gelsenkirchen. Falls ich mich recht entsinne.
Wo der Rudi recht hatte, hat er recht. Aber nicht bei uns, nicht in der Rue Cartier. Hier ist alles blitz blank. Spick and span - wie man im Englischen sagt. Extra sauber.
Drei Stunden "Arbeit" am Samstag Vormittag, ca. 30 Anwohner, Nachbarn und Freunde sind gemeinsam am saubermachen.
Danach ist die gesamte Ruelle, Backalley komplett blitz und blank. Total sauber und es liegt aber auch schon kein "Fitzelchen" Dreck oder Abfall mehr rum. Mit ein bißchen Engagement und ein bißchen gemeinsamer Arbeit wird die gesamte Straße vom Staub und vom Müll entfernt.
Dabei lernt man dann noch die neuen Nachbarn kennen und am Nachmittag gibt es Freibier für Alle. So kann Nachbarschaftshilfe und zivile Zusammenarbeit aussehen.
Es könnte alles so einfach sein.
Nach dem "kollektiven" Frühjahrsputz am Samstag morgen bin ich ins Chalet gefahren.
Am Chalet und speziell am Riviere Rouge kommen im Moment Wassermassen runter, das glaubt man nicht. Hammermäßig. Ein paar wahnsinnige Surfer gehen mit ihren Surfboards echt in diese stehenden Wellen. Hammer.
Zudem war es - kein Witz - sommerlich warm. Heiß. Ich war tatsächlich im See schwimmen. Es hatte - gefühlt - 30 Grad. Ich konnte nicht widerstehen und bin tatsächlich mal kurz im See geschwommen.
Es ist wie eigentlich immer: erst ist da dieser endlose, kalte, unwirtliche Winter, dann ist eine Woche Frühling und dann wird es hier - gefühlt - Sommer. Die Terrassen und Biergärten sind auf - alle Welt ist draußen. Der Winter ist endgültig besiegt.
Es gibt Leser dieses Blogs, welche mich der "Schreibfaulheit" bezichtigen. LOL.😂
Weil ich nicht mehr Einträge schreibe. Also gut. Von mir aus. For "what its's worth".
Wo soll ich anfangen?
Manche Menschen machen Yoga, gehen in die Sauna, hören Podcasts, lesen Bücher, gehen Spazieren, trinken Bier oder machen sonst was um "runter zu kommen" und um zur Ruhe zu kommen und um nach zu denken oder auch zu meditieren.
Bei mir ist das so, dass ich das, nicht immer, aber oft, mit dem Motorrad mache. Ich bin dann auf dieser "Beschleunigungsmaschine", muss 100% fokussiert sein, habe einen Helm auf (das ist dann mein Universum) und bin, in der Regel, in meiner kleinen, dann komplett fokussierten Welt. Denn JEDES sich bewegende Teil außerhalb dieses Mikrokosmos will dich "töten" und ist "dein Feind". Das Fokussiert enorm. Ob ich dann Schuld bin oder nicht, oder der oder die Andere, das spielt keine Rolle mehr, denn ich bin dann tot.
Jeder Motorradfahrer weiß das. Die, die es nicht wissen, oder nicht wussten, sind tot oder aber haben und hatten extrem viel Glück. In der Regel. Die Freeclimber auch. Die Scubadiver auch. Und dann noch jede Menge anderer Sportarten - insofern man Motorradfahren als Sport bezeichnen will.
In weiten Teilen Afrikas, Südamerika und in Asien sind Motorräder letztlich nur billige Transportmittel und es gibt keine bezahlbare Alternative. Ein Motorrad ist nur in der westlichen Hemisphäre ein Luxus Symbol. Ansonsten sind die Dinger oft einfach nur das billigste und effektivste Transportmittel für einen Großteil der Welt.
Zurück zum Eingangsgedanken:
Quebec hatte einen harten Winter. Ich lebe hier seit knapp 30 Jahren, aber das war ein langer Winter. 5 Monate im Minusbereich. Jede Menge Schnee. Es war wirklich kalt und sehr lang.
Die Seen sind immer noch solide zugefroren. Siehe Bild von heute morgen. Übermorgen soll es, hoffentlich ein letztes mal, Nachtfrost geben und dann geht noch ein bisschen "rauf und runter" und dann ist Sommer. Wie ich schon oft angemerkt habe bricht das Eis im "Norden" nicht und niemals vor Ende April. Das ist nichts Neues.
Aber: die letzten zwei Tage hatten wir hier einen gefühlten Zweitagessommer. Zwei Tage mit 22 bis 25 Grad - gefühlt 28 oder auch 30. Wir sind ja relativ weit im Süden mit "italienischer Sonne".
Es ist wirklich unglaublich, aber selbst um 20 Uhr am Abend sind alle Fenster und Türen offen und es hat ca. 20 Grad plus Celsius. Südliche Winde haben Warmluft nach Quebec "verfrachtet".
Emile und ich konnten gestern wirklich nicht mehr Widerstehen und haben die Bikes rausgeholt. Und ab die Post!!!
Das Wetter war schweinegeil. 5 Monate leben wir in der Tiefkühltruhe und dann ist auf einmal Sommer. Nur cool.
Soweit dazu. Jetzt zum nachdenken. Mir ist auf der Rückfahrt durch die sonnigen Laurentiens, bei meiner "Motorrad Meditation", folgendes durch den Kopf gegangen:
a) Hätte der Idiot Putin nicht diesen stupiden und unsäglichen Krieg mit der Invasion der Ukraine angefangen, unter deutlicher Fehleinschätzung der Gegenwehr der Ukraine und des "Westens", dann hätte er jetzt die gesamte Krim und möglicherweise Teile des Donbas. Letzteres als neutrale "russisch - ukrainische Pufferzone". Die russische Wirtschaft würde florieren weil Europa nach wie vor sein billiges Gas und sein Öl kaufen würde. Die russischen Oligarchen würden noch reicher und korrupter werden und alles wäre "Fried, Freude, Eierkuchen". Deutschland im speziellen wäre sehr antiamerikanisch und relativ "russophile". Finnland und Schweden wären neutral und Schröder könnte sich - nach wie vor - seine korrupten Taschen mit Geld von Gazprom füllen.
b) Hätte Kamela Harris die Wahl gewonnen und wäre Präsidentin der USA dann gäbe es jetzt höchstwahrscheinlich keinen Krieg im nahen Osten, die Israelis würden nicht Amok laufen, die Preise wären niedrig, die Inflation wäre im Griff und die Wirtschaft würde laufen. Erneuerbare Energie würde auch in den USA gefördert werden, die NATO wäre stark und die transatlantischen Beziehungen ausgezeichnet. Carney wäre möglicherweise nicht an der kanadischen Regierung sondern - leider - die Konservativen. Die Welt wäre womöglich relativ stabil und könnte sich global dem Kampf gegen den Klimawandel und der Beseitigung der weltweiten Armut widmen.
Hätte. Konjunktiv. Stattdessen tobt der Wahnsinn. Dabei könnte das Leben auf diesem Planeten doch so einfach, angenehm und schön sein. Könnte.
Es
gibt nicht viele solcher Abende, solcher Nächte im Leben eines
Menschen: Ungarn hat sich über Nacht von einem Land des Misstrauens und
des Hasses in ein Land der Hoffnung verwandelt.
Gastbeitrag von Gábor Schein
Autos
hupen, Feuerwerkskörper leuchten am Himmel, Fahnen wehen. Leute, die
einander nicht kennen, armen sich um und lachen zusammen, als kannten
sie einander seit einer Ewigkeit. Von allen Seiten ertönen erleichterte,
überglückliche Rufe: Es ist vorbei!
Während
des Tags war es noch nicht so heiter. Die Sonne tauchte die Hauswände
in wunderschönes Frühlingslicht, doch niemand wagte es wirklich, an den
Frühling zu glauben. Familien und Paare unterhielten sich leise und
behutsam, wobei sie sich zueinander drehten, damit niemand mitbekam,
worüber sie sprachen. Wer die Stadt kennt, bemerkte dennoch, dass etwas
im Gange war, ja vielleicht sogar schon geschehen war.
Gábor
Schein, Jahrgang 1969, gehört zu den wichtigsten Schriftstellern
Ungarns nach 1989. Er ist Professor am Institut für Ungarische
Literaturgeschichte an der Eötvös Loránd Universität in Budapest. Lenke/Lenke
Budapest
ist eine ironische Stadt, die Schwester Wiens. Die geistige
Unabhängigkeit, deren zahlreiche Helden ich kennenlernen durfte, verband
sich hier mit Humor, Ironie und unerschütterlichen Reflexionen. Hier
passte es nie, streng oder heilig zu sein; in den verschiedenen
Subkulturen der Außenseiter herrschte mörderische Ironie. Die
Fidesz-Partei von Viktor Orbán
brachte etwas anderes mit, eine fremde Mentalität, für die es weder in
Budapest noch auf dem Land Vorläufer gab. Der als christlich und
nationalistisch getarnte Zynismus, die Arroganz, die maßlose und
schlichte Gewalttätigkeit feudaler Verachtung und neofaschistischer
Machtübung herrschten 16 Jahre lang.
Orbán und seine Leute haben uns unsere Sprache geraubt, in der wir miteinander hätten sprechen können
Viele
sind ihre eigenen kleinen oder größeren Kompromisse eingegangen, die
anfangs vielleicht pragmatisch erschienen, sich aber letztlich als
verhängnisvoll erwiesen. Ungarn
wurde zu einem Versuchslabor für illiberale Machtausübung, das zunächst
nur in der mitteleuropäischen Region, später aber auch in Westeuropa
und den Vereinigten Staaten Nachahmer fand. Als einige von uns zum
ersten Mal darüber sprachen, wollte uns niemand glauben. Das ist
übertrieben, ihr seht Gespenster. Dann war es schon zu spät.
Orbán
und seine Leute haben uns unsere Sprache geraubt, in der wir
miteinander hätten sprechen können wie freie, denkende, großmütige
Menschen, die auf dem Boden der gemeinsamen Realität stehen. Sie haben
die Moral des Landes untergraben. Sie haben die Korruption zu einem
unumgänglichen System gemacht, und die Vorstellung, man könne ehrlich
arbeiten, war nur noch eine Don-Quijote-artige Illusion. Schließlich
haben sie die Hälfte des Landes gegen die Ukraine aufgebracht, ein Land,
das gegen die Aggression aus Russland um sein Leben kämpft, so wie es
Ungarn 1956 getan hat.
Erdrutschsieg der Opposition in Ungarn
:„Machen wir eine große ungarische Party“
Nach
16 Jahren muss Orbán seine Macht abgeben. Die Tisza-Partei von
Wahlsieger Magyar kann wohl mit einer Zweidrittelmehrheit rechnen –
genug, um den Abbau der Rechtsstaatlichkeit rückgängig zu machen.
Die
Ungarn wussten schon immer genau, was aus Russland kommt. Von dort
kommen byzantinische Lügen, Kolonialherrschaft und der Tod, doch Orbán
hat es geschafft, dass sie das vergessen haben. Lange Zeit, viel zu
lange, lebte das Land in tiefer Apathie, und nicht selten wurden es von
seinen Besten verraten. Orbán und seine Leute haben die Niedertracht zur
Moral gemacht, die Lüge zur Wahrheit, das Unwahre zur Realität. Der
Spott und die Verachtung in ihren Blicken sowie die scheinbar
unüberwindliche Verhärtung in ihren Worten stellten selbst die stärksten
Seelen auf eine harte Probe. Du bist schwach, sagten sie, niemand steht
dir bei, es gibt keine Hoffnung. Als Trump zum zweiten Mal Präsident
der Vereinigten Staaten wurde, als er und Putin zu zweit begannen, die
Welt zu bestimmen, schien wirklich alle Hoffnung verloren.
Orbán
und seine Leute haben die Verfassung geändert, darin festgelegt, wer
was wert ist, sie haben die Gerichte, die Presse und den Großteil der
ungarischen Wirtschaft unter ihre Kontrolle gebracht, den Geheimdienst
für Parteizwecke missbraucht, und sie haben versucht, jeden zum
Schweigen zu bringen, der nicht ihre Meinung wiederholte. Sie benutzten
die Namen von Brüssel und der EU als Schimpfwörter, während sie das Land
in jeder Hinsicht Putin auslieferten. Im letzten Moment erfuhren wir
auch, dass Orbán und sein Außenminister, die falschen Ritter der
Souveränität, mit Putin und Lawrow sprachen wie ein Underdog mit dem
Mafiaboss, und wir sahen Viktor Orbán auf der Seite des Vize-Präsidenten
der USA.
Und
damit ist es nun vorbei! Das ist vor allem den Studierenden und den
Erstwählern zu verdanken. Seit drei, vier Jahren spüre ich, wenn ich an
die Universität gehe, um mit ihnen über Literatur zu sprechen, dass
diese jungen Menschen anders sind, denn selbst inmitten tiefster
Ratlosigkeit können sie zwischen Wahrheit und Lüge, Aufrichtigkeit und
Manipulation unterscheiden.
Zwischen wahr und falsch kann auch die Dunkelheit den Unterschied nicht auslösche
Dass
sich die Welt von Orbán dem Ende nähert, zeigte sich deutlich auch
daran, dass diejenigen, die bis zum vorletzten Moment Nutznießer seines
Regimes waren, plötzlich den Vorkämpfer des Widerstands in sich
entdeckten. Am schmerzhaftesten ist der zerstörerische Zynismus dieser
Menschen, mit dem sie gerade die Unterschiede auslöschen wollen. „Im
Dunkeln ist jede Kuh schwarz“, lautet ein bekanntes ungarisches
Sprichwort. Nein, zwischen wahr und falsch kann auch die Dunkelheit den
Unterschied nicht auslöschen, und wir müssen diesen Unterschied hüten
wie unseren Augapfel.
So
sind wir zu diesem Abend, zu dieser Nacht gelangt, in der die Straßen
von Freude erfüllt waren von der Freude der Befreiung. Es gibt nicht
viele solcher Abende, solcher Nächte im Leben eines Menschen. Es kommt
selten vor, dass man sich mit klarem Verstand bewusst ist, was man
gerade erlebt: den historischen Moment einer Nation. Ein Moment, der die
Chance auf eine Wiedergeburt der politischen Gemeinschaft bietet.
Debatte
:Ungarn? Trinken und auf Handys starren
Viktor
Orbán und seine Leute reden ständig von nationaler Kultur. Aber was das
ist, außer Wurst und Paprika, weiß kaum noch jemand. Selbst wenn der
Premier nicht noch eine Wahl gewinnt: Was zerstört ist, wird schwer
wieder aufzubauen sein.
Wir
wissen, dass das, was vor uns liegt, sehr schwer sein wird. Wir wissen,
dass die eigentliche Arbeit noch vor uns liegt, wir wissen, dass viele
alles tun werden, damit dies nicht gelingt. Wir wissen auch, dass diese
16 Jahre unauslöschliche Zerstörung in den Seelen und in den Beziehungen
zwischen den Menschen angerichtet haben. Wir wissen, dass Orbán und
seine Leute alles geraubt haben, was sich bewegen lässt, dass ein
Großteil des Landes in unvorstellbarer Armut lebt, dass die Menschen
schutzlos und ausgeliefert sind; wir wissen, dass es in weiten Teilen
des Landes keine medizinische Versorgung gibt und dass den Kindern in
den Schulen vielerorts schändlicher Unsinn eingetrichtert wird. Doch
Ungarn hat sich über Nacht von einem Land des Misstrauens und des Hasses
in ein Land der Hoffnung verwandelt.
Wer
in dieser Nacht durch die Straßen von Budapest und anderen Städten des
Landes ging und den Menschen in die Augen sah, hätte glauben können,
Ungarn habe die Fußballweltmeisterschaft gewonnen. Nein, so etwas ist
natürlich nicht passiert. Denn was passiert ist, ist viel mehr als das.
Das Land hat seine Würde, sein Selbstwertgefühl und seine Zukunft
zurückgewonnen. Die Hoffnungslosigkeit war bereits so groß, dass selbst
die Mutigsten kaum noch daran glaubten. Dazu brauchte es einen Menschen,
Péter Magyar,
der anfangs sicherlich selbst nicht wusste, was seine Worte für viele
bedeuten würden. Was bedeutet es, dass er seine Fehler nicht
verschleiert, sondern zu ehrlicher Rede fähig ist?
Und
es bedurfte noch etwas. Den letzten Anstoß zum Zusammenbruch des
Orbán-Regimes gab die Enthüllung um den Missbrauch, der mit den
Schutzlosesten geschieht, mit den Kindern in staatlicher Obhut. Mit
jenen Kindern, die niemand wollte. Und es stellte sich heraus, dass auch
sie für dieses Land wichtig sind, die Niemands-Kinder, die
Niemand-Rosen.
Wenn
bis gestern die Infektion des Illiberalismus von Ungarn ausging, so
hoffe ich, dass dieses Land ab morgen für viele, die wieder den Boden
der Realität und der Wahrheit unter ihren Füßen spüren möchten, zum
Träger der Hoffnung wird. Klingt das naiv? Vielleicht ja. Aber selbst
die raffinierten russischen Geheimdienste waren nicht stärker als
diejenigen, die nun auf den Straßen feiern durften. Denn sie, sie hatten
zunächst nichts. Nichts außer der Gewissheit, dass sie so nicht leben
wollen. Das reichte für gestern. Jetzt müssen wir viel, sehr viel
arbeiten, damit uns die Lüge nicht mehr ins Gesicht lachen kann.
Ein Vergleich der Lebensqualität zwischen Québec und Franken (Bayern) ist spannend – beide Regionen sind sich sogar in manchem überraschend ähnlich, unterscheiden sich aber im Alltag deutlich. Hier ist eine klare, realistische Gegenüberstellung:
🧭 Grundsätzliches
Québec (v. a. Montréal / Québec City): nordamerikanisch geprägt, frankophon, etwas „europäischer“ als Rest Kanadas
Franken (Teil von Bayern, z. B. Nürnberg): typisch deutsch, stark industrialisiert, sehr stabil
Beide gelten als wirtschaftlich starke Regionen mit eigener kultureller Identität
💰 Einkommen & Wirtschaft
Franken / Bayern
Sehr starke Wirtschaft, niedrige Arbeitslosigkeit (~3–4 %)
Höhere Durchschnittslöhne als Québec
Sehr stabile Karrierewege (Industrie, Mittelstand)
Mit der hiesigen Infrastruktur ist das so eine Sache. Die Straßen in Montreal und Umgebung verdienen diesen Namen eigentlich nicht mehr wirklich. Es sieht eher so aus als hätten die Russen das Land mit einer Million Drohnen angegriffen und deswegen sind überall gigantische Krater entstanden.
Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, was Gott sei Dank, sehr selten vorkommt, dann muß ich im Moment echt mehr darauf achten wo die Löcher bzw. Krater sind denn ansonsten haut es mir irgendwann mal alles auseinander. Neulich hieß es mal, dass es in Montreal für bestimmte Modelle keine Felgen mehr gäbe weil soviel davon kaputt gegangen sind.
Obwohl wir gigantische Grundsteuern zahlen (kleines Beispiel: für unser Haus laufen pro Jahr ca. 7000 $ auf und da kommt noch die "Schulsteuer" von ca. 3000 $ dazu, d.h. es gibt schon mal ca. 10000 $ an jährlicher Grundsteuerbelastung) ist die Stadt scheinbar nicht in der Lage adäquat zu investieren.
Das ganze läßt sich dann auch auf das Gesundheitswesen anwenden - d.h. sauteuer und de facto nicht existierend. Ich frage mich häufig, wo wohl die ganze Kohle hingeht?
Die U-Bahn ist mittlerweile zu einer offenen Anstalt für psychisch kranke Menschen geworden. Es ist wirklich erschreckend und ich kenne jede Menge Bekannte welche keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr benutzen wollen weil sie sich schlicht nicht mehr sicher fühlen.
Ich gehe auf meinem täglichen Weg zur Arbeit jeden Tag an etlichen am Boden liegenden Gestalten vorbei und was die sanitären Umstände angeht will ich mal lieber nicht in Details gehen. Ich bin ja von Natur aus ein Grundsatzoptimist aber ganz subjektiv beobachte ich im Moment eine gnadenlose Verschlechterung was Obdachlosigkeit oder psychische Erkrankungen anbelangt.
Selbst im Büro muss ich jetzt wieder einen - sogenannten - Panikschalter einbauen lassen damit meine Leute - im Falle eines Falles - den Alarm auf der nächsten Polizeistation auslösen können.
Wie könnten Lösungsansätze aussehen? Schwer zu sagen. Ein Dach über dem Kopf als erstes - mit Containersiedlungen z.B.. Dachau bringt 1100 Asylsuchende in so einem Containerdorf unter und das sah recht ordentlich aus. Als Übergangslösung.
Dann bräuchte es natürlich betreuende Unterstützung (Sozialarbeiter/innen) und medizinisch - psychologische Dienste. Das kostet allerdings ein Schweinegeld - deswegen glaube ich, lässt man die Obdachlosen hier lieber in Zeltlagern, in Notunterkünften oder in der U-Bahn vor sich hin vegetieren.
Mein Nachbar und guter Freund Bruce arbeitet als Arzt im Krankenhaus und berichtet mir auch immer von absoluten Horrorstories.
Am Samstag sind wir mal so durch ein mir relativ fremdes Stadtviertel "gelatscht" und da gab es auch ein paar architektonische Highlights.
Manchmal erinnert mich das an Berlin Kreuzberg in den 80er Jahren.
Witzigerweise bin ich, nach dem ich diesen Blogeintrag geschrieben habe, bin ich auf einen Artikel in 'La Presse' - der frankophonen Zeitung in Québec gestoßen:
Der Journalist, Patrick Lagacé, ist renommiert und schreibt, in der Regel, hervorragende Kommentare und Kolumnen. In diesem Fall beschreibt er exakt und zu 100% was ich auch glaube zu beobachten.
Quebec fällt in Trümmer und wird zu einer einzigen absoluten Ruine. Krankenhäuser, Schulen, Infrastruktur wie Straßen und Brücken und die Gesellschaft als ganzes. In Japan hatte ich eine ähnliche Beobachtung, u.a. aufgrund der demografischen Bedingungen, also der Überalterung der Gesellschaft. Eine "alte Gesellschaft" bedeutet automatisch mehr Bedarf an medizinischer Versorgung. Es sind weniger Menschen in Arbeit welche Steuern zahlen. Mehr Menschen beziehen Rente und sind auf staatliche Leistungen angewiesen. Ein Teufelskreis.
Apropos, jetzt mal ganz was anderes:
während 4 Menschen um den Mond fliegen bzw. hin- und hoffentlich auch wieder zurück, überqueren zwei meiner Kumpels den Atlantik im Segelboot.
Micha (Diehl) und "der Käptn" überqueren gerade den Atlantik in der Nussschale. Auf dem Weg von Gibraltar nach Brasilien. Der Wahnsinn.
Als ich vor ca. 29 Jahren nach Quebec kam bin ich mit einer gewissen europäischen "Wetter Arroganz" angekommen und dachte zuerst: "na ja, ich komme aus Oberfranken, mit harten Wintern, mit Schnee und manchmal Eis, was soll das ganze Jammern hier zwengs Wetter und Winter und so". Wir hatten in unserer Kindheit auch harte Winter am Reisighof. Es gab anfänglich keine Heizung in unseren Schlafzimmern. Wir Kinder am Reisighof mußten jeden Tag bei jedem Wetter mindestens ein bis zwei km laufen um zum Schulbus zu kommen. Wir sind Ski gefahren und waren im Fichtelgebirge und in den Alpen. Wir hatten manchmal Ostströmung am Reisighof und dann kam sibirische Kälte. Oder auch skandinavische Einbrüche aus Norden. Das war auch kalt.
Aber der Golfstrom auf der einen Seite und die Alpen oder z.B. der Kaukasus auf der Anderen sind natürliche Barrieren in Europa. Meistens kommt das Wetter am Reisighof ja von Westen, d.h. vom Atlantik und das ist dann, in der Regel, eher mild. Manchmal leider auch wechselhaft und nass. Aber eben Golfstrom.
In Montreal bzw. in weiten Teilen Quebecs ist es so, dass meistens der Jet Stream bläst. Das heißt, die Wind- und Wetterströmungen kommen in der Regel aus Westen. Aus den Präries. Im Winter nimmt diese Strömung dann häufig viel Feuchtigkeit auf und zwar über den großen Seen - der sogenannte 'Lake Effect' - und dann kommt es im St. Lorenz Becken oft zu heftigen Niederschlägen, mal als Schnee oder aber auch als Regen im Sommer. Deswegen gibt es auch - im Durchschnitt - ca. 200 cm Niederschlag als Schnee pro Winter.
Natürliche Barrieren oder mildernde Einflüße wie den Golfstrom gibt es dabei keine. Auch nicht nach Norden zur Arktis hin bzw. nach Süden.
Und das ist das Problem. D.h. es kann extreme Ausschläge in die Eine oder aber auch in die andere Richtung geben. Ich habe es einmal erlebt, dass am Chalet die Temperatur von ca. plus 12 auf minus 25 gefallen ist - innerhalb von drei Stunden. 37 Grad Temperaturunterschied in kürzester Zeit. Unvorstellbar für mitteleuropäische Verhältnisse. Mein persönlicher Allzeit Minusrekord sind reguläre minus 36 Grad (Celsius).
Und dann kommt noch der entscheidende Faktor dazu: der Wind.
Windchill.
Der Windchill hat mich gelehrt niemals ohne Mütze oder adäquate Klamotten aus dem Haus zu gehen. Niemals.
Außerdem gibt es Momente wo man, bei entsprechenden Minustemperaturen und dem entsprechenden Windchill, innherhalb von Minuten oberflächliche Erfrierungen auf der Haut bekommen könnte. Man kann es wirklich nicht vergleichen. So eine aggressive Kälte würde man in Deutschland oder auch in Mitteleuropa kaum erleben. Außer im Hochgebirge oder im Norden Skandinaviens - oder in Osteuropa vielleicht.
Wenn also Kälte, Feuchtigkeit UND der Wind zusammen kommen, dann wird es eng.
Warum schreibe ich das? Weil bei Schwesterchen in Schönberg die Blümchen blühen und sie uns vom Frühling erzählt während ich noch auf dem total gefrorenen See Langlauf mache. Die Oberfläche war, nach nächtlichen Frost, super hart und ich konnte eigentlich fast skaten. Das Eis bricht niemals vor Ende April.
Am Samstag war ich mit den Kids noch beim Skifahren in den Laurentides - u.a. mit Blick auf den Mont Tremblant und am Dienstag war der Kurzeinsatz am Chalet inklusive Langlauf und Schneeschuh Tour in der Wildnis. Am Ende des Winters muss ich immer mal nach "dem Rechten" sehen und überprüfen ob die Hütte den Winter überstanden hat - was auch der Fall war.
Laut Wetterbericht gibt es aber Hoffnung, dass wir über Ostern die Motorräder rausholen können. Hoffentlich ist der Winter dann wirklich vorbei. Es langt. 5 Monate sind genug. LOL.
Jedenfalls noch nicht. Wir hatten einen guten Schneesturm mit bis zu 30 cm Neuschnee und ich denke wir können am kommenden Wochenende nochmal recht ordentlich zum Skifahren gehen.
Nach dem Skifahren ist vor dem Skifahren. Nach dem spektakulären Trip in die Dolomiten geht es erstmal zurück nach Franken und dann back to "business" in Montreal. Da sollte es noch ca. 4 Wochen winterlich bleiben. Joanne befindet sich bei ihrer Tochter an der James Bay bei -38 Grad (minus, wie gesagt).
Was für ein krasser Gegensatz zu den heutigen 18 Grad in Südtirol. Unglaublich.
Nur Sonne pur, kein Wölkchen weit und breit. Keine Anstellzeiten und es war nichts los auf den Pisten. Einfach nur genial. Das Ganze gepart mit teilweise fast "sommerliche Temperaturen" am späten Nachmittag. Unfaßbar.
Langlauf im Fischleintal und ansonsen "Ski Total" auf top präparierten Pisten.
Zich Sprachen in der Gondel oder auf der Hütte. Holländisch, Deutsch, Italienisch, Ladinisch, Französisch, Tschechisch, Slovenisch, Polnisch, Englisch, usw.. Einfach nur cool - lang Lebe Europa und die europäische Kultur der Völkerverständigung.
Auf der Schattenseite der Geschichte: das Weizenbier auf der Lärche (für die Connaisseure unter uns) kostet jetzt 6,20 Euro - das ist ein Wort. LOL!
Speaking of which: 0,5 Promillegrenze und Helmpflicht auf den Pisten. Das wird Eng. Wobei die Definiton was jetzt genau ein Skihelm ist noch nicht so ganz klar ist. LOL. Ich saß im Lift neben einem älteren Ehepaar und er Mann hatte einen Radhelm auf. Cool.
Ich habe auch eine Pistensperrung erlebt weil der Hubschrauber eine gestürzte Person abtransportieren mußte. Aber das kommt jedes Jahr vor - vollkommen normal. Wir gehen halt auch ein gewisses Risiko ein beim Skifahren.
es hat schier unglaubliche Schneemassen am Chalet und am See. Geschätzte 110 cm flächendeckend. Also mußte ich das komplette Vordach von der weißen Pracht befreien denn sonst wäre das Ding schon wieder zusammengebrochen.
Joanne hat zwei komplette Tage geschaufelt um einen Teil vom Balkon wieder frei zu bekommen.
Ohne Schneeschuhe oder Ski kommst du keinen Meter weit.