Als ich vor ca. 29 Jahren nach Quebec kam bin ich mit einer gewissen europäischen "Wetter Arroganz" angekommen und dachte zuerst: "na ja, ich komme aus Oberfranken, mit harten Wintern, mit Schnee und manchmal Eis, was soll das ganze Jammern hier zwengs Wetter und Winter und so". Wir hatten in unserer Kindheit auch harte Winter am Reisighof. Es gab anfänglich keine Heizung in unseren Schlafzimmern. Wir Kinder am Reisighof mußten jeden Tag bei jedem Wetter mindestens ein bis zwei km laufen um zum Schulbus zu kommen. Wir sind Ski gefahren und waren im Fichtelgebirge und in den Alpen. Wir hatten manchmal Ostströmung am Reisighof und dann kam sibirische Kälte. Oder auch skandinavische Einbrüche aus Norden. Das war auch kalt.
Aber der Golfstrom auf der einen Seite und die Alpen oder z.B. der Kaukasus auf der Anderen sind natürliche Barrieren in Europa. Meistens kommt das Wetter am Reisighof ja von Westen, d.h. vom Atlantik und das ist dann, in der Regel, eher mild. Manchmal leider auch wechselhaft und nass. Aber eben Golfstrom.
In Montreal bzw. in weiten Teilen Quebecs ist es so, dass meistens der Jet Stream bläst. Das heißt, die Wind- und Wetterströmungen kommen in der Regel aus Westen. Aus den Präries. Im Winter nimmt diese Strömung dann häufig viel Feuchtigkeit auf und zwar über den großen Seen - der sogenannte 'Lake Effect' - und dann kommt es im St. Lorenz Becken oft zu heftigen Niederschlägen, mal als Schnee oder aber auch als Regen im Sommer. Deswegen gibt es auch - im Durchschnitt - ca. 200 cm Niederschlag als Schnee pro Winter.
Natürliche Barrieren oder mildernde Einflüße wie den Golfstrom gibt es dabei keine. Auch nicht nach Norden zur Arktis hin bzw. nach Süden.
Und das ist das Problem. D.h. es kann extreme Ausschläge in die Eine oder aber auch in die andere Richtung geben. Ich habe es einmal erlebt, dass am Chalet die Temperatur von ca. plus 12 auf minus 25 gefallen ist - innerhalb von drei Stunden. 37 Grad Temperaturunterschied in kürzester Zeit. Unvorstellbar für mitteleuropäische Verhältnisse. Mein persönlicher Allzeit Minusrekord sind reguläre minus 36 Grad (Celsius).
Und dann kommt noch der entscheidende Faktor dazu: der Wind.
Windchill.
Der Windchill hat mich gelehrt niemals ohne Mütze oder adäquate Klamotten aus dem Haus zu gehen. Niemals.
Außerdem gibt es Momente wo man, bei entsprechenden Minustemperaturen und dem entsprechenden Windchill, innherhalb von Minuten oberflächliche Erfrierungen auf der Haut bekommen könnte. Man kann es wirklich nicht vergleichen. So eine aggressive Kälte würde man in Deutschland oder auch in Mitteleuropa kaum erleben. Außer im Hochgebirge oder im Norden Skandinaviens - oder in Osteuropa vielleicht.
Wenn also Kälte, Feuchtigkeit UND der Wind zusammen kommen, dann wird es eng.
Warum schreibe ich das? Weil bei Schwesterchen in Schönberg die Blümchen blühen und sie uns vom Frühling erzählt während ich noch auf dem total gefrorenen See Langlauf mache. Die Oberfläche war, nach nächtlichen Frost, super hart und ich konnte eigentlich fast skaten. Das Eis bricht niemals vor Ende April.
Am Samstag war ich mit den Kids noch beim Skifahren in den Laurentides - u.a. mit Blick auf den Mont Tremblant und am Dienstag war der Kurzeinsatz am Chalet inklusive Langlauf und Schneeschuh Tour in der Wildnis. Am Ende des Winters muss ich immer mal nach "dem Rechten" sehen und überprüfen ob die Hütte den Winter überstanden hat - was auch der Fall war.
Laut Wetterbericht gibt es aber Hoffnung, dass wir über Ostern die Motorräder rausholen können. Hoffentlich ist der Winter dann wirklich vorbei. Es langt. 5 Monate sind genug. LOL.







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