Montag, 1. August 2011

Infrastruktur in Montréal und Québec

Über den katastrophalen Zustand der hiesigen Infrastruktur habe ich mich ja, glaube ich, schon mal ausgelassen. Die Betonstrukturen der 60er und 70er Jahre zerfallen sichtbar, zusehends und öffentlich. Von weitem und auf Bildern sieht das oft noch ganz nett aus - z.B. das Olympiastadion mit angrenzenden Installationen - aber aus der Nähe betrachtet ist es ein Desaster. Ich bin da vor zwei Jahren mal mit Emile auf dem Fahrrad rumgedüst und aus der Nähe betrachtet sieht man, sprichwörtlich, wie alles zerfällt und der "Putz" ab ist. Manchmal auch ein bißchen mehr siehe nachstehendes Bild aus La Presse von heute morgen:
an dieser Stelle fahre ich normalerweise jeden Tag mit dem Motorrad durch um auf die Arbeit zu gehen. In diesem Falle, nach Hause, also fast jeden Nachmittag. Ich habe schon öfters mal nach oben geguckt da die Betonstruktur extrem "angenagt" aussieht und auch schon seit Jahren immer ein bißchen darum herumgedoktert wird. Da fühlte ich mich immer schon ein bißchen unwohl. Ich dachte mir immer, "was, wenn da mal so ein Brocken Beton runterkommt." Bei km 90 auf dem Motorrad höchstwahrscheinlich tödlich. Gestern ist es dann passiert:


Glücklicherweise an einem Sonntag morgen mit ganz wenig Verkehr. Es sind ca 25 Tonnen Beton auf die Strasse gefallen. Vor zwei Jahren ist schon mal eine vielbefahrene Autobahnbrücke eingestürzt, mehrere Brücken sind aktuell gesperrt und Downtown wurden letztes Jahr zwei Menschen beim Abendessen von einem herabstürzenden Balkon erschlagen. Einstürzende Neubauten kann ich da nur sagen. Da werden wohl mal wieder ein paar Milliarden fließen müssen. Mal sehen, woher die klammen Jungs und Mädels, die hier kriegen. Oder wir laufen halt alle - ist eh besser.

Da ich den Tunnel praktisch von April bis November jeden Morgen fahre, fallen mir natürlich auch bestimmte Sachen auf. Z.B. gibt es eine spezielle Stelle an welcher ein bisschen Wasser austritt. Da habe ich mich auch schon oft gefragt ob das normal ist - als Motorradfahrer kriege ich das ja viel besser mit.

Den U-Bahn Tunnel unter dem St. Lorenz Strom benutze ich auch nur ungern. Irgendwie traue ich der Sache nicht ...........

Eine Kombination von 60er Jahre Werkstoffen und Techniken (u.a. Stahlbeton), verbunden mit Zeitnot (olympische Spiele, Weltausstellung), mangelnder Ausbildung, mafiösen Strukturen auf dem Bau und extremen klimatischen Bedingungen sind ein wahrer "infrastruktureller Stresstest". Mal sehen was als nächstes passiert .....

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